Mit dem Begriff Ereignisanalyse bezeichnen wir statistische Verfahren zur Untersuchung von Zeitintervallen zwischen aufeinanderfolgenden Zustandswechseln beziehungsweise Ereignissen. Die von den Untersuchungseinheiten eingenommenen Zustände sind dabei abzählbar, und die Ereignisse können zu beliebigen Zeitpunkten eintreten. Es handelt sich also um statistische Verfahren zur Analyse stochastischer Prozesse mit diskreten Zuständen und stetiger Zeit.(Blossfeld, Hamerle und Mayer, 1986, S. 11)
In der nachfolgenden Untersuchung wird als Zustandsänderung im Sinne der Ereignisanalyse das Verlassen des Elternhauses untersucht. Das heißt, wann verlassen Jugendliche oder junge Erwachsene ihr Elternhaus und welche Randbedingungen beeinflussen dies. Einige dieser Randbedingungen sind z.B. Geschlechterunterschiede oder die Herkunft. Beeinflußt vielleicht das Rollenverständnis der Jugendlichen ihr Auszugsverhalten? Oder verlassen Kinder ihr Elternhaus früher, wenn sie mit einem Partner einen eigenen Hausstand gründen wollen? Besonders zu beachten ist die Möglichkeit des verwendeten Datensatzes nach alten und neuen Bundesländern zu unterscheiden. Da die staatliche Förderung der ehemaligen DDR eine frühe Heirat und damit ein Verlassen des Elternhauses begünstigte. Dagegen steht wiederum die schlechte Wohnungspolitik in diesem Teil Deutschlands. Junge Familien wollten zwar einen eigenen Hausstand, fanden aber keinen Wohnraum. In den Gebieten der alten Bundesländer existierte zwar genug Wohnraum, aber jugendliche waren nicht immer in der Lage diesen zu bezahlen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Erklärung des Verfahrens
1.1.1 Einige Kenngrößen
1.1.1.1 Die Survivorfunktion S(t)
1.1.1.2 Die Hazardrate λ(t)
1.1.2 Vergleich der Survivalfunktionen
2. Die verwendeten Daten
3. Fragestellung
4. Auswertung
5. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung des Auszugsverhaltens junger Erwachsener aus dem Elternhaus unter Verwendung der Methode der Ereignisanalyse. Dabei wird analysiert, welche soziodemografischen Faktoren, wie das Geschlecht, eine Partnerschaft oder die regionale Herkunft (Ost- vs. Westdeutschland), den Zeitpunkt des Verlassens des Elternhauses maßgeblich beeinflussen.
- Anwendung statistischer Verfahren zur Analyse von Verweildauern und Zustandsänderungen.
- Untersuchung geschlechtsspezifischer Unterschiede beim Auszugsalter.
- Analyse des Einflusses von Partnerschaften auf das Auszugsverhalten.
- Vergleich der Auswirkungen unterschiedlicher politischer und sozialer Rahmenbedingungen in Ost- und Westdeutschland.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Mit dem Begriff Ereignisanalyse bezeichnen wir statistische Verfahren zur Untersuchung von Zeitintervallen zwischen aufeinanderfolgenden Zustandswechseln beziehungsweise Ereignissen. Die von den Untersuchungseinheiten eingenommenen Zustände sind dabei abzählbar, und die Ereignisse können zu beliebigen Zeitpunkten eintreten. Es handelt sich also um statistische Verfahren zur Analyse stochastischer Prozesse mit diskreten Zuständen und stetiger Zeit.(Blossfeld, Hamerle und Mayer, 1986, S. 11)
In der nachfolgenden Untersuchung wird als Zustandsänderung im Sinne der Ereignisanalyse das Verlassen des Elternhauses untersucht. Das heißt, wann verlassen Jugendliche oder junge Erwachsene ihr Elternhaus, und welche Randbedingungen beeinflussen dies. Einige dieser Randbedingungen sind z.B. Geschlechterunterschiede oder die Herkunft. Beeinflußt vielleicht das Rollenverständnis der Jugendlichen ihr Auszugsverhalten? Oder verlassen Kinder ihr Elternhaus früher, wenn sie mit einem Partner einen eigenen Hausstand gründen wollen?
