Seit der Erosion des klassischen Leitbildes des "versorgenden Staates" nehmen Bürger als Konsumenten zunehmend eine aktive Rolle als Mit-Produzenten im Dienstleistungsprozess ein. Dieses sich verändernde Rollenverständnis von einem fürsorgenden "Vater Staat" bis hin zu einer "MehrwertStadt" findet sich in Diskussionen um Bürgerhaushalte, Bürgerengagement und Leitbildern wie der Bürgerkommune und Public Governance wieder.
Koproduktion von Dienstleistungen ist per se kein neuer Ansatz und auch kein neuer Begriff, jedoch existiert keine einheitliche Definition oder Verwendung. In der Privatwirtschaft wird Co-Creation bzw. Co-Design, d.h. die Entwicklung von Produkten durch Kundeneinbindung bzw. Kundenintegration seit vielen Jahren durch die Industrie praktiziert. Knappe Kassen, neue Informationstechnologien, die Folgen des demografischen Wandels und ein neues Selbstbewusstsein der Bürgerinnen und Bürger markieren mittlerweile auch in der öffentlichen Verwaltung eine Trendwende im gegenseitigen Rollenverständnis.
Kommunen und lokaler Raum sind aufgrund der Erfahrungsnähe und der lebensweltlichen Rückbindung von besonderer Bedeutung für Bürgerengagement. Daher liegt der Fokus dieser Arbeit auf dem Ansatz der Koproduktion in der Kommune und bezogen auf das SGB II auf den kommunalen Jobcentern von Optionskommunen, die im Gegensatz zu den gemeinsamen Einrichtungen der Bundesagentur für Arbeit dezentral gesteuert und organisiert sind.
Gliederung:
1. Einleitung:
2. Bürgerkommune und Koproduktion:
2.1. Leitbild Bürgerkommune:
2.2. Der koproduktive Ansatz – ein Instrument der Bürgerkommune:
2.3. Kritikansätze am Leitbild Bürgerkommune und am Instrument Koproduktion:
3. Koproduktion im Kontext SGB II:
3.2. Koproduktion im SGB II – Bestandsaufnahme anhand von zwei Beispielen:
3.2.1. Beispiel 1) Eingliederungsvereinbarung nach § 15 SGB II:
3.2.2. Beispiel 2) Jobing:
3.3. Koproduktion im SGB II – Potenziale und Hindernisse:
4. Fazit:
Literaturverzeichnis:
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Koproduktion im Kontext des SGB II?
Es beschreibt die aktive Einbindung von Leistungsbeziehern als Mit-Produzenten ihrer eigenen Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, statt sie nur als passive Empfänger zu sehen.
Was ist das Leitbild der "Bürgerkommune"?
Ein Modell, bei dem Bürger aktiv an kommunalen Entscheidungsprozessen und Dienstleistungen beteiligt werden, um die Effektivität und Akzeptanz staatlichen Handelns zu steigern.
Ist die Eingliederungsvereinbarung ein Beispiel für Koproduktion?
Ja, theoretisch ist sie ein Vertrag zwischen Jobcenter und Bezieher, der auf Kooperation setzt. Die Arbeit untersucht jedoch auch die Hindernisse in der praktischen Umsetzung.
Was unterscheidet Optionskommunen von anderen Jobcentern?
Optionskommunen steuern die Aufgaben des SGB II eigenverantwortlich und dezentral, was oft mehr Spielraum für innovative Ansätze wie Koproduktion bietet.
Welche Kritik gibt es am koproduktiven Ansatz?
Kritiker bemängeln oft das Machtgefälle zwischen Verwaltung und Bürger sowie die Gefahr, dass staatliche Verantwortung auf den Einzelnen abgewälzt wird.
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- Verena Groh (Author), 2019, Koproduktion im SGB II. Zusammenarbeit zwischen SGB II Leistungsbeziehern und Arbeitsverwaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507628