Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Untersuchung der Einsatzmöglichkeiten einer rechnergestützten Fehler – Möglichkeits- und Einfluss – Analyse ( FMEA ) in der stationären Altenhilfe.
Die Einführung der Pflegeversicherung 1996 stationären Pflegebereich stellte die Qualitätssicherung in den Fokus der Bemühungen um eine Verbesserung der Pflegequalität. Das Qualitätssicherungsgesetz und die Einführung von Leistungs- und Qualitätsvereinbarungen verstärkten den Druck auf die Einrichtungen der stationären Altenhilfe, kontinuierliche Qualitätsverbesserungen vorzunehmen. Begleitet durch den Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt gewinnt die Vermeidung von Fehlern immer mehr an Bedeutung. Gerade im Bereich der Dienstleistung ist dieser Ansatz von zentraler Bedeutung.
Eine Dienstleistung zeichnet sich durch ihren immateriellen Charakter aus. Außerdem wird sie erst bei der Inanspruchnahme produziert. Dies hat zur Folge, dass Fehler bei der Dienstleistungserbringung nachträglich nicht mehr korrigiert werden können. Deshalb ist eine Fehlervermeidung im Vorfeld von enormer Bedeutung. Gleichzeitig kann der Kunde in vielen Fällen die Qualität der Dienstleistung nicht überprüfen. Deshalb verlässt er sich auf sein subjektives Empfinden. Eine geringe Fehlerquote fördert hier das Vertrauen des Kunden zum Unternehmen.
Aus diesem Grund ist es erforderlich, präventive Maßnahmen zur Fehlervermeidung im Vorfeld der Dienstleistungserbringung einzuleiten. Die FMEA bietet sich hier an, denn sie „ist eine Methode der vorbeugenden Qualitätssicherung, d. h. mit dem Einsatz dieser Methode wird der Schwerpunkt der Arbeit nicht mehr auf die Fehlerbeseitigung sondern auf die Fehlerprävention gelegt“ .
Das Projekt findet anschließend in zwei Schritten statt:
1. Durchführung der FMEA bis zur Ermittlung der Risikoprioritätszahl
2. Evaluation des FMEA – Einsatzes durch eine Befragung der Beteiligten.
Das FMEA – Team ist interdisziplinär zusammengesetzt und besteht aus 5 Personen. Die Untersuchung ist als quantitative Studie angelegt, bei der mittels standardisierter Fragebögen unter den Mitgliedern des FMEA – Teams eine Vollerhebung durchgeführt wird. Bei dieser Arbeit wird darauf verzichtet, die Wirksamkeit der FMEA zu untersuchen. Es soll durch die Ergebnisdarstellung die Einsatztauglichkeit der FMEA in der stationären Altenhilfe als Instrument der vorbeugenden Fehlervermeidung im Rahmen der Qualitätssicherung eingeschätzt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Besonderheiten der Qualitätssicherung in der Pflege
1.2 Bedeutung der Fehlervermeidung
1.3 Fragestellung und Hypothesen
2 FMEA als Methode der Fehlervermeidung
2.1 Die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse
2.2 Das FMEA – Team
2.3 Der Einsatz der FMEA am Beispiel des Wäschekreislaufs
2.4 Umsetzung der FMEA
3 Das Forschungsdesign
3.1 Design
3.2 Methodenwahl
3.3 Fragebogenkonstruktion
3.3.1 Anforderungen an den Fragenkatalog
3.3.2 Überprüfung der Praxistauglichkeit
4 Evaluation des Einsatzes der FMEA
4.1 Durchführung der Befragung
4.2 Auswertung der Ergebnisse
4.3 Interpretation der Ergebnisse
5 Zusammenfassung und Ausblick
6 Verzeichnisse
7 Anhang
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der FMEA (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse) als Instrument der präventiven Qualitätssicherung im Bereich der stationären Altenhilfe und evaluiert, ob Mitarbeiter mithilfe dieser Methode ihre Prozessabläufe besser verstehen und die Fehlerempfindlichkeit verringern können.
- Analyse von Qualitätssicherungs-Besonderheiten in der Pflege
- Methodische Einführung und praktische Erprobung der FMEA
- Konstruktion und Evaluation eines spezifischen Fragebogens
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen FMEA-Einsatz und Mitarbeiter-Sensibilisierung
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse
Die FMEA als ein induktives Verfahren zur Qualitätssicherung wurde 1960 in den USA im Rahmen des Raumfahrtprogramms der NASA entwickelt. Gerade hier ist Qualitätssicherung eng mit der Sicherheit verknüpft, wie dies auch im Gesundheitswesen der Fall ist.
In den folgenden Jahren fand diese Methode Anwendung in weiteren Wirtschaftsbereichen und verbreitete sich über die Luftfahrt- und Automobilindustrie bis heute in viele industrielle Zweige.
