In dieser Arbeit wird der Umgang der Enkelgeneration mit der Thematik des Zweiten Weltkriegs auf den Grund gegangen. In Hinblick auf die nähere Betrachtung von Tanja Dückers Roman "Himmelskörper" ergeben sich vorab einige Fragen: Wie werden Erinnerungen gebildet und weitergegeben? Was ist Gedächtnis? Was sind Generationen und wie sind sie an eigenen und gemeinsamen Erinnerungsprozessen, insbesondere innerhalb des sozialen Konstrukts Familie, beteiligt? Welche Rollen und Beziehungen haben sie? Die Klärung dieser Fragen soll der abschließenden Analyse von Dückers Roman dienen. Diese soll darstellen, wie Dückers die einzelnen Aspekte in ihrem Roman aufgenommen hat, wie diese im Verlauf der Handlung im Zusammenhang eines Familiengedächtnisses wirken und wie sie letztendlich zu der Aufdeckung eines Familiengeheimnisses führen können.
Wir befinden uns in einer Zeit, in der es immer weniger Zeitzeugen des 2. Weltkriegs gibt. Seit einigen Jahren rückt daher zunehmend die Auseinandersetzung und Aufarbeitung der Geschichte durch die sogenannte "Enkelgeneration" (3. Generation) in den Vordergrund. Insbesondere die eigene Familiengeschichte ist wichtiger Bestandteil für Prozesse der individuellen Aufarbeitung und Identitätsfindung.
In der literarischen Welt ist der Umgang der Enkelgeneration mit diesem Thema zum Gegenstand und Inhalt einiger Werke geworden. So taucht auch Tanja Dückers in ihrem Roman in die Geschichte einer Familie ein, in der sich vieles um die Ereignisse der Kriegszeit dreht. Dabei tauchen im Laufe der Zeit einige Ungereimtheiten auf, die es aus Sicht der Enkelin zu klären gibt. Die Behandlung von Erinnerungsprozessen und der intergenerationelle Austausch bilden dabei den Handlungsrahmen.
Inhaltsverzeichnis
- Motivation der Arbeit
- Generationen, Erinnerungskultur und Familiengedächtnis
- Was sind Generationen?
- Wie konstituieren sich soziale Generationen?
- Wie gestalten sich Beziehungen zwischen sozialen Generationen?
- Erinnerungskultur
- Gedächtnisformen
- Das kollektive Gedächtnis
- Das kommunikative Gedächtnis
- Das kulturelle Gedächtnis
- Das Familiengedächtnis
- Konstruktion von Erinnerungen
- Tanja Dückers „Himmelskörper“: intergenerationeller Austausch und Familiengedächtnis
- Schluss und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Umgang der Enkelgeneration mit der Vergangenheit des Nationalsozialismus, insbesondere im Kontext des Familiengedächtnisses. Sie untersucht, wie Erinnerungen gebildet und weitergegeben werden, welche Rolle die Familiengeschichte für Prozesse der individuellen Aufarbeitung und Identitätsfindung spielt und wie intergenerationelle Beziehungen im Kontext von Familiengeheimnissen funktionieren.
- Bildung und Weitergabe von Erinnerungen
- Familiengeschichte und Identitätsfindung
- Intergenerationelle Beziehungen im Kontext von Familiengeheimnissen
- Der Umgang mit der NS-Vergangenheit in der Enkelgeneration
- Analyse von Tanja Dückers Roman „Himmelskörper“ im Hinblick auf die genannten Themen
Zusammenfassung der Kapitel
- Motivation der Arbeit: Dieses Kapitel beleuchtet die aktuelle Relevanz der Thematik und stellt die Motivation für die Untersuchung dar. Es werden Fragen zur Entstehung und Weitergabe von Erinnerungen, zum Begriff des Gedächtnisses und zur Rolle von Generationen in Familiengedächtnisprozessen aufgeworfen.
- Generationen, Erinnerungskultur und Familiengedächtnis: Dieses Kapitel befasst sich mit dem Begriff „Generation“ und seiner Verwendung in verschiedenen Kontexten. Es analysiert die Entstehung und Konstitution von sozialen Generationen und die Gestaltung von Beziehungen zwischen ihnen, insbesondere im Familienzusammenhang.
Schlüsselwörter
Die Arbeit fokussiert auf die Schlüsselbegriffe Erinnerungskultur, Familiengedächtnis, Generationen, intergenerationeller Austausch, Familiengeheimnis und die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit.
Häufig gestellte Fragen
Wie geht die Enkelgeneration mit dem Thema Zweiter Weltkrieg um?
Die Enkelgeneration (3. Generation) nutzt die Familiengeschichte verstärkt zur individuellen Aufarbeitung und Identitätsfindung, da es immer weniger Zeitzeugen gibt.
Was ist der Inhalt von Tanja Dückers Roman "Himmelskörper"?
Der Roman thematisiert das Familiengedächtnis einer deutschen Familie, in der eine Enkelin Ungereimtheiten und Geheimnisse aus der Kriegszeit aufdeckt.
Welche Formen des Gedächtnisses werden unterschieden?
Die Arbeit differenziert zwischen dem kollektiven, kommunikativen, kulturellen und dem spezifischen Familiengedächtnis.
Was versteht man unter dem "kommunikativen Gedächtnis"?
Es umfasst Erinnerungen, die durch den direkten Austausch zwischen Zeitzeugen und ihren Nachkommen innerhalb von zwei bis drei Generationen weitergegeben werden.
Wie entstehen Familiengeheimnisse laut der Analyse?
Geheimnisse entstehen oft durch Schweigen oder Verdrängung belastender Ereignisse der NS-Zeit, was zu Spannungen im intergenerationellen Austausch führen kann.
Warum ist die literarische Aufarbeitung für die Enkelgeneration wichtig?
Literatur bietet einen Raum, um die Lücken in der eigenen Familiengeschichte zu reflektieren und eine Verbindung zwischen persönlichem Schicksal und historischer Verantwortung herzustellen.
- Quote paper
- Philipp Kaiser (Author), 2015, Der Umgang der Enkelgeneration mit dem Zweiten Weltkrieg. Generationen, Erinnerungskultur und Familiengedächtnis in Tanja Dückers Roman "Himmelskörper", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/544616