Das fundamentale sprachliche Phänomen der Zwei-, beziehungsweise Mehrsprachigkeit, hat bis heute einen umfassenden transdisziplinären Forschungs- und Wissensstand sowie zahlreiche linguistische Debatten angestoßen und hervorgebracht. Trotz umstrittener, heterogener und vielschichtiger Klassifikationen bezüglich Mehrsprachigkeit, Sprachkontakt und sprachlicher Variation ist es möglich, sowie notwendig, aktuelle multilinguale Entwicklungen zu beleuchten, und diese im Zusammenhang allgemeiner Sprachentwicklung zu untersuchen.
Zu diesen linguistischen Entwicklungen zählt das Phänomen der „kiezdeutschen“ Varietät. Mitten in multiethnischen Wohnvierteln, langfristig geprägt durch Migration und Mehrsprachigkeit, entstand eine dynamische, neue deutsche Varietät, welche es bis in die heutigen, aktuellen linguistischen Diskussionen geschafft hat. Die Rede ist hier vom „Kiezdeutsch“, Jugendslang oder auch „Kanak Sprak“. Gemeint ist hiermit eine neue Sprachvarietät des Deutschen, welche kontrovers definiert und umschrieben wird. Im Folgenden wird hierfür die eingangs erwähnte Begrifflichkeit Kiezdeutsch verwendet, um diese sprachliche Varietät zu bezeichnen.
Die differenzierten Zuordnungen und Beschreibungen des Kiezdeutschen haben ihren Ursprung in verschiedenen Merkmalen dieser neuen Varietät, wie beispielsweise grammatischen Reduktionen, lexikalischen Neuerungen oder lautlicher Besonderheiten. Dabei sind die grammatischen Eigenheiten des Kiezdeutschen umfassend fundiert beschrieben, die Ursachen und Entwicklungsverläufe jedoch umstritten. Dies trifft ebenso für die Neuerungen im lexikalischen Bereich zu, welche im Folgenden genauer beschrieben werden. Nach einer grundlegenden Beschreibung der sprachlichen Eigenheiten der kiezdeutschen Varietät wird auf die Jugend- und Kontaktsprache Bezug genommen, welche nachfolgend mit dem Kiezdeutschen, insbesondere den fremdsprachlichen Ausdrücken, in Beziehung gesetzt wird. Hinsichtlich der jugend- sowie kontaktsprachlichen Aspekte des Kiezdeutschen soll demnach im Folgenden der Frage nachgegangen werden, inwieweit fremdsprachliche Ausdrücke in dieser Varietät Ausdruck jugendsprachlicher oder kontaktsprachlicher Einflüsse sind.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das Phänomen Kiezdeutsch
- Kiezdeutsch im Kontext von Jugend- und Kontaktsprache
- Korpusdaten / fremdsprachliches Material
- Fazit
- Ausblick
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das Phänomen des Kiezdeutschen und analysiert die Rolle fremdsprachlicher Ausdrücke im Kontext von Jugend- und Kontaktsprache. Das Ziel der Arbeit ist es, die sprachlichen Besonderheiten des Kiezdeutschen, insbesondere die Verwendung fremdsprachlicher Ausdrücke, zu beleuchten und deren Ursprung in jugendsprachlichen und kontaktsprachlichen Einflüssen zu untersuchen.
- Die sprachlichen Eigenheiten des Kiezdeutschen
- Die Integration fremdsprachlicher Ausdrücke in die kiezdeutsche Varietät
- Der Einfluss von Jugendsprache und Kontaktsprache auf das Kiezdeutsche
- Die Rolle von Mehrsprachigkeit und Migration in der Entstehung des Kiezdeutschen
- Die Kontroversen und Debatten um das Phänomen Kiezdeutsch
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt das Phänomen des Kiezdeutschen vor und führt in die Thematik der Mehrsprachigkeit und Sprachkontakte ein. Sie legt die Forschungsfrage dar, inwieweit fremdsprachliche Ausdrücke im Kiezdeutschen Ausdruck jugendsprachlicher oder kontaktsprachlicher Einflüsse sind.
Das zweite Kapitel befasst sich mit den sprachlichen Eigenheiten des Kiezdeutschen. Es werden grammatische Reduktionen, lexikalische Neuerungen und lautliche Besonderheiten analysiert. Der Schwerpunkt liegt auf den fremdsprachlichen Ausdrücken im Kiezdeutschen.
Im dritten Kapitel wird der Zusammenhang zwischen Kiezdeutsch und Jugend- und Kontaktsprache beleuchtet. Es werden die spezifischen Merkmale von Jugendsprache und Kontaktsprache im Kiezdeutschen diskutiert und in Bezug zu den fremdsprachlichen Ausdrücken gesetzt.
Schlüsselwörter
Kiezdeutsch, Mehrsprachigkeit, Jugendsprache, Kontaktsprache, fremdsprachliche Ausdrücke, Sprachkontakt, Sprachwandel, Migration, multiethnische Wohnviertel, grammatische Reduktionen, lexikalische Neuerungen, Urbanität, Sprachvariation.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Kiezdeutsch?
Kiezdeutsch ist eine dynamische Sprachvarietät des Deutschen, die in multiethnischen Wohngebieten durch Sprachkontakt und Mehrsprachigkeit entstanden ist. Es wird oft auch als Jugendslang bezeichnet.
Welche sprachlichen Merkmale zeichnen Kiezdeutsch aus?
Typisch sind grammatische Reduktionen, lautliche Besonderheiten sowie lexikalische Neuerungen, insbesondere die Integration fremdsprachlicher Ausdrücke.
Sind fremdsprachliche Ausdrücke im Kiezdeutsch Zeichen von mangelndem Deutsch?
Nein, die Arbeit untersucht diese Ausdrücke als Teil einer komplexen Kontaktsprache und Jugendsprache, die als Ausdruck kultureller Identität und sprachlicher Innovation dient.
Welche Sprachen beeinflussen das Kiezdeutsche besonders?
Durch Migration geprägte Umfelder bringen Einflüsse aus verschiedenen Sprachen mit, die sich mit dem Deutschen vermischen und so zu einer neuen Varietät führen.
Ist Kiezdeutsch ein fester Dialekt?
Es wird eher als Varietät oder Kontaktsprache diskutiert, deren Definition und Einordnung in der Linguistik noch immer kontrovers debattiert wird.
- Arbeit zitieren
- Franziska Schmidt (Autor:in), 2018, Das Phänomen Kiezdeutsch und seine fremdsprachlichen Ausdrücke im Kontext von Jugend- und Kontaktsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542484