Am Beispiel von Charles Baudelaire erforscht die Autorin mittels der Feldtheorie und des Habituskonzepts von Pierre Bourdieu die Entstehung eines spezifischen künstlerischen Bereiches, der seine Wurzeln im 19. Jahrhundert hat und für das aktuelle Kunstgeschehen noch immer relevant ist.
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Die Arbeit ist in hohem Maße methodologisch reflektiert und erreicht dadurch eine problemorientierte Darstellungsform ohne sich in Einzelheiten zu verlieren. Jeder Schritt der Darstellung wird begründet und zeugt von der hervorragenden Kenntnis der für das Thema relevanten Literatur. Die Autorin ist jederzeit in der Lage, einen genuin kulturwissenschaftlichen Ansatz zur Anwendung kommen zu lassen unter Berücksichtigung der international aufgefächerten Literatur. Die Verschränkung der unterschiedlichen Forschungsperspektiven hat in dieser Arbeit zu einem für den deutschsprachigen Raum überaus interessanten Ergebnis geführt, einer Rekonstruktion der Genese des literarischen Feldes in einer Forschungstradition, die noch am Anfang steht, gleichwohl aber viel versprechende Perspektiven aufweist.
(Dr. Christoph Behnke, Universität Lüneburg)
Inhaltsverzeichnis
- A. Grundlegung
- I. Einleitung
- II. Fragestellung
- III. Gang der Untersuchung
- a. Ablauf
- b. Methode
- IV. Begriffs-Kennzeichnung
- a. Das literarische Feld
- 1. Einordnung in den Kunstkontext
- 2. Theoretischer Aufbau
- b. Das Habituskonzept
- c. Das französische Bürgertum
- a. Das literarische Feld
- B. Kulturhistorische Verortung
- I. Politische und ökonomische Positionen der Restauration
- a. Politische Unterdrückung des französischen Bürgertums
- b. Ökonomische Unterdrückung des städtischen Proletariats
- II. Ästhetische Positionen während der Restauration
- a. Zum französischen Neoklassizismus
- b. Der Einfluss des aristokratischen Subjektcodes
- c. Zur französischen Romantikkonzeption
- 1. Zum Einfluss von Immanuel Kant
- aa. Das Schöne und das Erhabene
- bb. Der Import der romantischen Ideen
- 2. Zur nachrevolutionären Romantikkonzeption
- 1. Zum Einfluss von Immanuel Kant
- III. Zur Julirevolution und ihren Folgen
- a. Louis Phillippe von Orléans
- b. Der bürgerliche Subjektcode
- IV. Zum Milieu der Bohème
- a. L´art bourgeois
- b. L'art social
- c. L'art pour l´art
- V. Der künstlerische Subjektcode
- a. Die Definitionsmacht des künstlerischen Genies
- b. Kritik und Distanz
- c. Le monde de l´inspiration
- d. Authentizität und Einzigartigkeit
- I. Politische und ökonomische Positionen der Restauration
- C. Der Künstlerhabitus von Charles Baudelaire
- I. Biographisches
- a. Kindheit und Jugend
- b. Poesie, Malerei und das freie Leben
- II. Baudelaire als Kunstkritiker
- a. Baudelaires romantisch geprägte Kunstauffassung
- b. Das Großstädtische
- III. Baudelaire als Gesetzgeber
- a. Der Aufbau einer autonomen Kritik
- b. Baudelaires Eingreifen in die Wagner-Debatte
- c. Die Kandidatur an der Académie française
- IV. Baudelaire als Avantgardist
- I. Biographisches
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Magisterarbeit befasst sich mit der Entstehung des literarischen Feldes in Frankreich während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie analysiert die Rolle von Charles Baudelaire in diesem Prozess unter Verwendung des Habituskonzepts und der Feldtheorie von Pierre Bourdieu. Die Arbeit untersucht die historischen, philosophischen und soziologischen Faktoren, die den Künstlerhabitus von Baudelaire prägten und seinen Einfluss auf das literarische Feld erklären.
- Die Genese des literarischen Feldes in Frankreich im 19. Jahrhundert
- Die Rolle von Charles Baudelaire bei der Konstitution des literarischen Feldes
- Das Habituskonzept und die Feldtheorie von Pierre Bourdieu
- Der Künstlerhabitus von Charles Baudelaire
- Die 'Illusio' als Schlüsselbegriff zur Erklärung des Funktionierens des Künstlerhabitus
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel A. Grundlegung: Diese Kapitel bietet eine Einleitung in die Thematik, definiert den Begriff des literarischen Feldes, stellt das Habituskonzept von Bourdieu vor und erläutert die Relevanz des französischen Bürgertums für die Untersuchung.
- Kapitel B. Kulturhistorische Verortung: Dieses Kapitel analysiert die politische und ökonomische Situation in Frankreich während der Restauration und der Julirevolution, beleuchtet die ästhetischen Positionen des Neoklassizismus und der Romantik sowie das Milieu der Bohème.
- Kapitel C. Der Künstlerhabitus von Charles Baudelaire: Dieses Kapitel befasst sich mit der Biographie Baudelaires, seiner Rolle als Kunstkritiker, seiner Position als Gesetzgeber im Kunstbetrieb und seinem avantgardistischen Charakter.
Schlüsselwörter
Literarisches Feld, Künstlerhabitus, Charles Baudelaire, Pierre Bourdieu, Habituskonzept, Feldtheorie, Restauration, Julirevolution, Romantik, Neoklassizismus, Bohème, Kunstkritik, Avantgarde, 'Illusio', Frankreich, 19. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht Pierre Bourdieu unter dem "literarischen Feld"?
Das literarische Feld ist ein spezifischer gesellschaftlicher Bereich mit eigenen Regeln, in dem Akteure um kulturelles Kapital und die Definitionsmacht über künstlerische Werte kämpfen.
Welche Rolle spielte Charles Baudelaire für dieses Feld?
Baudelaire gilt als Schlüsselfigur, die durch ihren spezifischen Künstlerhabitus zur Autonomie des literarischen Feldes beitrug und die moderne Kunstauffassung maßgeblich prägte.
Was ist der Künstlerhabitus?
Der Habitus ist ein System verinnerlichter Denk- und Verhaltensmuster. Der Künstlerhabitus zeichnet sich durch das Streben nach Authentizität, Einzigartigkeit und Distanz zum Bürgertum aus.
Wie beeinflusste die Bohème die Kunst im 19. Jahrhundert?
Die Bohème bot einen sozialen Raum abseits bürgerlicher Normen, in dem Konzepte wie "L'art pour l'art" (Kunst um der Kunst willen) entstehen und gedeihen konnten.
Was bedeutet der Begriff 'Illusio' in diesem Kontext?
Die 'Illusio' beschreibt den Glauben der Akteure an die Wichtigkeit des Spiels innerhalb des Feldes – also die Überzeugung, dass künstlerische Anerkennung und Werte den Einsatz lohnen.
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- M.A. Sonja Sturm (Author), 2005, Zur Genese des literarischen Feldes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Die Rolle von Charles Baudelaire, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51632