Versicherungsverträge können als Verträge über den Transfer von Risiko betrachtet werden. Dadurch kommt es zu einer Teilung des Risikos zwischen Versicherer und Versicherten. Aus volkswirtschaftlicher Sicht kommt dabei sofort die Frage nach einer paretooptimalen Verteilung des Risikos auf.
Einer der einschlägigen Artikel dazu „Unvertaintyand the Welfare Economics of Medical Care“wurde 1963 von J.K. Arrow verfasst. Die Lösung von Arrow soll kurz dargelegt werden, da sie auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht für konkrete Vertragsausgestaltungen von Interesse sind.
Aus Sicht der Agency Theory kann ein Versicherungsvertragsverhältnis als Agency Problem betrachtet werden. Dabei kommt dem Versicherer die Rolle der Prinzipalin und dem Versicherten die Rolle des Agenten zu.
Grundsätzlich lassen sich auf den Versicherungsvertrag die meisten klassischen Probleme der Agency Theory übertragen. Beispielsweise hat der Agent bessere Informationen über das Risiko als die Prinzipalin, wodurch ein Adverse Selection Problem entsteht. Andererseits kann der Agent nach Vertragsabschluss Maßnahmen setzen, die die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines Schadens, bzw. die Schadenhöhe beeinflussen. Diese Maßnahmen sind vom Versicherer im Normalfall nicht beobachtbar und können daher auch nicht vertraglich vereinbart werden. Dieses Problemstellung wir als Moral Hazard Problem bezeichnet.
Wir wollen uns in dieser Arbeit mit dem letzteren Problem beschäftigen. Im Blickpunkt unserer Untersuchung soll dabei liegen, welchen Effekt die dargelegte Informationsasymmetrie bezüglich der vom Versicherten gesetzten
Schadenminderungsannahmen auf die optimale Verteilung von Risiko hat. Was die Wirkung der Schadenminderungsaktivitäten auf die Schadenverteilung betrifft, so werden wir der von J.A. Mirrlees 1974 in seinem Artikel „Welfare Economics, information and uncertainy“vorgeschlagenen Formalisierung folgen.
Inhaltsverzeichnis
- Fragestellung
- Grundlegendes Modell
- Optimale Versicherungsleistung
- Schadenminderung
- First Best Lösung
- Second Best Lösung
- Diskussion und Vergleich mit der Praxis der Versicherungswirtschaft
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der optimalen Risikoteilung bei Versicherungsverträgen unter Berücksichtigung von Moral Hazard. Ziel ist es, die Auswirkungen von Informationsasymmetrie bezüglich der vom Versicherten gesetzten Schadenminderungsmaßnahmen auf die optimale Verteilung des Risikos zu untersuchen.
- Analyse des Moral Hazard Problems im Kontext von Versicherungsverträgen
- Einfluss von Schadenminderungsaktivitäten auf die Schadenverteilung
- Ermittlung der optimalen Versicherungsleistung unter Berücksichtigung von Moral Hazard
- Vergleich der Ergebnisse mit der Praxis der Versicherungswirtschaft
Zusammenfassung der Kapitel
- Fragestellung: Das Kapitel stellt die Problemstellung der optimalen Risikoteilung bei Versicherungsverträgen im Kontext von Moral Hazard vor und beleuchtet die Bedeutung der Informationsasymmetrie zwischen Versicherer und Versichertem.
- Grundlegendes Modell: Dieses Kapitel etabliert ein grundlegendes Modell für die Analyse von Versicherungsverträgen, das die wichtigen Variablen und Annahmen definiert, wie z.B. die Schadenverteilung, die Nutzenfunktionen von Versicherer und Versichertem und die Schadenminderungsmaßnahmen.
- Optimale Versicherungsleistung: Hier wird die optimale Versicherungsleistung unter Berücksichtigung von Moral Hazard hergeleitet. Dabei werden verschiedene Ansätze zur Lösung des Problems diskutiert und die Auswirkungen von asymmetrischen Informationen auf die Vertragsgestaltung analysiert.
- Schadenminderung: Dieses Kapitel befasst sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der Schadenminderung durch den Versicherten und deren Einfluss auf die Schadenverteilung. Es werden verschiedene Modellierungen der Schadenminderungsaktivitäten vorgestellt und deren Auswirkungen auf die optimale Versicherungsleistung untersucht.
- First Best Lösung: In diesem Kapitel wird die First Best Lösung des Moral Hazard Problems analysiert. Dabei wird die Situation betrachtet, in der der Versicherer vollständige Informationen über die Schadenminderungsaktivitäten des Versicherten hat.
- Second Best Lösung: Dieses Kapitel behandelt die Second Best Lösung, die sich auf die Situation bezieht, in der der Versicherer keine vollständigen Informationen über die Schadenminderungsaktivitäten des Versicherten hat. Es werden verschiedene Mechanismen zur Bewältigung des Informationsdefizits diskutiert und die Auswirkungen auf die optimale Versicherungsleistung betrachtet.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themen Moral Hazard, Informationsasymmetrie, Risikoteilung, Versicherungsverträge, Schadenminderung, Agency Theory, optimale Versicherungsleistung, First Best Lösung, Second Best Lösung und Vertragsgestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter Moral Hazard bei Versicherungen?
Moral Hazard bezeichnet das Risiko, dass ein Versicherter nach Vertragsabschluss weniger vorsichtig handelt oder weniger Maßnahmen zur Schadenminderung trifft, da der Schaden versichert ist.
Was ist der Unterschied zwischen First-Best und Second-Best Lösung?
Eine First-Best Lösung setzt vollständige Information voraus. Da der Versicherer das Verhalten des Agenten oft nicht beobachten kann, muss eine Second-Best Lösung durch Anreizstrukturen gefunden werden.
Welche Rolle spielt die Agency Theory in diesem Kontext?
Das Versicherungsverhältnis wird als Prinzipal-Agent-Beziehung betrachtet, wobei der Versicherer der Prinzipal und der Versicherte der Agent ist.
Wie beeinflusst Schadenminderung die Versicherungsleistung?
Optimale Verträge müssen so gestaltet sein, dass der Versicherte einen Anreiz hat, durch eigenes Handeln die Wahrscheinlichkeit oder Höhe eines Schadens zu senken.
Was ist Paretooptimalität bei Versicherungsverträgen?
Es ist eine Verteilung des Risikos, bei der keine Partei besser gestellt werden kann, ohne die andere schlechter zu stellen.
- Quote paper
- Mag. rer. soc. oec. et phil. Paul Swoboda (Author), 2005, Optimale Risikoteilung bei Versicherungsverträgen unter Beachtung von Moral Hazard, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50980