Am Beispiel von Touren durch Brasiliens größtes Armenviertel, die Favela Rocinha, untersucht diese Seminararbeit das Phänomen des Slum-Tourismus und dessen Wirkung für die Bewohner von marginalisierten Vierteln.
Als Slum-Tourismus werden die Organisation und das Angebot von Touren in Gebieten bezeichnet, die der Definition eines Slums, gemäß der Einordnung von UN-HABITAT entsprechen. UN-HABITAT definiert einen Slum als einen heruntergekommenen Stadtteil, der durch minderwertige Behausungen, Elend, Dreck und unklare Besitzrechte gekennzeichnet ist. Bei dieser Tourismus-Form handelt es sich um einen der am schnellsten wachsenden Nischen-Tourismussektoren. Die touristische Erkundung solcher Marginalviertel ist allerdings kein neues Phänomen. Erste Berichte über Touristen in innerstädtischen Slums gab es bereits aus dem London des 19. Jahrhunderts. So war das sogenannte "Slumming" ein Trend im viktorianischen London der 1880er und 1890er Jahre, bei dem gut situierte Londoner die ärmlichen Viertel der Stadt besuchten
Inhaltsverzeichnis
- Slum-Tourismus vor dem Hintergrund global steigender Touristenzahlen
- Slum-Tourismus als Forschungsansatz
- Fallbeispiel - Die Favela Rocinha
- Rocinha als größte Favela Brasiliens
- Tourismus in der Favela Rocinha
- Beispiele für zwei unterschiedliche Tourismusmodelle in der Favela
- Favela Walking Tour als Beispiel für eine Bildungstour
- Favela Jeep Tour als Beispiel für eine Abenteuertour
- Vergleich beider Touren
- Die Wirkung von Slum-Tourismus auf die betroffenen Viertel
- Möglichkeiten zur fairen Gestaltung des Slum-Tourismus
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit dem Phänomen des Slum-Tourismus. Sie untersucht, welche Wirkung dieser auf die Bewohner der besuchten Viertel hat und wie er gestaltet werden kann, um den Nutzen für die Marginalsiedlungen zu maximieren.
- Wachstum des Slum-Tourismus vor dem Hintergrund steigender globaler Touristenzahlen
- Slum-Tourismus als Forschungsansatz und seine historischen Wurzeln
- Die Favela Rocinha als Fallbeispiel für unterschiedliche Tourismusmodelle
- Die Auswirkungen von Slum-Tourismus auf die Lebensbedingungen in den Favelas
- Möglichkeiten zur Gestaltung eines fairen und nachhaltigen Slum-Tourismus
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 analysiert das Wachstum des Slum-Tourismus im Kontext steigender Touristenzahlen weltweit. Es zeigt auf, wie dieser Nischen-Tourismussektor zu einer kontroversen Tourismusform geworden ist, die wissenschaftlicher Betrachtung bedarf.
Kapitel 2 befasst sich mit Slum-Tourismus als Forschungsansatz und seinen historischen Wurzeln. Es beleuchtet die Entwicklung dieser Tourismusform vom „Slumming“ des viktorianischen Londons bis hin zu den modernen Township-Touren in Südafrika.
Kapitel 3 stellt die Favela Rocinha in Rio de Janeiro als Fallbeispiel für unterschiedliche Slum-Tourismus-Modelle vor. Es beschreibt die Entstehung und Entwicklung der Favela und untersucht die Entwicklung des Tourismus in Rocinha anhand zweier konkreter Tourenangebote.
Schlüsselwörter
Slum-Tourismus, Favela, Rocinha, Rio de Janeiro, Entwicklungstourismus, Abenteuertourismus, soziale Auswirkungen, Nachhaltigkeit, faire Gestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter Slum-Tourismus?
Slum-Tourismus bezeichnet organisierte Touren in marginalisierten Stadtteilen, die durch Armut und minderwertige Behausungen gekennzeichnet sind, wie etwa Favelas in Brasilien oder Townships in Südafrika.
Warum ist die Favela Rocinha ein Ziel für Touristen?
Rocinha ist die größte Favela Brasiliens. Sie zieht Touristen an, die einen Einblick in das soziale Leben abseits der Postkartenmotive von Rio de Janeiro suchen.
Was unterscheidet eine „Walking Tour“ von einer „Jeep Tour“?
Walking Touren werden oft als Bildungstouren verstanden, die den direkten Kontakt und Respekt fördern. Jeep Touren gelten eher als Abenteuertouren, die jedoch oft als voyeuristisch kritisiert werden.
Ist Slum-Tourismus ein neues Phänomen?
Nein, bereits im viktorianischen London der 1880er Jahre gab es das sogenannte „Slumming“, bei dem wohlhabende Bürger die armen Viertel der Stadt besuchten.
Welche Auswirkungen hat dieser Tourismus auf die Bewohner?
Die Wirkungen sind zwiespältig: Er kann wirtschaftliche Chancen bieten und Vorurteile abbauen, birgt aber auch die Gefahr der Zurschaustellung von Armut und der Stigmatisierung.
Wie kann Slum-Tourismus fair gestaltet werden?
Faire Gestaltung beinhaltet die Einbindung der lokalen Gemeinschaft, die Sicherstellung, dass Einnahmen im Viertel verbleiben, und die Vermeidung von voyeuristischem Verhalten.
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- Felix Loos (Author), 2018, Slum-Tourismus. Favela-Touren durch Rocinhas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509398