Im Dienstleistungssektor und hier insbesondere im Gesundheitswesen findet die FMEA allerdings selten Anwendung. Aber gerade da diese Methode eine Fehlervermeidung im Vorfeld der Dienstleistungserbringung zum Ziel hat, bietet sie sich für den Gesundheitsbereich an.
Bei der FMEA wird der jeweilige Prozess (hier die Wäscheversorgung) in alle anfallenden Ablaufschritte gegliedert. Für jeden Ablaufschritt werden die möglichen Fehler ermittelt. Um eine Aussage über die Rangfolge der Fehlerbearbeitung zu erhalten, wird die Risikopotenzialzahl (RPZ) ermittelt. Diese ergibt sich aus der Schätzung der Auftrittswahrscheinlichkeit, der Bedeutung und der Entdeckungswahrscheinlichkeit eines potentiellen Fehlers. Als Hilfsmittel werden Einschätzungsskalen eingesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Bedeutung der Qualitätssicherung in der stationären Altenhilfe und leitet die Forschungsfrage zur Fehlervermeidung ab.
2 FMEA als Methode der Fehlervermeidung: Erläutert das theoretische Fundament der FMEA, den Aufbau eines interdisziplinären Teams und den praktischen Anwendungsfall des Wäschekreislaufs.
3 Das Forschungsdesign: Detailliert die quantitative Befragungsmethode, die Konstruktion des Fragebogens sowie die Prüfung der methodischen Gütekriterien.
4 Evaluation des Einsatzes der FMEA: Analysiert die Rücklaufdaten der Befragung und interpretiert die Ergebnisse hinsichtlich der Hypothesen zur Praxistauglichkeit.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Reflektiert die Projektergebnisse und bewertet das Potenzial der FMEA für die zukünftige Gestaltung von Pflegeprozessen.
6 Verzeichnisse: Beinhaltet die Literaturquellen und Verzeichnisse zu den verwendeten Hilfsmitteln und Softwareanwendungen.
7 Anhang: Enthält ergänzende Dokumente, Formblätter und Auswertungen zur durchgeführten FMEA.
Schlüsselwörter
Qualitätssicherung, Pflege, FMEA, Fehlervermeidung, Fehlerkultur, Risikoprioritätszahl, Prozessqualität, Altenhilfe, Qualitätszirkel, Dienstleistungsmanagement, Fehlerprävention, Evaluation, Fragebogen, Prozessoptimierung, Kundenzufriedenheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die aus der Industrie bekannte Methode der Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA) erfolgreich in der stationären Altenhilfe eingesetzt werden kann, um die Dienstleistungsqualität zu sichern.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Qualitätssicherung in der Pflege, die Methoden der Fehlerprävention, das Forschungsdesign empirischer Studien und die konkrete Prozessanalyse am Beispiel des Wäschekreislaufs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass die FMEA trotz unterschiedlicher Qualifikationen der Beschäftigten ein adäquates Instrument ist, um Mitarbeiter für Fehlerursachen zu sensibilisieren und Prozesse aktiv zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine quantitative empirische Studie in Form einer Befragung der Teilnehmer eines Qualitätszirkels durchgeführt, die zuvor die FMEA praktisch erprobt hatten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der FMEA-Methodik, das Forschungsdesign zur Evaluation, die Durchführung der Befragung und die anschließende Interpretation der gewonnenen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Qualitätssicherung, FMEA, Fehlerprävention, stationäre Altenhilfe, Prozessoptimierung und Dienstleistungsqualität.
Welche Rolle spielt der Wäschekreislauf in der Studie?
Der Wäschekreislauf dient als konkretes, gut sichtbares Fallbeispiel für die praktische Erprobung der FMEA-Methode, um potenzielle Fehlerquellen im Pflegealltag systematisch zu identifizieren.
Warum wurde eine spezielle Software für die FMEA eingesetzt?
Der Einsatz der Software "Cimos FMEA" sollte die Handhabung der Methode vereinfachen, die Dokumentation der Fehleranalyse standardisieren und die anschließende Auswertung ohne hohen Zeitaufwand ermöglichen.
Welche Erkenntnis liefert die Arbeit zur Kompetenz der Mitarbeiter?
Die Untersuchung zeigt, dass Mitarbeiter – unabhängig von ihrem formalen Bildungsniveau – sehr wohl in der Lage sind, die FMEA-Methode im Rahmen von Qualitätszirkeln praktikabel und nutzbringend anzuwenden.
- Arbeit zitieren
- Dipl. Pflegew. Jörg Warnke (Autor:in), 2005, Untersuchung der Einsatzmöglichkeiten einer rechnergestützten FMEA in der stationären Altenhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49992