Bürgerschaftliches Engagement, freiwilliger Einsatz für gemeinnützige Zwecke oder ehrenamtliche Tätigkeit sind elementare Bestandteile einer Demokratie. Sie schaffen eine Atmosphäre der Solidarität, der Zugehörigkeit und des Vertrauens und gelten als „soziales Kapital“ eines Gemeinwesens.
In der gesellschaftspolitischen Diskussion hat bürgerschaftliches Engagement in jüngster Zeit zunehmend an Relevanz gewonnen. Dies lag vor allem auch daran, dass im Zuge der Kritik an bestehenden Formen der Sozialstaatlichkeit die Stärkung von Partizipation, Mitgestaltung und Koproduktion durch Bürgerinnen und Bürger in den sozialen Diensten und Einrichtungen einen wichtigen Stellenwert als Reformfaktor einnehmen. Dabei gilt es den Anteil der Zivilgesellschaft an der Wohlfahrtsproduktion, neben Staat, Markt und Familie, neu zu justieren.
Im Bereich des deutschen Gesundheitswesens trifft diese Intention jedoch auf eine sehr spezifische Konstellation an Akteuren und Machtverhältnissen, die eine Neujustierung als schwieriges Unterfangen gestalten. Ziel dieser Arbeit ist es einerseits, den spezifischen Kontext darzustellen, der den Rahmen für die Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements im deutschen Gesundheitswesen vorgibt, um in der Folge den zivilgesellschaftlichen Status Quo in diesem Sektor zu beleuchten.
Dazu soll zunächst auf die historischen Kontextbedingungen eingegangen werden, die, wie sich zeigen wird, für das Verständnis des Gesundheitssystems von elementarer Bedeutung sind. Die Entwicklungsstränge, die sich hierbei feststellen lassen, sollen in einem zweiten Schritt aus zivilgesellschaftlicher Perspektive bewertet werden. Im dritten Teil der Arbeit soll dann explizit auf die existierenden Formen bürgerschaftlichen Engagements im deutschen Gesundheitswesen eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Historische Kontextbedingungen
- Einführung des Krankenversicherungsgesetzes
- Etablierung der Verbände
- Entwicklung des Gesundheitssystems in der neu gegründeten BRD
- Bürgerschaftliches Engagement im deutschen Gesundheitswesen
- Selbsthilfe im deutschen Gesundheitswesen
- Struktur der Selbsthilfeorganisationen
- Organisation der Selbsthilfe auf Bundes- und Landesebene
- Entwicklung der Selbsthilfe
- Soziale Bewegung
- Ökonomisierung der Selbsthilfe
- Selbsthilfe ab den 90ern
- Gesundheitspolitik nach 1998
- Der aktivierende Staat
- Selbsthilfe im deutschen Gesundheitswesen
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit dem bürgerschaftlichen Engagement im deutschen Gesundheitswesen. Ziel ist es, den Kontext und den Status Quo des bürgerschaftlichen Engagements in diesem Sektor zu analysieren. Die Arbeit untersucht die historischen Kontextbedingungen, die die Entwicklung des Gesundheitssystems prägten und die Bedeutung der Zivilgesellschaft in diesem Prozess. Besonderes Augenmerk liegt auf der Korporatisierung und Ökonomisierung des Politikfeldes.
- Die historischen Kontextbedingungen, die das deutsche Gesundheitswesen prägten
- Die Rolle der Zivilgesellschaft im deutschen Gesundheitswesen
- Die Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements im Gesundheitswesen
- Die Bedeutung der Selbsthilfe im deutschen Gesundheitswesen
- Der Einfluss der Gesundheitspolitik auf das bürgerschaftliche Engagement
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt das bürgerschaftliche Engagement als einen zentralen Bestandteil einer Demokratie dar und hebt die wachsende Bedeutung von Partizipation und Mitgestaltung im Gesundheitswesen hervor.
Das Kapitel "Historische Kontextbedingungen" beleuchtet die Entstehung des deutschen Krankenversicherungssystems im Kontext der Machtpolitik des Kaiserreichs. Die Einführung des Krankenversicherungsgesetzes von 1883 wird als strategische Maßnahme zur Staatskonsolidierung und zur Abwehr der Arbeiterbewegung dargestellt.
Die Etablierung der Verbände im Gesundheitswesen, insbesondere der Ärzte- und Kassenverbände, wird im zweiten Abschnitt des Kapitels behandelt. Die Rolle der Ärzte und Krankenkassen im System wird als ein Ergebnis der gesetzlich geregelten Strukturen und des Selbstverwaltungsprinzips dargestellt.
Im Kapitel "Bürgerschaftliches Engagement im deutschen Gesundheitswesen" wird die Selbsthilfe als eine zentrale Form des bürgerschaftlichen Engagements im Gesundheitswesen behandelt. Die Struktur und Organisation der Selbsthilfeorganisationen sowie die Entwicklung der Selbsthilfebewegung im Laufe der Zeit werden analysiert.
Schlüsselwörter
Bürgerschaftliches Engagement, Gesundheitswesen, Selbsthilfe, Zivilgesellschaft, Korporatisierung, Ökonomisierung, Krankenversicherung, Gesundheitspolitik, aktivierender Staat.
Häufig gestellte Fragen
Welche Bedeutung hat bürgerschaftliches Engagement für die Demokratie?
Es schafft Solidarität und Vertrauen und gilt als "soziales Kapital", das für das Funktionieren eines Gemeinwesens elementar ist.
Was ist das Ziel bürgerschaftlichen Engagements im Gesundheitswesen?
Ziel ist die Stärkung von Partizipation und Mitgestaltung der Bürger in sozialen Diensten als Reformfaktor gegenüber Staat und Markt.
Welche Rolle spielt die Selbsthilfe in diesem Sektor?
Selbsthilfe ist eine zentrale Form des Engagements, die sich von einer sozialen Bewegung hin zu einer teilweise ökonomisierten Struktur entwickelt hat.
Wie beeinflusste das Kaiserreich das heutige Gesundheitssystem?
Die Einführung des Krankenversicherungsgesetzes 1883 diente primär der Staatskonsolidierung und der Abwehr der Arbeiterbewegung, was die Machtstrukturen bis heute prägt.
Was versteht man unter der "Ökonomisierung der Selbsthilfe"?
Damit ist der Prozess gemeint, in dem Selbsthilfeorganisationen zunehmend in wirtschaftliche Strukturen und professionelle Versorgungsabläufe eingebunden werden.
Was ist ein "aktivierender Staat"?
Ein Staatsmodell, das Bürger dazu motiviert, Aufgaben der Wohlfahrtsproduktion eigenverantwortlich und gemeinschaftlich mitzugestalten.
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- Anonym (Autor), 2004, Bürgerschaftliches Engagement im Gesundheitswesen der BRD, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53925