Auf Basis der entwickelten Besteuerungsmaßnahmen auf europäischer und unilateraler Ebene sollen folgende Forschungsfragen beantwortet werden: Welche Maßnahmen gibt es, um die digitale Wirtschaft steuerlich zu erfassen? Ist die Ausgestaltung der Maßnahmen sinnvoll und zielführend?
Die Digitalisierung ist heutzutage sowohl in Privathaushalten, als auch in Unternehmen allgegenwärtig. Digitale Unternehmen haben die Weltwirtschaft in den letzten 10 Jahren maßgeblich geprägt. Neuartige Geschäftsmodelle digitaler Konzerne stellen die klassischen Besteuerungskonzepte vor große Herausforderungen. Der Versand-Gigant Amazon hat es geschafft im Jahr 2018 auf einen Gewinn von 11,2 Milliarden (Mrd.) USDollar keinen Cent Steuern zu zahlen. Vor diesem Hintergrund rückt die Thematik, ob
digitale Unternehmen ausreichend besteuert werden, mehr und mehr in den Mittelpunkt politischer Diskussionen.
Ein Konsens um diese Problematik zu bekämpfen, konnte bisher auf europäischer und internationaler Ebene nicht gefunden werden. Erst kürzlich hat die Europäische Kommission in einem veröffentlichten Bericht angeprangert, dass digitale Geschäftsmodelle deutlich geringere effektive Steuersätze als traditionelle Unternehmen besitzen. Dies liegt vor allem daran, dass die geltenden Steuergesetze nicht mehr zeitgemäß sind und das Konzept der physischen Präsenz als Anknüpfungspunkt nicht mehr ausreichend ist. Ein Großteil der Vertreter der europäischen Mitgliedsstaaten fordert daher eine Reform der mit der digitalen Wirtschaft im Zusammenhang stehenden internationalen Steuervorschriften. Aktuell werden hierzu auf den verschiedenen Ebenen Reformansätze entwickelt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Besonderheiten bei der Besteuerung digitaler Unternehmen
- Aktuelle Entwicklungen
- OECD
- EU
- Digitalsteuer
- Ausgestaltung der Digitalsteuer
- Kritik an dem Konzept der Digitalsteuer
- signifikante digitale Präsenz
- Ausgestaltung der signifikanten digitalen Präsenz
- Kritik an dem Konzept der signifikanten digitalen Präsenz
- Digitalsteuer
- Unilaterale Reaktionen
- Quellensteuerabzug gem. §50a EStG
- Österreichs Digitalsteuerpaket
- Schlussfolgerungen und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Herausforderung, digitale Unternehmen angemessen zu besteuern, insbesondere vor dem Hintergrund ihrer geringen effektiven Steuerlast im Vergleich zu traditionellen Unternehmen. Sie analysiert verschiedene Lösungsansätze auf EU-Ebene und nationaler Ebene sowie die damit verbundenen Risiken und Kritikpunkte.
- Analyse der Besonderheiten der Besteuerung digitaler Unternehmen
- Bewertung der aktuellen Entwicklungen auf OECD-Ebene, EU-Ebene und nationaler Ebene
- Bewertung der Ausgestaltung von Richtlinienvorschlägen der Europäischen Kommission
- Identifizierung von Kritikpunkten an den vorgeschlagenen Maßnahmen
- Bewertung der Risiken, die mit der Einführung von Digitalsteuern verbunden sind
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet die Problematik der Besteuerung digitaler Unternehmen und stellt die Forschungsfragen vor. Kapitel 2 analysiert die Besonderheiten der Besteuerung digitaler Unternehmen und erläutert, warum die geltenden Steuergesetze nicht mehr zeitgemäß sind. Kapitel 3 untersucht die aktuellen Entwicklungen auf OECD-Ebene, EU-Ebene und nationaler Ebene. Der Fokus liegt dabei auf der Ausgestaltung der von der Europäischen Kommission vorgestellten Richtlinienvorschläge, insbesondere der Digitalsteuer und des Konzepts der signifikanten digitalen Präsenz. Die Kritik an diesen Konzepten wird ebenfalls diskutiert. Kapitel 3 behandelt außerdem unilaterale Reaktionen auf die Problematik, wie z.B. den Quellensteuerabzug gem. §50a EStG und das österreichische Digitalsteuerpaket.
Schlüsselwörter
Die zentralen Themen der Arbeit sind die Besteuerung digitaler Unternehmen, Digitalsteuer, signifikante digitale Präsenz, OECD, EU, unilaterale Reaktionen, Steuerrecht, digitale Wirtschaft, Wertschöpfung, internationale Steuergesetze.
Häufig gestellte Fragen
Warum wird über eine spezielle Digitalsteuer diskutiert?
Digitale Konzerne wie Amazon oder Google erzielen oft hohe Gewinne in Ländern, in denen sie keine physische Präsenz (Betriebsstätte) haben, und zahlen dort kaum Steuern. Das aktuelle Steuerrecht ist auf physische Präsenz ausgelegt und gilt als veraltet.
Was ist das Konzept der "signifikanten digitalen Präsenz"?
Dies ist ein EU-Vorschlag, nach dem Unternehmen auch ohne physischen Standort steuerpflichtig werden, wenn sie eine bestimmte Anzahl an Nutzern, Verträgen oder digitalen Umsätzen in einem Mitgliedsstaat generieren.
Welche Rolle spielt die OECD bei der Digitalsteuer?
Die OECD arbeitet an einer globalen Lösung (Zwei-Säulen-Modell), um Besteuerungsrechte fairer zwischen den Ländern zu verteilen und eine globale Mindeststeuer einzuführen.
Was sind unilaterale Reaktionen?
Das sind Alleingänge einzelner Länder, wie etwa Frankreich oder Österreich, die eigene nationale Digitalsteuern eingeführt haben, weil eine Einigung auf EU- oder globaler Ebene zu lange dauerte.
Was wird an der Digitalsteuer kritisiert?
Kritiker befürchten Doppelbesteuerungen, einen hohen administrativen Aufwand, Handelskonflikte (insbesondere mit den USA) und dass die Kosten letztlich an die Verbraucher weitergegeben werden.
Wie hoch ist die effektive Steuerlast digitaler Unternehmen laut EU?
Laut Berichten der Europäischen Kommission zahlen digitale Geschäftsmodelle im Schnitt einen effektiven Steuersatz von nur 9,5 %, während traditionelle Unternehmen mit über 23 % belastet werden.
- Quote paper
- Marius Gehler (Author), 2019, Einführung einer Digitalsteuer. Überlegungen auf EU-Ebene und nationale Initiativen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492691