Einleitung
Mitte der 60er Jahre entstanden in Lateinamerika die Ansätze, die unter der Bezeichnung „Dependenztheorien“ zusammengefaßt werden können und als Alternative zur Modernisierungstheorie aufgefaßt werden können. Es handelt sich dabei nicht um ein geschlossenes Theoriegebäude, sondern vielmehr um ein Konglomerat inhaltlich stark unterschiedlicher wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Beiträge von verschiedenen Autoren. Sie lassen sich jedoch auf einen gemeinsamen Nenner bringen und zwar derart, „dass Unterentwicklung nicht als Folge einer mangelhaften Integration in die moderne Welt, sondern vielmehr als Folge einer sehr effektiven Integration in die von den Industrienationen dominierten Weltmarktbeziehungen verstanden wird“. Somit liegt der Fokus der Analyse auf der Abhängigkeit (dependencia). Die Dependenztheoretiker versuchten auf theoretischer Ebene eine Erklärung für die Unterentwicklung und die wirtschaftlichen Stagnation Lateinamerikas zu finden und auf politischer Ebene, Überwindungsstrategien gegen Abhängigkeit und Unterentwicklung aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Entstehungsgeschichte der Dependenztheorien
- Die Modernisierungstheorie
- Die Singer/Prebisch-These
- Die Neoimperialismusthese
- Der „Linke Strukturalismus“
- Entstehung der Dependenztheorien
- Zentrale Annahmen der Dependenztheorien
- Kernthese
- Die Ausbeutungsthese
- Direkte Ausbeutung - Dekapitalisierung
- Indirekte Ausbeutung - Ausbeutung durch Handel
- Der Erklärungswert
- Der strukturalistische Ansatz
- Strukturelle Heterogenität und abhängige Reproduktion
- Marginalität
- Erklärungswert der strukturellen Argumentation
- Folgerungen für Entwicklungsstrategien
- Kritik und Weiterentwicklung der Dependenztheorien
- Kritik
- Weiterentwicklung
- Schlußbemerkung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert die Dependenztheorien als entwicklungstheoretischen Ansatz, der in den 1960er Jahren in Lateinamerika entstand. Ziel ist es, die Entstehung, zentralen Annahmen und Kritik der Dependenztheorien zu beleuchten. Dabei wird die Abhängigkeit (dependencia) von Entwicklungsländern gegenüber den Industrienationen als Hauptursache für Unterentwicklung und wirtschaftliche Stagnation dargestellt.
- Die Dependenztheorien als Gegenentwurf zur Modernisierungstheorie
- Die Analyse der Abhängigkeitsbeziehungen zwischen Zentrum und Peripherie
- Kritik an den endogenen Ursachen von Unterentwicklung
- Die Rolle von Ausbeutung und struktureller Heterogenität in der globalen Entwicklung
- Entwicklungsstrategien im Kontext der Dependenztheorien
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt die Dependenztheorien als Gegenentwurf zur Modernisierungstheorie vor und betont die Bedeutung des Abhängigkeitskonzepts (dependencia) für die Analyse von Unterentwicklung.
- Entstehungsgeschichte der Dependenztheorien: Dieses Kapitel beleuchtet die Vorläufer der Dependenztheorien, wie die Modernisierungstheorie, die Singer/Prebisch-These, die Neoimperialismustheorie und den „Linken Strukturalismus“. Es werden die jeweiligen Grundzüge und ihre Einflüsse auf die Entwicklung der Dependenztheorien dargestellt.
- Zentrale Annahmen der Dependenztheorien: Dieses Kapitel untersucht die Kernthese der Dependenztheorien, die von der Ausbeutung der Entwicklungsländer durch die Industrienationen ausgeht. Es werden verschiedene Formen der Ausbeutung, wie direkte und indirekte Dekapitalisierung, sowie der strukturalistische Ansatz mit den Konzepten der strukturellen Heterogenität, abhängigen Reproduktion und Marginalität vorgestellt.
- Folgerungen für Entwicklungsstrategien: Dieses Kapitel beleuchtet die Implikationen der Dependenztheorien für Entwicklungsstrategien. Es werden alternative Ansätze zur Überwindung von Abhängigkeit und Unterentwicklung diskutiert.
- Kritik und Weiterentwicklung der Dependenztheorien: Dieses Kapitel behandelt die Kritik an den Dependenztheorien, die unter anderem die mangelnde Berücksichtigung von internen Faktoren, den Fokus auf die internationale Ebene und die mangelnde Empirie betrifft. Es werden auch verschiedene Ansätze zur Weiterentwicklung der Dependenztheorien vorgestellt.
Schlüsselwörter
Dependenztheorien, Modernisierungstheorie, Unterentwicklung, Abhängigkeit (dependencia), Ausbeutung, Zentrum-Peripherie-Modell, strukturelle Heterogenität, Marginalität, Entwicklungsstrategien, Kritik, Weiterentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Kern der Dependenztheorien?
Unterentwicklung wird nicht als mangelnde Integration, sondern als Folge der Abhängigkeit (dependencia) von Entwicklungsländern durch ihre Einbindung in den von Industrienationen dominierten Weltmarkt verstanden.
Wie grenzen sie sich von der Modernisierungstheorie ab?
Während die Modernisierungstheorie interne Faktoren für Rückständigkeit verantwortlich macht, sehen Dependenztheoretiker die Ursachen in externen Ausbeutungsverhältnissen zwischen Zentrum und Peripherie.
Was bedeutet „strukturelle Heterogenität“?
Es beschreibt das Nebeneinander von hochmodernen Sektoren (für den Export) und extrem rückständigen Bereichen innerhalb eines Entwicklungslandes, was eine eigenständige Entwicklung verhindert.
Was ist die Singer/Prebisch-Diese?
Sie besagt, dass sich die Terms of Trade für Rohstoffexporteure langfristig verschlechtern, was zu einer systematischen Benachteiligung der Entwicklungsländer führt.
Welche Kritik gibt es an den Dependenztheorien?
Kritiker bemängeln die Vernachlässigung interner Ursachen (wie Korruption oder schlechte Regierungsführung) und den zu starken Fokus auf die internationale Ebene.
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- Dipl.-Soz. Susanne Dera (Author), 1999, Die Dependenztheorien - Ein entwicklungstheoretischer Ansatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52242