Computer und Internet gewinnen in der heutigen Gesellschaft rapide an Einfluss und Bedeutung. Medienwissenschaftler und Pädagogen, aber auch Eltern und Vorgesetzte betrachten diese Medien aber immer häufiger als zweischneidiges Schwert. Vor einigen Jahren als Informations-, Bildungs- und Kommunikationsmedium gelobt, beklagen sie nun die negativen Begleiterscheinungen. So wird der Internetnutzer ständig reizüberflutet und verliert bisweilen die Übersicht. Auch wird das Internet oft ungeniert als Mittel zur Agitation eingesetzt oder bietet Raum für Menschen mit gewissen Vorlieben, die in der Gesellschaft nicht oder kaum akzeptiert werden würden. Weiterhin taucht in diesem Zusammenhang immer wieder der Vorwurf auf, das Internet verursache Abhängigkeiten oder mache gar süchtig. Besonders anfällig dafür seien Kinder und Jugendliche, die etliche Stunden am Tag surfen, chatten oder spielen.
Mit meiner Studienarbeit versuche ich, dem „Suchtfaktor Internet“ ein Stück weit auf den Grund zu gehen. Sollten diese Vorwürfe nämlich zutreffen, hätte dies weit reichende Konsequenzen für den Schulalltag. Denn nachlassende Konzentrations- und Leistungsfähigkeit gehen oft mit einem suchtartigen Verhalten einher. Weiterhin sähen sich in diesem Fall auch Lehrer und Lehrerinnen mit einer neuartigen Problematik konfrontiert, was von ihnen verlangen würde, sich darüber in dem Maße zu informieren, dass sie im Stande sind, eine Diagnose zu stellen und Präventions- oder Interventionsmaßnahmen anzubieten.
Problematisch war für mich das Fehlen einer zufrieden stellenden und allgemeingültigen Definition der Computer- und Internetsucht in der Literatur. Dieses Phänomen sofern es existiert - ist noch zu jung, um wissenschaftlich schon in aller Konsequenz untersucht zu sein. Nachdem ich einen grundlegenden Überblick zum Suchtbegriff geschaffen habe, habe ich daher zunächst vorhandene Suchtdefinitionen auf ihre Vereinbarkeit mit Begleiterscheinungen von exzessivem Internetkonsum hin überprüft. Die daraus gewonnenen Ergebnisse verwende ich im Anschluss in einer ergebnisoffenen Studie. Ich habe einen Fragenkatalog zu den Themenkomplexen Sucht und Internet ausgearbeitet. Dieser diente in Interviews mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Grundlage, um deren Internetgebrauchsgewohnheiten kennen zu lernen und heraus zu finden, ob sie bezüglich einer Suchtgefährdung Probleme bei ihrem Internetkonsum feststellen.
Inhaltsverzeichnis
1.) EINLEITUNG
2.) DER SUCHTBEGRIFF
2.1) Sucht oder Abhängigkeit?
2.2) Einteilung der Süchte
2.3) Charakteristik einer Sucht
2.4) Faktoren und Motive einer Sucht
3.) INTERNETSUCHT
3.1) Daten zur Internet- und Computernutzung
3.2) Internetsucht – Fakt oder Fiktion? Ein Forschungsüberblick
3.2.1) Internetsucht ist möglich
3.2.2) Internetsucht gibt es nicht
3.3) Erscheinungsbild der Internetsucht
3.3.1) Anzeichen für die Internetsucht
3.3.2) Warum macht das Internet süchtig?
3.3.3) Welche Bereiche des Internet sind besonders betroffen?
3.3.4) Auswirkungen der Internetsucht
3.3.4.1) Soziale Auswirkungen
3.3.4.2) Gesundheitliche Auswirkungen
3.3.4.3) Berufliche und schulische Auswirkungen
3.3.5) Wann ist man internetsüchtig?
