Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem präventiven Umgang von Unterrichtsstörungen. Der Fokus liegt dabei auf den Forschungsarbeiten von Jacob Kounins. Dabei wird das Drei-Ebenen-System Lohmanns vorgestellt, das in die drei Präventionsebenen der Organisations-, der Beziehungs-, und der Unterrichtsgestaltung gliedert. Da der Kontext der Unterrichtsgestaltung im didaktischen Sinn die zentrale Aufgabe der Lehrenden charakterisiert, wird auf Kounins Entwurf der vierdimensionalen Störungsprävention durch Unterrichtsgestaltung eingegangen, auf welchem die Perspektiven des modernen Diskurses über präventive Maßnahmen beruhen.
Für die Lehrenden sind Störungen im Unterricht ein stetig auftretendes Problem, mit welchem die Lehrkräfte sich im Schulalltag ständig auseinandersetzen müssen. Durch Unterrichtsstörungen in ihren verschiedenen Graden und der Permanenz ihres Auftretens können Unterrichtssituationen entstehen, die für Lehrende und Lernende beidseitig auch nachhaltig negative Folgen haben. Zum einen bezeichnet die steigende Zahl an Burnout leidenden Lehrern, die auch durch von Unterrichtsstörungen bedingten psychischen Drucksituationen verursacht wird, eine konkrete Folge der Lehrbelastung. Zum anderen schaden Unterrichtsstörungen auch den Lernerfolgen der Schüler. Unterrichtsstörungen können zu einer Belastung des Lehrer-, Schülerverhältnisses führen und stellen somit negative Einflussfaktoren dar, denen sowohl auf präventiver als auch auf interventiver Ebene begegnet werden kann. Was in der begrifflichen Verortung von Unterrichtsstörungen phänomenologisch eindeutig erscheint, nämlich Unterrichtsstörungen zunächst vor allem von Schülerseite her als Störverhalten zu begründen, wird auf den zweiten Blick der aktuellen Beschäftigung im bildungswissenschaftlichen Kontext weitaus komplexer und differenzierter behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Drei Ebenen der Prävention von Unterrichtsstörungen
a) Die Prävention von Unterrichtsstörungen auf der Organisationsebene
b) Die Prävention von Unterrichtsstörungen auf der Beziehungsebene
c) Die Prävention von Unterrichtsstörungen auf der Unterrichtsebene
2. Jacob Kounin: Vier Dimensionen der Klassenführung als Prävention von Störungen auf der Unterrichtsebene
a) Erste Dimension: Präsenz und Überlappung
b) Zweite Dimension: Reibungslosigkeit und Schwung
c) Dritte Dimension: Steuerung des Gruppenfokus
d) Vierte Dimension: Programmierte Überdrussvermeidung
3. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht präventive Ansätze zur Vermeidung von Unterrichtsstörungen aus bildungswissenschaftlicher Perspektive, mit dem Ziel, effektive Klassenführungsstrategien für den Schulalltag zu identifizieren und zu systematisieren.
- Klassifizierung präventiver Handlungsebenen nach Gert Lohmann
- Analyse der Rolle der Lehrkraft und Beziehungsgestaltung
- Detaillierte Untersuchung des Konzepts der Klassenführung von Jacob Kounin
- Integration von Organisations-, Beziehungs- und Unterrichtsebene in der Schulpraxis
- Bedeutung von Kommunikation und Methodenvielfalt für die Störungsprävention
Auszug aus dem Buch
a) Erste Dimension: Präsenz und Überlappung
Durch die Ausübung der ersten Dimension, die Kounin als whitness and overlapping (dt. Allgegenwart und Überlappung) bezeichnet, werden sowohl die dynamische Fluidität des Unterrichtsgeschehens, als auch der unterrichtliche Lehr- und Lernerfolg gewährleistet. In Kounins Vier-Dimensionenkonzept beschreibt Whitness, dass für die Vermittlung von Inhalten die Fähigkeit eines umfassenden Überblicks über das Unterrichtsgeschehen als unerlässlich. (vgl., Kounin 1976, S. 85ff.) Hierzu gilt es aus Lehrendensicht zu beachten, dass bezüglich aufkommender Unterrichtsstörungen keine Zeitfehler begangen werden sollten. Zeitfehler kennzeichnen sich dadurch, dass Lehrende zu spät auf durch einzelne Schüler ausgelöste Unterrichtsstörungen reagieren, so dass sich das Störverhalten einzelner auf andere Schüler überträgt. Das Timing, so leitete das Forschungsteam um Kounin es her, stellt demnach einen wichtigen Faktor der Störungsvermeidung dar. (vgl., Kounin 1976, S. 93)
Durch die Ausübung von whiteness sollen auch sogenannte Objektfehler vermieden werden, die dadurch entstehen, dass aus Lehrperspektive fälschlicherweise bloß zuschauende oder an der Unterrichtsstörung bloß partizipative Schüler als eigentliche Ursache der Störung identifiziert werden. Bezüglich der Aktionen und Reaktionen der Lehrer bedarf es somit auch der Fähigkeit überlappender Handlungen, die Kounin als overlapping bezeichnet. Lehrkräfte sollten demnach fähig sein, Aufgabenfelder wie z.B. Schülern Aufgaben zu erklären und gleichzeitig Unterrichtsstörungen zu unterbinden, synchron ausführen zu können. (vgl., Gonszcz 2014, S.11)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Drei Ebenen der Prävention von Unterrichtsstörungen: Das Kapitel erläutert die von Gert Lohmann entwickelte Systematik der präventiven Maßnahmen, die sich in Organisations-, Beziehungs- und Unterrichtsebene untergliedert.
