Unter der Fragestellung, ob und inwiefern die Landwirtschaft Westfalens als ein Gewinner der Industrialisierung bezeichnet werden kann, wird im Folgenden in mehreren Abschnitten versucht, die verschiedenen Etappen der Transformation der Landwirtschaft Westfalens von der Subsistenzwirtschaft hin zu einer marktorientierten Absatzwirtschaft darzustellen
"No farmers, no food, no future" — unter diesem Motto fuhren am 25.11.2019 etwa 500 Landwirte auf ihren Traktoren durch die Ruhrgebietsstadt Bochum und sorgten damit, wie die Polizei berichtete, für erhebliche Verkehrsstörungen. Das Hauptanliegen der Landwirte war es, die städtische Bevölkerung auf die für die Betriebe befürchteten negativen Folgen des Agrarpakets der amtierenden Bundesregierung aufmerksam zu machen. Es demonstrierten dort jedoch nicht nur die ortsansässigen Landwirte.
Bei genauerer Betrachtung fiel auf, dass ein Großteil der dort anwesenden Traktoren ein Kennzeichen aus dem Münsterland trug. Dies verwundert kaum, so hat sich gerade das Münsterland im Zuge der Transformationsprozesse der Industrialisierung Westfalens im 19. Jahrhundert zur "Kornkammer des Ruhrgebiets" entwickelt. Jedoch steht diese Bezeichnung im Konflikt zu der bis in das 20. Jahrhundert hinein behaupteten Rückständigkeit der westfälischen Bauern.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Voraussetzungen und Strukturen
- Agrarreformen und „Bauernbefreiung“
- Urbanisierung und Bevölkerungswachstum
- Die westfälische „Agrarrevolution“
- Die erste Phase der „Agrarrevolution“
- Die zweite Phase der „Agrarrevolution“
- Letzte „Hungerkrisen“ in Westfalen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Transformation der westfälischen Landwirtschaft im 19. Jahrhundert und beleuchtet, ob und inwiefern die Landwirtschaft Westfalens als ein Gewinner der Industrialisierung bezeichnet werden kann. Die Analyse untersucht die verschiedenen Etappen der Transformation von der Subsistenzwirtschaft hin zu einer marktorientierten Absatzwirtschaft.
- Voraussetzungen und Strukturen für die Agrarrevolution
- Die Rolle der preußischen Agrarreformen und der „Bauernbefreiung“
- Die Auswirkungen von Urbanisierung und Bevölkerungswachstum
- Die Phasen der westfälischen „Agrarrevolution“
- Die Bedeutung der Landwirtschaft für den Industrialisierungsprozess
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik ein und beleuchtet die Bedeutung der Landwirtschaft für die Industrialisierung. Anschließend werden die Voraussetzungen und Strukturen für die Agrarrevolution beleuchtet, wobei der Fokus auf die preußischen Agrarreformen, die „Bauernbefreiung“ sowie die demographischen und wirtschaftlichen Entwicklungen liegt. Die Kapitel 3 und 4 betrachten die Phasen der westfälischen „Agrarrevolution“ und die letzten „Hungerkrisen“ in Westfalen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Themen Agrargeschichte, Industrialisierung, Landwirtschaft, „Agrarrevolution“, Preußen, Westfalen, Urbanisierung, Bevölkerungswachstum, Hungerkrisen, Subsistenzwirtschaft, Marktorientierung, Agrarreformen, „Bauernbefreiung“ und dem Verhältnis zwischen Landwirtschaft und Industrialisierung.
Häufig gestellte Fragen
Was war die westfälische Agrarrevolution?
Es beschreibt die Transformation der Landwirtschaft im 19. Jahrhundert von einer Subsistenzwirtschaft hin zu einer marktorientierten Absatzwirtschaft, die das Ruhrgebiet versorgte.
Was bedeutete die 'Bauernbefreiung' für Westfalen?
Die preußischen Agrarreformen lösten feudale Abhängigkeiten auf, was den Bauern ermöglichte, eigenständig zu wirtschaften, aber auch neue wirtschaftliche Risiken mit sich brachte.
Warum wurde das Münsterland zur 'Kornkammer des Ruhrgebiets'?
Durch die Urbanisierung und das Bevölkerungswachstum im Ruhrgebiet stieg die Nachfrage nach Lebensmitteln massiv an, was das Münsterland zur spezialisierten Zulieferregion machte.
War die Landwirtschaft ein Gewinner der Industrialisierung?
Ja, viele Betriebe profitierten von neuen Absatzmärkten und technischen Fortschritten, auch wenn dies mit einem harten Strukturwandel und dem Ende alter Lebensweisen verbunden war.
Gab es im 19. Jahrhundert noch Hungerkrisen in Westfalen?
Trotz der Fortschritte gab es bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts (z.B. 1840er Jahre) noch schwere Hungerkrisen, bevor die Agrarrevolution die Versorgung stabilisierte.
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- Robin Großkopf (Author), 2020, Die westfälische "Agrarrevolution" während der Industrialisierung. Entwicklung der westfälischen Landwirtschaft zwischen 1770 und 1880, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541215