Besonders zu beachten ist die Möglichkeit des verwendeten Datensatzes nach alten und neuen Bundesländern zu unterscheiden. Da die staatliche Förderung der ehemaligen DDR eine frühe Heirat und damit ein Verlassen des Elternhauses begünstigte. Dagegen steht wiederum die schlechte Wohnungspolitik in diesem Teil Deutschlands. Junge Familien wollten zwar einen eigenen Hausstand, fanden aber keinen Wohnraum. In den Gebieten der alten Bundesländer existierte zwar genug Wohnraum, aber Jugendliche waren nicht immer in der Lage diesen zu bezahlen.
Diesen Fragen werde ich versuchen, in der folgenden Arbeit nachzugehen. Ich werde zuerst einige Grunderläuterungen zur Ereignisanalyse aus rein statistischer Sicht vornehmen. Anschließen meine Ergebnisse vorstellen und diese abschließend diskutieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definition des Begriffs Ereignisanalyse und Darlegung der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Determinanten des Auszugsverhaltens junger Erwachsener.
2. Die verwendeten Daten: Beschreibung des Datensatzes der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der 3233 Fälle umfasst und Informationen zu Lebensdaten und sozialen Einflussfaktoren enthält.
3. Fragestellung: Formulierung spezifischer Hypothesen hinsichtlich Geschlechterdifferenzen, dem Einfluss von Partnerschaften sowie regionalen Unterschieden zwischen Ost- und Westdeutschland.
4. Auswertung: Empirische Überprüfung der Hypothesen mittels Sterbetafel-Methode, Wilcoxon-Tests sowie graphischer Analyse der Survivor- und Hazard-Funktionen.
5. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, wobei alle aufgestellten Hypothesen bestätigt wurden und die Befunde im Kontext gesellschaftlicher sowie historischer Rahmenbedingungen diskutiert werden.
Schlüsselwörter
Ereignisanalyse, Längsschnittdaten, Auszugsverhalten, Survivorfunktion, Hazardrate, Sterbetafel-Methode, Verweildauer, Geschlechterunterschiede, Partnerschaft, Ost-West-Vergleich, Sozialisation, Zustandsänderung, Lebenslaufanalyse, statistische Verfahren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der statistischen Untersuchung von Zustandsänderungen im Lebenslauf junger Erwachsener, konkret mit dem Zeitpunkt des Auszugs aus dem Elternhaus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse fokussiert sich auf die Einflüsse von Geschlecht, Partnerschaftsstatus sowie regionaler Herkunft (ehemalige DDR vs. alte Bundesländer) auf das Alter beim Auszug.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die empirische Überprüfung der Hypothese, dass soziodemografische Faktoren und gesellschaftliche Randbedingungen signifikante Unterschiede im Zeitpunkt des Verlassens des Elternhauses bewirken.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird die Ereignisanalyse angewandt, wobei spezifisch die Sterbetafel-Methode zur Untersuchung von Verweildauern verwendet wird, ergänzt durch Wilcoxon-Tests zur Signifikanzprüfung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beinhaltet die statistische Auswertung der Daten, die Interpretation der Survivor- und Hazard-Funktionen sowie die Überprüfung der aufgestellten Hypothesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ereignisanalyse, Survivorfunktion, Hazardrate, Auszugsverhalten und Längsschnittdaten.
Wie unterscheidet sich das Auszugsverhalten von Jungen und Mädchen laut der Studie?
Die Analyse zeigt, dass Jungen im Schnitt später als Mädchen ausziehen, was unter anderem mit der Wehr- oder Zivildienstpflicht der jungen Männer begründet wird.
Welchen Effekt hat das Aufwachsen in der ehemaligen DDR auf den Auszug?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Jugendliche in den neuen Bundesländern früher ausgezogen sind, was auf eine staatliche Förderung der frühen Selbstständigkeit in der DDR zurückgeführt wird.
- Quote paper
- Daniel Pagels (Author), 1999, Ereignisanalyse - Untersuchung von Zeitintervallen zwischen aufeinanderfolgenden Zustandswechseln, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4921