Für den Sport ist es wichtig, in den Medien präsent zu sein. Doch inwieweit gibt es innerhalb des Sports Unterschiede bei Medienpräsenz und Anpassungserscheinungen? Und inwieweit kann es sich das Funktionssystem Recht leisten, in dem Maße wie der Sport im medialen Fokus der Öffentlichkeit zu stehen?
Dieser Satz und die eben aufgeworfenen Fragen leiten daher perfekt auf das Hauptthema dieser Arbeit hin. Der Forschungsbereich der Medialisierung gewinnt in der Medien- und Kommunikationswissenschaft seit der Jahrtausendwende zunehmend an Bedeutung. In einer funktional ausdifferenzierten Gesellschaft weisen jedoch die verschiedenen Teilsysteme auch einen unterschiedlichen Grad an Medialisierung auf. Inwieweit ist es für Teilsysteme wünschenswert, nicht nur im Zentrum des Medieninteresses zu stehen, sondern dieses auch proaktiv zu bedienen? Im Laufe der Arbeit sollen hier zentrale Unterschiede herausgearbeitet werden.
Am Beispiel der Funktionssysteme Recht und Sport. Ausgehend von einer abgrenzenden und ausführlichen Begriffsarbeit zur "Medialisierung" sollen zunächst Medialisierungstendenzen im Sport und im Recht dargestellt werden, ehe es später zu einer vergleichenden Analyse kommt, inwieweit der Bedarf an Aufmerksamkeit- und Legitimation den Grad der Medialisierung beeinflussen. Ein direkter Vergleich dieser beiden Systeme ist bisher in der Medialisierungsforschung, in der die Tendenz doch stark zur Erforschung des Funktionssystems Politik geht, noch nicht vorgekommen. Diese Arbeit kann daher als eine erste kleine Bestandsaufnahme in einem riesigen Themengebiet angesehen werden.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Definitionen und Abgrenzungen
- 2.1. Medialisierung
- 2.1.1. Funktionale Systemtheorie
- 2.1.2. Öffentlichkeit/Medien als Funktionssystem
- 2.1.3. Medienlogik und Anpassungsgründe
- 2.1.4. Einfache Medialisierung
- 2.1.5. Reflexive Medialisierung
- 2.1.6. Abgrenzung des Medialisierungsbegriffs
- 3. Vergleich einzelner Teilsysteme
- 3.1. Sport
- 3.1.1. Medialisierung des Sports
- 3.1.2. Aufmerksamkeitsbedarf im Sport
- 3.2. Recht
- 3.2.1. Medialisierung des Rechts
- 3.2.2. Legitimationsbedarf im Recht
- 3.3. Vergleich der beiden Teilsysteme
- 4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss von Medialisierung auf verschiedene gesellschaftliche Teilsysteme, insbesondere im Hinblick auf den Bedarf an Aufmerksamkeit und Legitimation. Sie untersucht, wie sich Medialisierungstendenzen in den Teilsystemen Sport und Recht manifestieren und inwieweit diese durch den jeweiligen Bedarf an Aufmerksamkeit und Legitimation beeinflusst werden.
- Medialisierung in der funktional ausdifferenzierten Gesellschaft
- Der Einfluss von Medien auf die Selbstbeobachtung und -steuerung von Teilsystemen
- Der Zusammenhang zwischen Medialisierung, Aufmerksamkeit und Legitimation
- Vergleichende Analyse der Medialisierungstendenzen in Sport und Recht
- Entwicklung eines umfassenderen Verständnisses des Medialisierungsbegriffs
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einleitung, die den Forschungsgegenstand und die Forschungsfrage einführt. Anschließend werden in Kapitel 2 zentrale Begriffe wie Medialisierung, Funktionale Systemtheorie und Medienlogik definiert und voneinander abgegrenzt. Kapitel 3 beschäftigt sich mit der Analyse der Medialisierungstendenzen im Sport und im Recht sowie mit dem jeweiligen Bedarf an Aufmerksamkeit und Legitimation in diesen Teilsystemen. In Kapitel 4 werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst und ein Ausblick auf zukünftige Forschungsarbeiten gegeben.
Schlüsselwörter
Medialisierung, Funktionale Systemtheorie, Aufmerksamkeit, Legitimation, Sport, Recht, Medienlogik, Teilsysteme, Gesellschaft, Selbstbeobachtung, Medienpräsenz, Anpassungserscheinungen.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Medialisierung?
Es beschreibt den Prozess, bei dem gesellschaftliche Teilsysteme (wie Sport oder Recht) sich zunehmend an der Logik der Massenmedien orientieren, um Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Wie unterscheidet sich die Medialisierung im Sport vom Recht?
Der Sport ist stark auf mediale Aufmerksamkeit angewiesen (Sponsoring, Fans), während das Rechtssystem eher einen Legitimationsbedarf hat und seine Unabhängigkeit bewahren muss.
Was ist „Medienlogik“?
Medienlogik umfasst die Regeln der Aufmerksamkeitserzeugung, wie Personalisierung, Dramatisierung und Aktualität, an die sich andere Systeme anpassen.
Was versteht man unter reflexiver Medialisierung?
Es bedeutet, dass ein System die Medienwirkung bereits in sein eigenes Handeln einplant und proaktiv steuert, statt nur passiv auf Medienanfragen zu reagieren.
Kann das Rechtssystem zu viel Medialisierung vertragen?
Die Arbeit hinterfragt kritisch, ob eine zu starke Anpassung an Medien (z.B. Show-Prozesse) die sachliche Legitimation und Neutralität der Justiz gefährden könnte.
- Arbeit zitieren
- Philipp Durillo Quiros (Autor:in), 2016, Medialisierung in Sport und Recht. Der Zusammenhang mit Aufmerksamkeits- und Legitimationsbedarf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490568