Goethe durchlebt während seiner Italienreise tiefgreifende Veränderungen und gewinnt neue Einsichten, die sich wie folgt darstellen: Die für sein politisches Amt entscheidende Interessen wie politische und soziale treten zurück, die Beschäftigung mit den Naturwissenschaften wie Geologie, Botanik und Mineralologie gewinnt an Bedeutung und gleichzeitig treten ästhetische Fragestellungen in den Mittelpunkt, welche Goethe durch eine selektive Betrachtung der Natur und Kunst zu ergründen versucht. Im folgenden Kapitel möchte ich auf die Genese und Genealogie der „Italienischen Reise“ eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung – Goethes Flucht aus Karlsbad
2 Zur Genese und Genealogie des Werks
2.1 Die „Italienische Reise“ und das Reisetagbuch im Vergleich
3 Goethes Reiseerlebnisse
4 Ein Programm der Klassik - Selbststilisierung Goethes
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe, den Entstehungsprozess sowie die literarische Aufarbeitung von Johann Wolfgang von Goethes Italienreise. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie Goethe sein privates Reisetagebuch in ein publiziertes Werk der Weimarer Klassik transformierte und dabei gezielt an seiner Selbststilisierung arbeitete.
- Die psychologischen und beruflichen Ursachen für Goethes Flucht aus Weimar.
- Der Wandel vom persönlichen Reisetagebuch zum literarischen Werk.
- Die praktische Durchführung der Reise und Goethes wissenschaftliches Interesse.
- Die Instrumentalisierung der Italienreise für die Selbststilisierung als klassischer Autor.
Auszug aus dem Buch
2 Zur Genese und Genealogie des Werks
Dass Goethes Werk „Die Italienische Reise“ zu einer Neubegründung des Italienmythos führt, hängt sicherlich mit den Umständen der Publikation zusammen. Alle literarischen Arbeiten, welche das Italienthema explizit in den Mittelpunkt stellen, entstanden erst Jahre oder Jahrzehnte nach der eigentlichen Reise. Eine wissenschaftliche Auswertung von Goethes Erfahrungen erfolgt bereits ab Juni 1788 fortlaufend in kunsttheoretischen und kulturgeschichtlichen Einzelveröffentlichungen unter dem gemeinsamen Titel „Auszüge aus einem Reise-Journal“ in Wielands Zeitschrift „Teutscher Merkur“. Eine höchst interessante wissenschaftlich-philosophische Arbeit legt Goethe 1790 mit seinen Ausführungen zur Urpflanze und zur Pflanzenmetamorphose vor.
In größeren Abstand zur Italienreise erschienen „Venezianischen Epigramme“, die „Erotica Romana (Römischen Elegien)“, die Monographien über Phillipp Hackert und Winkelmann und Begleittexte zu Tischbeins „Idyllen“. Der älteste Teil der später publizierten „Italienischen Reise“ ist die bereits 1789 erschiene Studie „Der Römische Carneval“, welche aufgrund der großen Nachfrage im „Journal des Luxus und der Moden“ wiederaufgelegt wird. In der Ausgabe letzter Hand von 1829 erscheint „Der Römische Carneval“ nicht mehr als Einzelschrift, sondern als Teil des Zweiten Römischen Aufenthalts in der „Italienischen Reise“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung – Goethes Flucht aus Karlsbad: Dieses Kapitel beleuchtet die persönlichen, politischen und künstlerischen Krisen, die Goethe zu seiner überstürzten Abreise nach Italien bewegten.
2 Zur Genese und Genealogie des Werks: Hier wird analysiert, wie die später publizierte „Italienische Reise“ in einem langen Prozess aus verschiedenen Vorstufen, Tagebüchern und wissenschaftlichen Aufzeichnungen entstand.
3 Goethes Reiseerlebnisse: Der Abschnitt widmet sich der tatsächlichen Durchführung der Reise, Goethes wissenschaftlicher Beobachtungsgabe sowie seinem sozialen Umgang vor Ort.
4 Ein Programm der Klassik - Selbststilisierung Goethes: Im letzten Kapitel wird diskutiert, wie Goethe Italien als Museum für seine eigene ästhetische Erneuerung nutzte und sich retrospektiv als klassische Kunstfigur inszenierte.
Schlüsselwörter
Goethe, Italienische Reise, Weimarer Klassik, Reisetagebuch, Selbststilisierung, Italienbild, Bildungsreise, Ästhetik, Kunsttheorie, Antike, Wissenschaftsgeschichte, Literarischer Entstehungsprozess, Rom, Transformation, Autobiographie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Goethes Italienreise als prägendes Ereignis für die Entstehung der Weimarer Klassik und untersucht die literarische Umgestaltung seiner privaten Aufzeichnungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Krisensituation des Dichters in Weimar, die Entstehungsgeschichte des Werkes, die praktischen Erfahrungen der Reise sowie die bewusste Selbststilisierung Goethes.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Goethe aus seinen tatsächlichen Reiseerfahrungen eine „autobiographische Kunstfigur“ formte, um sich als klassischer Dichter zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, bei der Goethes Tagebücher, seine Briefe und die Forschungsliteratur zur Weimarer Klassik ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Reiseursachen, den komplexen Entstehungsprozess des Buches, den konkreten Reiseverlauf und die theoretische Fundierung des Werkes als klassisches Bildungsprogramm.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Weimarer Klassik, Selbststilisierung, Italienmythos, Transformation, Bildungsreise und Identitätsfindung.
Welche Rolle spielte das Reisetagebuch für Frau von Stein bei der Werkentstehung?
Das Tagebuch diente Goethe als grundlegendes Rohmaterial, wurde jedoch bei der literarischen Aufarbeitung stark redigiert, um intime Abhängigkeiten zu tilgen und eine objektive klassische Perspektive einzunehmen.
Warum wird Goethes Reise auch als Flucht bezeichnet?
Die Reise begann als überstürzte Abreise aus Karlsbad, da Goethe sich in einer tiefen persönlichen, künstlerischen und politischen Krise befand, der er sich durch die Flucht entziehen wollte.
- Arbeit zitieren
- Johannes Mattes (Autor:in), 2003, Goethes Italienische Reise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55889