Schon immer gibt es in kapitalistischen Gesellschaften das Phänomen der sozialräumlichen Spaltung. Der Arbeitsmarkt bringt besser und schlechter Verdienende hervor, die wiederum aufgrund ihres Einkommens in unterschiedlich komfortablen Verhältnissen leben. Außerdem führt die starke Nachfrage nach geeigneten Standorten zum Prosperieren einiger weniger Gegenden, die Absage an ungeeignete Regionen begünstigt andersherum deren Verfall.
Seit Ende der 70er Jahre ist aber dennoch ein neuer, verstärkter Trend zur sozialräumlichen Polarisierung zu beobachten. Der Umbruch der Ökonomie und der Wandel des Arbeitsmarktes weg von einer Industrie- und hin zur Dienstleistungsgesellschaft haben schwer wiegende Umwälzungen der Bevölkerungsstruktur mit sich gezogen. Seit Ende der 90er Jahre ist deutlich zu erkennen, dass sich die sozialen Unterschiede zwischen Ländern und einzelnen Städten in Richtung einer viel kleineren "Konkurrenz" entwickeln. Der Trend geht bis hin zu einer Spaltung innerhalb der Städte. Diese zunehmend kleinräumliche Segregation führt zum Entstehenden der "vielfach geteilten Stadt".1In ihr stehenden sich schillernde Boom-Viertel im inneren Stadtkern mit einer internationalen Ausrichtung, guten Arbeitsmöglichkeiten, einer florierenden Wirtschaft und funktionierender technischer und kultureller Infrastruktur sowie einiger "Luxusquartiere" mit Villenvierteln und großzügigen Wohnungen für die besser Verdienenden einerseits und "vergessene" Stadtteile mit Substandardwohnungen, fehlender Infrastruktur und einem hohen Konfliktpotential andererseits gegenüber. Diese niedergehenden Stadtteile sind Lebensraum für den Teil der Bevölkerung, der an der allgemeinen Wohlstandsentwicklung nicht teilnehmen konnte. So sammelt sich in bestimmten Stadtgebieten eine homogene Unterschicht, die isoliert vom Rest der Stadt in Armut lebt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Sozialräumliche Spaltung: von der Stadt- zur Stadtteilpolitik
- Sozio-ökonomischer Wandel der Gesellschaft
- Sozio-demografischer Wandel in Städten
- Merkmale benachteiligter Stadtteile
- Umdenken in der Politik: Stichwort "Integrative Handlungskonzepte"
- Instrument der Stadtteilentwicklung: Quartiersmanagement
- Die Anfänge integrierter Stadtteilpolitik
- Ziele des Quartiersmanagements
- Quartiersmanagement in Berlin: ein Überblick
- Was bringt Quartiersmanagement?
- Evaluation des Berliner Quartiersmanagements
- Reaktion und Handlungsempfehlungen des Berliner Senats
- Kritik
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit Quartiersmanagement als Schlüsselinstrument der integrierten Stadtteilpolitik dazu beitragen kann, sozialräumliche Segregation aufzuhalten und den Niedergang benachteiligter Stadtgebiete zu verhindern. Sie analysiert die Ursachen für die soziale Spaltung in Städten und untersucht die Ideen und Konzepte der Stadtteilpolitik, insbesondere das Quartiersmanagement, in Bezug auf ihre Wirksamkeit.
- Sozio-ökonomischer Wandel und seine Auswirkungen auf die Stadtentwicklung
- Merkmale benachteiligter Stadtgebiete und ihre Herausforderungen
- Entwicklung und Ziele der integrierten Stadtteilpolitik
- Das Konzept des Quartiersmanagements als Instrument der Stadtteilentwicklung
- Bewertung der Wirksamkeit des Quartiersmanagements in Berlin
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt den Kontext der sozialräumlichen Spaltung in kapitalistischen Gesellschaften dar und beleuchtet die Ursachen für den verstärkten Trend zur Polarisierung seit Ende der 70er Jahre. Der Wandel der Ökonomie und des Arbeitsmarktes, der von einer Industrie- zu einer Dienstleistungsgesellschaft führt, hat schwerwiegende Umwälzungen der Bevölkerungsstruktur mit sich gezogen. Das Kapitel analysiert die Entstehung der "vielfach geteilten Stadt" mit ihren schillernden Boom-Vierteln und "vergessenen" Stadtteilen.
Kapitel 2 untersucht den sozio-ökonomischen Wandel der Gesellschaft, der maßgeblich die soziale Integration und die Wohlfahrtschancen von Individuen beeinflusst. Es betrachtet die Folgen der Tertiärisierung des Arbeitsmarktes, die zum Abbau von Industriearbeitsplätzen und zum Aufbau von Dienstleistungsjobs geführt hat. Die unterschiedliche Wertigkeit der beiden Sektoren hat zu einer Spaltung am Arbeitsmarkt geführt, die die Entstehung von Arbeitslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit begünstigt.
Kapitel 3 widmet sich dem Instrument der Stadtteilentwicklung, dem Quartiersmanagement. Es erläutert die Anfänge der integrierten Stadtteilpolitik, die Ziele des Quartiersmanagements und gibt einen Überblick über die Praxis des Quartiersmanagements in Berlin.
Schlüsselwörter
Sozialräumliche Spaltung, Stadtteilpolitik, Quartiersmanagement, Integration, Segregation, Benachteiligte Stadtgebiete, Arbeitsmarkt, Dienstleistungsgesellschaft, Tertiärisierung, Bürgeraktivierung, Bottom-Up-Ansatz, Evaluation, Berlin
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptziel des Quartiersmanagements?
Das Quartiersmanagement fungiert als Schlüsselinstrument der integrierten Stadtteilpolitik, um sozialräumliche Segregation aufzuhalten und den Niedergang benachteiligter Stadtgebiete durch gezielte Interventionen und Bürgeraktivierung zu verhindern.
Welche Ursachen führen zur sozialräumlichen Spaltung in Städten?
Hauptursachen sind der sozio-ökonomische Wandel, insbesondere der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft (Tertiärisierung), sowie Veränderungen am Arbeitsmarkt, die zu Arbeitslosigkeit und Einkommensunterschieden führen.
Was versteht man unter der "vielfach geteilten Stadt"?
Dieser Begriff beschreibt die Polarisierung zwischen prosperierenden Boom-Vierteln mit guter Infrastruktur und "vergessenen" Stadtteilen, die durch Substandardwohnungen, fehlende Infrastruktur und hohe soziale Konfliktpotenziale geprägt sind.
Welche Rolle spielt die Bürgeraktivierung im Quartiersmanagement?
Ein zentrales Element ist der Bottom-Up-Ansatz, bei dem Bewohner aktiv in die Gestaltung ihres Lebensraums einbezogen werden, um die soziale Integration und Identifikation mit dem Stadtteil zu stärken.
Wie wird die Wirksamkeit des Quartiersmanagements in Berlin beurteilt?
Die Arbeit analysiert Evaluationen des Berliner Modells sowie die Reaktionen des Senats, beleuchtet dabei aber auch kritische Stimmen zur langfristigen Effektivität dieser Instrumente.
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- Bettina Böse (Author), 2004, Quartiersmanagement als Schlüsselinstrument integrierter Stadtteilpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53773