3.4) Internetsucht bei Kindern und Jugendlichen
3.4.1) Betroffene Bereiche
3.4.1.1) Computer- und Onlinespiele
3.4.1.2) Kontakte knüpfen
3.4.2) Interventionsmöglichkeiten für Eltern betroffener Kinder
4.) EMPIRISCHE STUDIE ZUM PROBLEMBEWUSSTSEIN JUGENDLICHER BEZÜGLICH IHRES INTERNET- UND ONLINESPIELE-KONSUMS
4.1) Fragestellung
4.2) Charakterisierung des Interviews
4.3) Überlegungen beim Erstellen der Interviewfragen
4.4) Interviewfragen
4.5) Vorgehensweise bei der Erhebung
4.5.1) Zugang zum Untersuchungsfeld
4.5.2) Durchführung der Interviews und Aufzeichnung
4.5.2.1) Angaben zur person
4.5.2.2) Einleitung
4.5.2.3) Leitfaden
4.6) Überlegungen zur Interpretation der Interviews
4.6.1) Transkription
4.6.2) Redigierte Aussagen
4.6.2.1) Selektieren der bedeutungstragenden Aussagen
4.6.2.2) Auslassen von Redundanzen und Füllseln
4.6.2.3) Transformieren in unabhängige Aussagen des Interviewpartners
4.6.2.4) Paraphrasieren
4.6.3) Auswertung der Interviews
4.7) Interpretation der Interviews
4.7.1) Redigierte Aussagen der interviewten Jugendlichen
4.7.1.1) Redigierte Aussagen Felix
4.7.1.2) Redigierte Aussagen Marcel
4.7.1.3) Redigierte Aussagen Gerrit
4.7.1.4) Redigierte Aussagen Anne
4.7.1.5) Redigierte Aussagen Marc
4.7.1.6) Redigierte Aussagen Timm
4.7.1.7) Redigierte Aussagen Sebastian
4.7.1.8) Redigierte Aussagen Harry
4.7.2) Auswertung der Aussagen der interviewten Jugendlichen
4.7.2.1) Welches Vorwissen haben die Jugendlichen zum Thema Sucht und nehmen sie diese als eine reale Problematik wahr?
4.7.2.2) Was sind die Hauptaktivitäten der Befragten am Computer und im Internet?
4.7.2.3) Welche Bedeutung haben digitale Unterhaltungsmedien im Leben der Jugendlichen?
4.7.2.4) Welchen Einfluss haben die Eltern auf den Computer- und Internetkonsum der Jugendlichen?
4.7.2.5) Sehen die Jugendlichen ein Problem in ihrem Computer- und Internetkonsum?
4.7.2.6) Deuten Computer- und Internetgebrauch der Befragten auf eine Suchtgefährdung hin?
4.8) Zusammenfassung der Ergebnisse
5.) RESÜMEE
6.) AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, ob Jugendliche, die Internet und Onlinespiele exzessiv nutzen, ein Problembewusstsein für eine mögliche Suchtgefährdung entwickelt haben, und wie ihr Umgang mit diesen Medien in den Schulalltag und das familiäre Umfeld integriert ist.
- Theoretische Grundlagen zum Suchtbegriff und zur Internetsucht
- Analyse der Attraktivität und der Risikofaktoren von Internet und Onlinespielen
- Untersuchung der Rolle von Eltern und Erziehungsberechtigten bei der Mediennutzung
- Durchführung und Auswertung von Experteninterviews mit Jugendlichen zur individuellen Einschätzung ihres Medienkonsums
Auszug aus dem Buch
3.3.1) ANZEICHEN FÜR DIE INTERNETSUCHT
Wie wohl mittlerweile schon deutlich wurde, handelt es sich bei der Internetsucht um ein Krankheitsbild mit vielfältigen Symptomen und oft weit reichenden Konsequenzen. Wie bei jeder anderen Sucht auch ist die Ausprägung von Person zu Person verschieden. Um den Betroffenen allerdings die Möglichkeit einer Selbsteinschätzung zu geben, gibt es einige Fragebögen, die eine persönliche Einstufung erleichtern sollen. So soll beispielsweise der online abrufbare Fragebogen von Kimberly Young helfen, Warnsignale zu erkennen, die auf eine Internetsucht hindeuten. Sie stellt folgende acht Fragen:
• Fühlen Sie sich vom Internet eingenommen? Denken Sie an vorangegangene Online-Aktivitäten oder antizipieren Sie kommende?
• Fühlen Sie eine Notwendigkeit, das Internet zeitlich immer mehr nutzen zu müssen, um ein gewisses Maß an Zufriedenheit zu erreichen?
• Haben Sie wiederholt erfolglos versucht, die Internetnutzung zu kontrollieren, zu reduzieren oder zu stoppen?
• Fühlen Sie sich unruhig, launisch, depressiv oder irritiert, wenn Sie versuchen, die Internetnutzung zu reduzieren?
• Sind Sie länger online als eigentlich beabsichtigt?
