Der goldne Topf, E.T.A. Hoffmanns romantische Novelle von 1814, gilt als sein wahrscheinlich bekanntestes Kunstmärchen der Romantik. Abgewertet als kranke Schöpfung eines psychisch kranken Menschen, sind zahlreiche Gesichtspunkte beleuchtet worden – sei es die Ausbildung einer ausgeglichenen Persönlichkeit, das Bedrohtfühlen von der gesellschaftlichen Wirklichkeit, die Sehnsucht nach einem Künstlerideal oder hermetisch alchemistische und kabbalistische Referenzen.
In Hoffmanns Erzählung folgen wir dem Studenten Anselmus, der eine Abschreibetätigkeit bei dem Archivarius Lindhorst verrichtet und dabei zahlreichen mystischen und wunderbaren Gestalten begegnet. Im Kampf gegen eine alte Rauerin und im Zwiespalt zwischen Wahnsinn und bürgerlichem Leben strebt er schließlich seiner großen Liebe Serpentina entgegen und findet seinen Platz an ihrer Seite in Atlantis.
Diese Arbeit wird an dieser Stelle untersuchen welche Rolle die Schrift dabei spielt und ihre Selbstreflexion beleuchten. Als Tor in eine höhere Welt, die Welt des Dichtertums, fungiert sie als Übergangsritual von einer Wirklichkeit in die andere und als Verwirrspiel des Protagonisten und Lesers zugleich. Die Erzählung zeigt deutlich, wie bewusst sich Hoffmann seiner Mittel war, wobei auch seine Rolle als Erzähler bedeutend wird. Es stellt sich die Frage was Hoffmann und viele andere romantische Schriftsteller dazu treibt, die eigene Form des Buches und die eigene Tätigkeit des Schreibens als Kernpunkt eines geschriebenen Buches fungieren zu lassen. So wird diese Arbeit im ersten Schritt die Epoche der Romantik näher beleuchten und welche Rolle die Schrift darin hatte, mit allen naturphilosophischen und wissenschaftlichen Referenzen, um im zweiten Schritt näher auf die Selbstbezüglichkeit und die Funktionen des Erzählers eingehen zu können.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung - „Ich schreibe keinen goldnen Topf mehr!"
- II. Die Schrift in der Epoche der Romantik
- Die romantische Literatur
- Kunstmärchen und Phantastisches
- Mimesis und Imagination
- Schreibreform
- III. Natur als Urschrift der Schöpfung
- IV. „Poesie der Poesie“ - Transzendentalpoesie und Metafiktion
- V. Metalepsen und Selbstreflexion im Goldnen Topf
- VI. Fazit - Das Medium der Grenzüberschreitung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Rolle der Schrift in E.T.A. Hoffmanns romantischer Novelle „Der goldne Topf“ und beleuchtet ihre Selbstbezüglichkeit. Die Analyse zielt darauf ab, die Schrift als Tor zu einer höheren Welt, der Welt des Dichtertums, zu verstehen und ihre Funktion als Übergangsritual von einer Wirklichkeit in die andere zu verdeutlichen.
- Die Bedeutung der Schrift in der Epoche der Romantik
- Die Verbindung von Natur, Kunst und Schrift
- Die Selbstreflexion der Schrift in „Der goldne Topf“
- Die Rolle des Erzählers in der Konstruktion der Wirklichkeit
- Die grenzüberschreitende Funktion des Mediums Schrift
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung - „Ich schreibe keinen goldnen Topf mehr!"
Die Einleitung stellt die Novelle „Der goldne Topf“ als bekanntestes Kunstmärchen der Romantik vor und beleuchtet verschiedene Interpretationsansätze. Sie folgt dem Studenten Anselmus auf seiner Reise in die Welt des Wunderbaren und stellt die Rolle der Schrift als Tor in eine höhere Welt in den Mittelpunkt der Analyse.
II. Die Schrift in der Epoche der Romantik
Dieses Kapitel beleuchtet die romantischen Philosophien und Vorstellungen zur Schrift. Es befasst sich mit der Verbindung von Natur, Kunst und Schrift, der Bedeutung des Kunstmärchens und der Rolle von Mimesis und Imagination. Abschließend wird die Schreibreform der Romantik beleuchtet, die eine organische, naturhafte Urschrift anstrebte.
III. Natur als Urschrift der Schöpfung
Das Kapitel konzentriert sich auf die Bedeutung der Natur als Urschrift der Schöpfung in „Der goldne Topf“ und untersucht die Verbindung von Anselmus’ Erlebniswelt mit den romantischen Vorstellungen von Natur und Schrift.
Schlüsselwörter
Schlüsselwörter dieser Arbeit sind: Schrift, Romantik, Kunstmärchen, Selbstreflexion, Transzendentalpoesie, Metafiktion, „Der goldne Topf“, E.T.A. Hoffmann, Natur, Poesie, Grenzüberschreitung.
Häufig gestellte Fragen
Welche Funktion hat das Medium Schrift in Hoffmanns "Der goldne Topf"?
Die Schrift fungiert als Tor zu einer höheren Welt (der Poesie) und als Übergangsritual zwischen bürgerlicher Realität und dem Wunderbaren.
Was bedeutet "Selbstbezüglichkeit" der Schrift in diesem Kontext?
Es beschreibt, wie Hoffmann den Akt des Schreibens und die Form des Buches selbst zum Thema der Erzählung macht (Metafiktion).
Was wird unter der "Natur als Urschrift der Schöpfung" verstanden?
Es bezieht sich auf die romantische Vorstellung, dass die Natur eine lesbare Hieroglyphe Gottes ist, die der Dichter entschlüsseln muss.
Welche Rolle spielt der Erzähler in der Novelle?
Der Erzähler reflektiert seine eigene Tätigkeit und bricht die Illusion der Geschichte durch direkte Ansprachen und Kommentare auf.
Inwiefern ist "Der goldne Topf" ein Kunstmärchen?
Es ist eine bewusst gestaltete, literarisch komplexe Form des Märchens, die tiefere philosophische und ästhetische Fragen der Romantik behandelt.
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- Katharina Wagner (Author), 2015, Die Funktion und Selbstbezüglichkeit des Mediums Schrift in E. T. A. Hoffmanns "Der goldne Topf", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/516750