Hinsichtlich der Gewalt gegen "alte" Menschen möchte ich mich im ersten Punkt dieser Arbeit mit dem "Altersbild" in unserer Gesellschaft auseinandersetzen. Da auch Pflegekräfte vom gesellschaftlichen Bild des "Altseins" und "Alters" beeinflusst werden und dieses Bild indirekt in die pflegerische Beziehung mit einfließt, somit vielleicht auch Einfluss hat, wie das Pflegepersonal mit den zu pflegenden Personen umgeht, halte ich es für sehr wichtig, sich mit diesem Bild näher zu beschäftigen.
Es ist oftmals festzustellen, dass alte Menschen in unserer Gesellschaft weitgehend auf ein negatives Rollenbild festgelegt werden, da das Altern als ein Prozess des Verlustes sowie des Abbaus von Fähigkeiten und Fertigkeiten angesehen wird. Das Leben der Menschen wird in unserer heutigen Gesellschaft von Schlagworten wie Produktivität, Leistung, Fortschritt und Jugendlichkeit bestimmt. Die alten Menschen, die bereits ihren Beitrag für die Gesellschaft geleistet haben, können diesem Bild meistens nicht standhalten.
Die gesamtgesellschaftliche Haltung ist dadurch gekennzeichnet, dass sie sich auf Leistung und Konkurrenz konzentriert, die Kostenoptimierung über die Menschenwürde stellt und Hilfe als eine Ware anbietet, die eine gegenseitige Entfremdung fördert und Gespräche in der Beziehung zwischen Pflegebedürftigen und Pflegekräften nicht anerkennt (Meyer, 1998, S. 25).
Schaut man auf das in den Medien dargestellte Altersbild, so kommt man zu dem Ergebnis, dass das Bild vom Alter durch Betreuungsbedürftigkeit, Krankheit, Armut, Hilfs- und Pflegebedürftigkeit geprägt wird. Das Thema "Alter" wird überwiegend mit Altenhilfe in Zusammenhang gebracht. Aktivität, Unabhängigkeit, Gesundheit, vielseitiges Interesse, geistige Aktivität, in der Gesellschaft präsent sein, Mobilität und finanzielle Absicherung wird alten Menschen weniger zugeschrieben und in den Medien kaum dargestellt (Meyer, 1998, S. 27).
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Inhaltsverzeichnis
- I. Der Begriff des „Alters“
- 1. Das Altersbild in unserer Gesellschaft
- 2. Subjektive Wahrnehmung des Alters
- II. Gewalt Was ist das?
- 1. Wie kann man Gewalt definieren?
- 1.1. Gewalt aus juristischer Sicht
- 1.2. Gewalt aus psychologischer Sicht
- 2. Formen von Gewalt
- 2.1. Strukturelle, indirekte Gewalt
- 2.2. Personale, direkte Gewalt
- 3. Die Quellen von Gewalt
- 3.1. Schwierigkeiten und Probleme beim alltäglichen Umgang mit pflegebedürftigen Menschen
- 3.2. Schwierigkeiten und Probleme der Pflegekräfte außerhalb der pflegerischen Beziehung
- III. Schlussgedanken: Überlegungen zum Thema Gewaltprävention
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit dem Thema Gewalt im Altenheim und zielt darauf ab, die verschiedenen Facetten des Phänomens zu beleuchten. Sie untersucht die gesellschaftlichen und subjektiven Perspektiven auf das Altern und die Auswirkungen auf die Interaktion zwischen Pflegekräften und Bewohnern. Darüber hinaus beleuchtet die Arbeit die unterschiedlichen Formen und Ursachen von Gewalt in Altenheimen.
- Das Altersbild in der Gesellschaft und dessen Einfluss auf die pflegerische Beziehung
- Die subjektive Wahrnehmung des Alters und die Diskrepanz zwischen Selbstbild und Fremdbild
- Definition und Abgrenzung von Gewalt im Kontext von Altenheimen
- Die verschiedenen Formen von Gewalt, die in Altenheimen auftreten können
- Ursachen und Hintergründe von Gewalt in Altenheimen
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel widmet sich dem Altersbild in unserer Gesellschaft. Es analysiert die stereotypen Vorstellungen, die mit dem Altern verbunden sind, und beleuchtet, wie diese sich auf die Beziehung zwischen Pflegekräften und Bewohnern auswirken können. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der subjektiven Wahrnehmung des Alters und zeigt auf, wie sich das Selbstbild eines älteren Menschen von den Erwartungen der Gesellschaft unterscheiden kann. In diesem Zusammenhang wird auch auf die Rolle der Medien und die Darstellung des Alterns in der Öffentlichkeit eingegangen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themen Gewalt, Altenheim, Altersbild, Subjektive Wahrnehmung des Alters, Pflegekräfte, Bewohner, Stereotypen, Fremdbild, Selbstbild, Pflegebeziehung, Gewaltdefinition, Formen der Gewalt, Quellen der Gewalt, Alltagsbelastungen, Probleme im Umgang mit pflegebedürftigen Menschen, Gewaltprävention.
Häufig gestellte Fragen
Wie sieht das negative Altersbild in unserer Gesellschaft aus?
Altern wird oft als Prozess des Verlustes und Abbaus definiert. In einer Gesellschaft, die auf Leistung und Jugendlichkeit setzt, werden alte Menschen oft nur mit Krankheit und Hilfsbedürftigkeit assoziiert.
Welchen Einfluss hat das Altersbild auf Pflegekräfte?
Pflegekräfte sind Teil der Gesellschaft und bringen diese Bilder unbewusst in die Pflegebeziehung ein, was den Umgang mit den Bewohnern und die Wertschätzung ihrer Würde beeinflussen kann.
Was versteht man unter struktureller Gewalt im Altenheim?
Strukturelle Gewalt entsteht durch Rahmenbedingungen wie Zeitmangel, Personalnotstand oder starre Heimabläufe, die die individuellen Bedürfnisse der Bewohner unterdrücken.
Was sind die Quellen von Gewalt in der Pflege?
Quellen können Überlastung der Pflegekräfte, mangelnde Ausbildung, psychische Belastungen sowie Schwierigkeiten im Umgang mit herausforderndem Verhalten (z.B. bei Demenz) sein.
Wie definiert sich Gewalt aus psychologischer Sicht?
Psychologische Gewalt umfasst Handlungen, die das seelische Wohlbefinden verletzen, wie Demütigungen, Ignorieren von Rufen oder Drohungen, die oft subtiler als körperliche Gewalt sind.
Welche Ansätze gibt es zur Gewaltprävention?
Wichtige Ansätze sind die Sensibilisierung des Personals, Verbesserung der Personalschlüssel, Supervision sowie die Förderung einer Kultur der Achtsamkeit und Wertschätzung.
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- Martina Hassemer (Author), 2002, Gewalt im Altenheim, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5627