2. Jacob Kounin: Vier Dimensionen der Klassenführung als Prävention von Störungen auf der Unterrichtsebene: Hier werden die vier Kernprinzipien Kounins – Präsenz/Überlappung, Reibungslosigkeit/Schwung, Gruppenfokus und Überdrussvermeidung – detailliert für die Unterrichtsgestaltung analysiert.
3. Fazit: Die Arbeit resümiert die theoretischen Erkenntnisse und betont die hohe Komplexität sowie die notwendige Mehrdimensionalität der Anforderungen an Lehrkräfte zur erfolgreichen Störungsprävention.
Schlüsselwörter
Unterrichtsstörungen, Prävention, Klassenführung, Classroom Management, Jacob Kounin, Gert Lohmann, Beziehungsgestaltung, Unterrichtsgestaltung, Organisationsebene, Lehrer-Schüler-Interaktion, Störungsvermeidung, pädagogische Didaktik, Lernatmosphäre, Gruppenfokus, Lernprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt präventive Maßnahmen gegen Unterrichtsstörungen und erörtert, wie Lehrkräfte durch ein systematisches Classroom Management einen störungsarmen Unterricht fördern können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die organisatorischen Rahmenbedingungen, die professionelle Beziehungsgestaltung zwischen Lehrern und Schülern sowie spezifische Techniken der Unterrichtsführung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die systematische Zusammenfassung bildungswissenschaftlicher Ansätze, um Lehrkräften fundierte Strategien für einen präventiven Umgang mit Störungen an die Hand zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine bildungswissenschaftlich-systematische Erörterung, die auf der Analyse bestehender Fachliteratur und den Theorien von Forschern wie Lohmann und Kounin basiert.
Was wird im Hauptteil der Abhandlung thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die drei Präventionsebenen nach Lohmann und vertieft im zweiten Teil die vier Dimensionen der Klassenführung nach Jacob Kounin.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Klassenführung, Störungsprävention, Unterrichtsgestaltung und professionelle Lehrerrolle definieren.
Wie unterscheidet Kounin die Qualität der Klassenführung?
Kounin identifiziert vier Dimensionen (Präsenz/Überlappung, Reibungslosigkeit/Schwung, Gruppenfokus, Überdrussvermeidung), die bei erfolgreicher Anwendung die Wahrscheinlichkeit für Störungen im Unterricht minimieren.
Warum spielt die sogenannte "teachers room corporate identity" eine Rolle?
Sie dient der einheitlichen Außendarstellung und dem gemeinsamen Reglement des Kollegiums, um Lehrern bei auftretenden Störungen zusätzliche Sicherheit und Rückendeckung zu bieten.
Was sind "Zeitfehler" und "Objektfehler" nach Kounin?
Zeitfehler beschreiben eine zu späte Reaktion auf Störungen, während Objektfehler die falsche Identifizierung des eigentlichen Störers bezeichnen; beides soll durch hohe Präsenz der Lehrkraft vermieden werden.
Wie kann eine "Programmierte Überdrussvermeidung" erreicht werden?
Dies gelingt durch interessanten, abwechslungsreichen Unterricht und die Vermeidung redundanter Elemente, damit Schüler stets kognitiv gefordert bleiben und einen Sinn in ihrem Lernen erkennen.
- Arbeit zitieren
- Chung Guk Bai (Autor:in), 2017, Welche Maßnahmen zur Prävention von Störungen im Unterricht gibt es?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503665