• Haben Sie signifikante Beziehungen, Ihren Beruf, Ihre Karriere wegen des Internets gefährdet oder gar riskiert?
• Haben Sie Familienangehörige, Therapeuten oder andere angelogen, um Ihren exzessiven Gebrauch des Internets zu verbergen?
• Nutzen Sie das Internet als eine Möglichkeit, um vor Problemen, Missstimmungen (z.B. Gefühle der Hilflosigkeit, Depression, Schuld, Angst) zu fliehen?
Zusammenfassung der Kapitel
1.) EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die wachsende Bedeutung von Internet und Computer in der Gesellschaft sowie die damit einhergehende Debatte um potenzielle Suchtgefahren für Kinder und Jugendliche.
2.) DER SUCHTBEGRIFF: Dieses Kapitel definiert und differenziert den Begriff der Sucht sowie Abhängigkeit und erläutert die verschiedenen Arten von Süchten, inklusive stoffungebundener Verhaltensweisen.
3.) INTERNETSUCHT: Das Kapitel bietet einen Forschungsüberblick zur Internetsucht, analysiert das Erscheinungsbild, die Ursachen sowie Auswirkungen und diskutiert die Problematik bei Kindern und Jugendlichen.
4.) EMPIRISCHE STUDIE ZUM PROBLEMBEWUSSTSEIN JUGENDLICHER BEZÜGLICH IHRES INTERNET- UND ONLINESPIELE-KONSUMS: Hier wird die Methodik der durchgeführten Interviews dargelegt, die Ergebnisse werden präsentiert und hinsichtlich des Problembewusstseins der befragten Jugendlichen ausgewertet.
5.) RESÜMEE: Das Resümee fasst die Erkenntnisse der theoretischen und empirischen Untersuchung zusammen und reflektiert die Ergebnisse kritisch im Hinblick auf die Debatte um die Existenz einer Internetsucht.
6.) AUSBLICK: Der Ausblick betont die Notwendigkeit weiterer intensiver Forschung und unterstreicht die Rolle von Pädagogen und Eltern bei der Förderung eines bewussten Umgangs mit digitalen Medien.
Schlüsselwörter
Internetsucht, Computer, Jugendliche, Medienkonsum, Spielsucht, Online-Spiele, Problembewusstsein, Eltern-Kind-Beziehung, Medienkompetenz, Verhaltenssucht, Prävention, Internetabhängigkeit, empirische Studie, Freizeitverhalten, digitale Unterhaltungsmedien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Internetsucht und des exzessiven Konsums von Onlinespielen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, und analysiert, ob Betroffene ein Bewusstsein für die damit verbundenen Risiken haben.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die Schwerpunkte liegen auf den theoretischen Definitionen von Sucht, der wissenschaftlichen Debatte zur Existenz einer Internetsucht sowie der empirischen Untersuchung des Mediennutzungsverhaltens Jugendlicher.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob Jugendliche, die Computer und Internet intensiv nutzen, eine Suchtproblematik bei sich selbst wahrnehmen oder ihren Konsum als unbedenklich einstufen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewendet?
Zur Datengewinnung wurden qualitative Experteninterviews mit Jugendlichen durchgeführt, deren Internet- und Spielkonsum bereits als erhöht bekannt war.
Was behandelt der Hauptteil der Untersuchung?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Aufarbeitung des Suchtbegriffs sowie die Auswertung der durchgeführten Interviews, in denen Einstellungen und Gewohnheiten der Jugendlichen beleuchtet werden.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Internetabhängigkeit, mediale Sozialisation, elterliche Aufsicht, präventive Ansätze und die Unterscheidung zwischen intensivem Hobby und pathologischem Suchtverhalten.
Wie gehen Jugendliche mit elterlichen Kontrollversuchen um?
Die Interviews zeigen, dass Jugendliche oft versuchen, ihre Spielzeit durch Tricks (z.B. Lügen über Speicherpunkte) zu verlängern, besonders wenn Eltern keine fundierte Medienkenntnis besitzen.
Welche Rolle spielt das soziale Umfeld für die Suchtgefahr?
Soziale Integration gilt als Schutzfaktor; das Internet dient bei den Jugendlichen oft zur Kontaktpflege oder als Mittel gegen Langeweile, während das Gefühl, "außen vor" zu sein, wenn man nicht mitreden kann, den Konsum befeuert.
- Arbeit zitieren
- Maike Wörsching (Autor:in), 2006, Internet- und Onlinespielsucht bei Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49119