Die Literaturwissenschaft scheint mannigfaltige Möglichkeiten gefunden zu haben, sich Edgar Allan Poes “Ligeia” zu nähern und immer wieder neu zu entdecken. Seit der Erscheinung der ersten Ausgabe im Jahre 1938 versuchen Kritiker die Kurzgeschichte mittels Literaturtheorien, die zu verschiedenen Schulen gehören, zu interpretieren. Im Allgemeinen ist die Literaturkritik um Ligeia zweigeteilt wenn es darum geht, die Erzählung wörtlich oder allegorisch zu lesen. Die Kritiker, die die Geschichte wörtlich verstehen, halten sie für eine übernatürliche Erzählung, eine Horrorgeschichte. Diese sind sich meist einig, dass die Erzählung vom Sieg des menschlichen Willen über den Tod handelt. Doch stellt sich auch bei dieser Verstehensweise die Frage, ob der Höhepunkt der Erzählung wirklich von der Auferstehung von den Toten handelt, oder nur von den Halluzinationen eines opiumabhängigen Erzählers.
Aus der Fülle von allegorischen Interpretationen kann die Autorin im Rahmen dieser Arbeit nur drei vorstellen und ihre Schwachpunkte aufzeigen. Der feministische Ansatz geht davon aus, dass Ligeia in der Reinkarnationsszene es endlich schafft, sich von den patriarchalen Zwängen einer von Männern regierten Gesellschaft zu befreien. Mit ihrem starken Willen hat sie die Kraft, die Ketten dieser Gesellschaft zu durchbrechen, die sie zu einem Mann gebunden haben, der sie nur als ein Gemälde beschreiben kann. Eine ganz und gar gegenteilige Auffassung vertreten die Kritiker, die den männlichen Erzähler als einen unterdrückten, schwachen Mann sehen, der sich Ligeia nur unterordnen kann.
Die dritte allegorische Interpretation, die vorgestellt wird, vertritt die Meinung, dass Ligeia ein bloßes Hirngespinst des Autors ist – sie ist die Muse, die ihn inspiriert während er dichtet. Ziel dieser Arbeit ist es, diese verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten vorzustellen und Kritiken auszuarbeiten. Damit möchte die Autorin beweisen, dass diese Erzählung keineswegs zur Trivialliteratur gehört und damit nicht bloße Unterhaltung, sondern ein präzise und minutiös ausgearbeitetes Werk, das jedem Individuum und jeder Generation ermöglicht, eine Botschaft darin zu entdecken, gerade weil es keine universale Interpretation liefert.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Wörtliches Verstehen
- Übernatürliche Ebene
- Psychologisch-rationale Verstehensweise
- Allegorische Interpretationen
- Feminist reading
- Unterdrückung des männlichen Erzählers
- Der Dichter und seine Muse
- Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht verschiedene Interpretationen von Edgar Allan Poes Kurzgeschichte "Ligeia" und analysiert deren Stärken und Schwächen. Ziel ist es, zu demonstrieren, dass die Geschichte keine triviale Unterhaltung ist, sondern ein komplexes Werk, das mehrere Interpretationen zulässt und somit für verschiedene Lesergruppen relevant ist.
- Wörtliche vs. allegorische Lesarten von "Ligeia"
- Die Rolle des menschlichen Willens im Kampf gegen den Tod
- Die Bedeutung der Figuren Ligeia und Rowena
- Die psychologische Verfassung des Erzählers
- Die Interpretation von "Ligeia" im Kontext der Literaturtheorie
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung bietet einen Überblick über die unterschiedlichen Interpretationen von "Ligeia" und die verschiedenen Literaturtheorien, die zur Analyse der Geschichte herangezogen werden.
Wörtliches Verstehen
Dieses Kapitel untersucht die wörtliche Interpretation von "Ligeia" als fantastische Literatur oder Horrorgeschichte. Es befasst sich mit der Rolle des menschlichen Willens im Kampf gegen den Tod und der Frage, ob die Geschichte tatsächlich übernatürliche Elemente beinhaltet oder ob der Erzähler halluziniert.
Allegorische Interpretationen
Dieses Kapitel präsentiert drei verschiedene allegorische Interpretationen von "Ligeia": eine feministische Lesart, eine Interpretation, die den Erzähler als unterdrückten Mann darstellt, und eine Interpretation, die Ligeia als Muse des Autors betrachtet. Es werden die Stärken und Schwächen dieser Ansätze diskutiert.
Schlüsselwörter
Schlüsselwörter für diese Arbeit sind: Edgar Allan Poe, "Ligeia", Interpretation, Literaturtheorie, Fantastische Literatur, Horrorgeschichte, Feminismus, Unterdrückung, Muse, menschlicher Wille, Tod, Halluzination.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Edgar Allan Poes Kurzgeschichte „Ligeia“?
Die Geschichte handelt von einem Mann, der um seine verstorbene erste Frau Ligeia trauert. Nach dem Tod seiner zweiten Frau Rowena scheint Ligeia durch deren Körper wiederaufzuerstehen.
Was ist der Unterschied zwischen einer wörtlichen und einer allegorischen Lesart?
Wörtlich gelesen ist es eine übernatürliche Horrorgeschichte über den Sieg des Willens über den Tod. Allegorisch gesehen kann es als psychologische Studie über Halluzinationen oder als literarische Metapher interpretiert werden.
Welche Rolle spielt Opium in der Erzählung?
Der Erzähler ist opiumabhängig. Dies nährt die psychologische Interpretation, dass die gesamte Wiederauferstehung lediglich eine drogeninduzierte Halluzination seines verstörten Geistes ist.
Was besagt der feministische Interpretationsansatz zu „Ligeia“?
Dieser Ansatz sieht in Ligeia eine Frau, die versucht, sich patriarchalen Zwängen zu entziehen. Ihr starker Wille ist das Werkzeug, um die ihr zugedachte Rolle als bloßes Objekt männlicher Bewunderung zu sprengen.
Ist „Ligeia“ bloße Trivialliteratur?
Nein, die Forschung zeigt, dass es ein präzise ausgearbeitetes Werk ist, das durch seine Mehrdeutigkeit und die Verweigerung einer universalen Interpretation zeitlose Relevanz besitzt.
- Quote paper
- Raluca Bibescu (Author), 2005, Vorstellung und Kritik verschiedener Interpretationen der Erzählung "Ligeia" von Edgar Allan Poe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52980