In modernen Gesellschaften steigt die Bedeutung des Äußeren, aber gleichzeitig herrscht
Zwiespältigkeit bezüglich Attraktivität: Einerseits findet großes Streben danach statt.
Andererseits herrschen persönliche Selbstideale und öffentlicher Konsens vor, die abverlangen,
andere nicht anhand ihres Äußeren zu beurteilen. Außerdem besteht der Wunsch, selbst – gerade
in der Berufswelt – nicht auf das Äußere reduziert zu werden. Auch wenn es häufig abgestritten
wird, belegen zahlreiche Studien, dass Attraktivität in sozialen Interaktionen einen Unterschied
macht und Vorteile verschaffen kann. Als Konzept physischer und sozialer Attraktivität steht im
Zentrum dieser Arbeit das erotische Kapital (EK). Ziel dieser Arbeit ist es, mit einem
Literaturüberblick das Potenzial EKs im Rahmen der Kapitalformtheorie zu beleuchten und
systematisch Vor- und Nachteile der Steigerung des EKs darzustellen. Zudem wird das Konzept
auch erstmals im Kontext geschlechtsspezifischer Preisdiskriminierung betrachtet. Die
Gegenüberstellung zeigt, dass die Pflege und Steigerung des EKs uneingeschränkt auf dem
Beziehungsmarkt und eingeschränkt auf dem Arbeitsmarkt lohnend ist. Dagegen ist die
Steigerung und Nutzung des EKs in der Arbeitswelt insbesondere für Frauen mit Nachteilen
(gesellschaftliche Missbilligung, relativ größere wirtschaftliche Belastung) verbunden, so dass sie
eine Erschwernis für den gesellschaftlichen Erfolg darstellt.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Theorie
- 2.1 Kapitalformtheorie nach Bourdieu
- 2.2 Theorie des Erotischen Kapitals nach Hakim
- 2.3 Geschlechtsspezifische Preisdiskriminierung
- 3 Zielsetzung und methodisches Vorgehen
- 4 Ergebnisse
- 4.1 Steigerung des erotischen Kapitals: Katalysator
- 4.1.1 Attraktivitätsstereotyp und Haloeffekt
- 4.1.2 Auswirkungen auf andere Kapitalformen
- 4.2 Steigerung des erotischen Kapitals: Erschwernis
- 4.2.1 Gesellschaftliche Missbilligung
- 4.2.2 Geschlechtsspezifische Preisdiskriminierung
- 4.1 Steigerung des erotischen Kapitals: Katalysator
- 5 Diskussion
- 6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert das erotische Kapital (EK) im Kontext der Kapitalformtheorie und untersucht die Vor- und Nachteile seiner Steigerung, insbesondere im Hinblick auf geschlechtsspezifische Preisdiskriminierung. Ziel ist es, die Rolle des EKs im gesellschaftlichen Erfolg zu beleuchten und zu ergründen, ob es als Katalysator oder Erschwernis wirkt.
- Die Kapitalformtheorie nach Bourdieu und die Erweiterung durch das Konzept des erotischen Kapitals nach Hakim
- Die Bedeutung des EKs im Beziehungsmarkt und auf dem Arbeitsmarkt
- Gesellschaftliche Missbilligung und geschlechtsspezifische Preisdiskriminierung als potenzielle Nachteile der EK-Steigerung
- Die Rolle des EKs in der Selbstoptimierung und der wachsenden Bedeutung des Äußeren in modernen Gesellschaften
- Das Potenzial weiterer Forschung im Kontext des EKs und geschlechtsspezifischer Preispolitik
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik des erotischen Kapitals ein und beleuchtet die aktuelle Debatte um Attraktivität und ihre Bedeutung in modernen Gesellschaften. Sie thematisiert die unterschiedlichen Perspektiven auf das EK, von der Anerkennung als Kapitalform bis hin zur Ablehnung als oberflächliches Merkmal.
Das zweite Kapitel stellt die theoretischen Grundlagen der Arbeit dar und fokussiert auf die Kapitalformtheorie nach Bourdieu sowie Hakims Konzept des erotischen Kapitals. Es beleuchtet die verschiedenen Kapitalformen und analysiert die Rolle des EKs im Beziehungsmarkt und auf dem Arbeitsmarkt. Zudem wird der Begriff der geschlechtsspezifischen Preisdiskriminierung eingeführt, um die unterschiedlichen Auswirkungen der EK-Steigerung für Frauen und Männer zu analysieren.
Die Ergebnisse des vierten Kapitels untersuchen die Auswirkungen der EK-Steigerung. Dabei wird sowohl auf den Aspekt der Attraktivität als Katalysator eingegangen, der positive Effekte auf den sozialen Erfolg hervorhebt, als auch auf die potenziellen Nachteile der EK-Steigerung, wie gesellschaftliche Missbilligung und geschlechtsspezifische Preisdiskriminierung.
Schlüsselwörter
Erotisches Kapital, Kapitalformen, Attraktivität als Kapital, Selbstoptimierung, Gender Pricing, Geschlechtsspezifische Preisdiskriminierung, Kapitalformtheorie, Attraktivitätsstereotyp, Haloeffekt, Gesellschaftliche Missbilligung, Beziehungsmarkt, Arbeitsmarkt, Soziale Interaktion, Soziale Auslese
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter „erotischem Kapital“ (EK)?
Erotisches Kapital ist ein von Catherine Hakim geprägtes Konzept, das physische Attraktivität, soziale Kompetenz und Ausstrahlung als eine eigenständige Kapitalform beschreibt.
Wirkt Attraktivität im Berufsleben immer als Vorteil?
Nicht zwingend. Während sie oft als „Katalysator“ wirkt (Halo-Effekt), kann sie insbesondere für Frauen auch eine „Erschwerung“ durch gesellschaftliche Missbilligung oder Vorurteile darstellen.
Was ist der Halo-Effekt im Kontext von Attraktivität?
Der Halo-Effekt beschreibt ein psychologisches Phänomen, bei dem von bekannten positiven Eigenschaften (wie Schönheit) fälschlicherweise auf andere Qualitäten (wie Intelligenz oder Kompetenz) geschlossen wird.
Was bedeutet „geschlechtsspezifische Preisdiskriminierung“?
Es bezieht sich auf die Tatsache, dass Frauen oft höhere wirtschaftliche Belastungen tragen müssen (z. B. für Pflege und Styling), um ihr erotisches Kapital zu erhalten oder zu steigern.
Wie hängen Bourdieus Kapitalformen und das EK zusammen?
Die Arbeit nutzt Bourdieus Theorie (ökonomisches, kulturelles, soziales Kapital) und erweitert sie um das erotische Kapital als vierte Dimension des gesellschaftlichen Erfolgs.
Ist die Steigerung des EKs auf dem Beziehungsmarkt lohnender als auf dem Arbeitsmarkt?
Die Untersuchung zeigt, dass die Pflege des EKs auf dem Beziehungsmarkt uneingeschränkt vorteilhaft ist, während sie in der Arbeitswelt ambivalent bewertet wird.
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- Julia Wilnhammer (Author), 2018, Attraktivität. Kapital oder Erschwernis?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491730