In der folgenden Arbeit soll John Stuart Mills Entwurf der Repräsentativen Demokratie dargelegt werden. Im Vergleich zu On Liberty von 1859 fanden Mills Considerations on Representative Government, die 1861 zum ersten Mal erschienen, lange Zeit wenig Beachtung, obwohl er darin Überlegungen über das Wesen der Demokratie anstellt, die zeitlose Qualität besitzen. Die Ausführungen über sein Werk, dessen philosophische Grundlage der Utilitarismus ist, bleiben allerdings auf die Theorie bezogen. Eine Orientierung am praktischen Beispiel Englands, für das Mill seine Theorien vorrangig aufgestellt hat, liegt zwar nahe, jedoch würde es an dieser Stelle über den gesetzten Rahmen hinausgehen. Darüber hinaus bleibt Mills Entwurf der Repräsentativen Demokratie in sich ohnehin sehr theoretisch und wenig praxisbezogen.
Exkurs: Der Utilitarismus
Ausgehend von der Maxime, dass der Mensch instinktiv nach Lust und Freude im Leben sucht und Schmerz und Leid dagegen verhindern will, basiert der Utilitarismus auf dem Streben nach dem größten Glück bezogen auf die gesamte Menschheit. J. Bentham formuliert dies in folgender Formel: the greatest happiness of the greatest number. Im Gegensatz zu seinem Vordenker Bentham setzt Mill einen komplexeren Maßstab dafür an, welche Dinge das größte Glück hervorbringen. Er unterscheidet zwischen Freuden des Verstandes und Freuden der bloßen Sinnlichkeit. Hierbei sind die geistigen Freuden eindeutig den körperlichen vorzuziehen, da sie zum einen von größerer Dauer und Verlässlichkeit sind und zum anderen Unabhängigkeit und Begeisterung fördern. Die letzteren beiden Werte sieht Mill als notwendige Eigenschaften mündiger Bürger eines demokratischen Staates an.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Hauptteil
- Über das Wesen der Politik
- Die optimale Staatsform
- Aufbau der Repräsentativen Demokratie
- Wahlrecht
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit von John Stuart Mill setzt sich zum Ziel, sein Konzept der Repräsentativen Demokratie darzulegen und zu analysieren. Mills Ausführungen über die Demokratie stellen ein relevantes Thema dar, das auch in heutiger Zeit von großer Bedeutung ist. Dabei wird die philosophische Grundlage des Utilitarismus in den Vordergrund gestellt. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und Entwicklung der Demokratie und beleuchtet dabei die zentralen Elemente und die Rolle des Volkes in der politischen Entscheidungsfindung.
- Das Wesen der Politik und die verschiedenen Sichtweisen auf ihre Entstehung
- Die optimale Staatsform und ihre Anpassung an unterschiedliche Zivilisationsstufen
- Die Bedeutung der aktiven Beteiligung der Bürger und die Rolle von kompetenten Amtsträgern
- Die Bedeutung der Bildung und der Förderung intellektueller, moralischer und praktischer Fähigkeiten der Bürger
- Die Rolle der Repräsentativen Demokratie in der modernen Gesellschaft
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung stellt John Stuart Mills Konzept der Repräsentativen Demokratie vor und erläutert den Kontext seiner Ausführungen in Bezug auf seine anderen Werke. Mills Werk „Considerations on Representative Government“ wird in den Fokus gerückt und sein Bezug zum Utilitarismus beleuchtet.
Hauptteil
Über das Wesen der Politik
In diesem Kapitel werden zwei verschiedene Sichtweisen auf das Wesen der Politik dargestellt: die voluntaristische Sicht und die historistische Auffassung. Mill kritisiert beide Ansätze als inadäquat und plädiert für eine Kombination aus beiden. Er betont die Bedeutung der Akzeptanz und der aktiven Beteiligung der Bürger am Staatsgeschehen sowie die Notwendigkeit kompetenter Amtsträger.
Die optimale Staatsform
Mill argumentiert, dass die optimale Staatsform die intellektuellen, moralischen und praktischen Fähigkeiten der Bürger fördern sollte. Er betont, dass es keine universell beste Staatsform gibt, da die charakterlichen Eigenschaften der Bürger je nach Volk unterschiedlich ausgeprägt sind. Er führt verschiedene Beispiele an, wie die optimale Staatsform an die gegebenen Umstände angepasst werden muss, und plädiert für die Repräsentative Demokratie als beste Regierungsform für fortgeschrittene Gesellschaften.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit zentralen Themen der politischen Philosophie und behandelt das Konzept der Repräsentativen Demokratie, den Utilitarismus, die Rolle des Volkes, die Bedeutung von Bildung und die Förderung der Bürgerfähigkeiten. Weitere wichtige Themen sind die verschiedenen Sichtweisen auf das Wesen der Politik, die optimale Staatsform und die Anpassung von politischen Systemen an die jeweiligen gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die philosophische Grundlage von John Stuart Mills Demokratiekonzept?
Die Grundlage bildet der Utilitarismus, also das Streben nach dem größten Glück für die größte Zahl an Menschen, wobei Mill besonders geistige Freuden betont.
Warum bevorzugt Mill die repräsentative Demokratie?
Er sieht sie als die beste Regierungsform für fortgeschrittene Gesellschaften an, da sie die intellektuellen und moralischen Fähigkeiten der Bürger fördert und gleichzeitig kompetente Amtsträger einbindet.
Welche Rolle spielt die Bildung in Mills Staatsmodell?
Bildung ist essenziell, um mündige Bürger zu schaffen, die über die notwendige intellektuelle, moralische und praktische Reife verfügen, um aktiv am Staatsgeschehen teilzunehmen.
Was versteht Mill unter dem "Wesen der Politik"?
Er plädiert für eine Kombination aus voluntaristischer Sicht (Gestaltbarkeit durch Willen) und historistischer Auffassung (Entwicklung aus Tradition), wobei die aktive Beteiligung der Bürger zentral ist.
Gibt es laut Mill eine universell beste Staatsform?
Nein, Mill argumentiert, dass die optimale Staatsform immer an die Zivilisationsstufe und die charakteristischen Eigenschaften eines Volkes angepasst werden muss.
- Quote paper
- Ilona Gaul (Author), 2005, John Stuart Mills Konzept der Repräsentativen Demokratie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49664