Von der Spätantike an bis ins 11. Jahrhundert können Juden in Köln zwar nicht eindeutig nachgewiesen werden, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass durch lange Zeiträume, womöglich auch durchgehend, Juden dort wohnten. Es steht fest, dass Köln eine der ältesten Judengemeinden Deutschlands, ja zumindest die am frühesten quellenmäßig sicher belegte Niederlassung der Juden, aufweist. Die Beziehung zwischen den Christen und Juden war in der Spätantike von relativer Koexistenz und Anfang des Mittelalters von einem leichten Auf und Ab geprägt. Dies änderte sich jedoch zum Ende des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts, als zuerst kleinere und schließlich größere religiöse Verfolgungswellen die jüdischen Gemeinden heimsuchten. Diese Entwicklung spitzte sich in den Verfolgungen zur Zeit des „Schwarzen Todes“ in den Jahren 1348 bis 1350 zu. 1372 wurden schließlich erneut Juden in Köln aufgenommen; allerdings nur für eine kurze Zeit: 1424 verlängerte Köln die Aufenthaltsrechte der Judengemeinde nicht weiter, was eine Ausweisung der Juden zur Folge hatte.
Das Besondere am Beispiel Kölns ist, dass zwei zeitgenössische Quellen überliefert sind, die besonders aufschlussreich in Hinblick auf das Verhältnis der Kölner Erzbischöfe und des Stadtrates zur Judengemeinde im Mittelalter sind. Das ist zum einen eine Klageschrift von 1424, mit der sich die Stadt Köln an die Päpstliche Kurie richtete, um die Judenpolitik des Erzbischofs Dietrich von Moers zu beklagen und zum anderen ein Rechtfertigungsschreiben von 1431, in dem die Stadt die Ausweisung der Juden vor dem römisch-deutschen König und späteren Kaiser Sigismund rechtfertigte.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das Verhältnis der Kölner Erzbischöfe und des Stadtrates zur Judengemeinde im Mittelalter
- Die Bedeutung Kölns für die Juden
- Die Bedeutung des Kölner Erzbischofs für seine Stadt
- Das Verhältnis der Kölner Erzbischöfe zur Judengemeinde im Mittelalter
- Die Rolle der Erzbischöfe vor und während des 1. Kreuzpogroms
- Das Verhältnis der Erzbischöfe zur Judengemeinde 1096-1152
- Das Verhältnis des Erzbischofs Philipp zur Judengemeinde
- Das Verhältnis des Erzbischofs Konrad zur Judengemeinde
- Der Erzbischof in Konkurrenz mit der Stadt bis 1288
- Der Erzbischof in Konkurrenz mit der Stadt nach 1288
- Die Entwicklung der sozialen und wirtschaftlichen Stellung der Juden im 14. Jahrhundert
- Die Pest und ihre Auswirkungen auf das Verhältnis der Stadt zur Judengemeinde
- Die Wiederaufnahme der Juden in Köln
- Die Einschränkungen der Kölner Judengemeinde
- Die Auseinandersetzungen zwischen Stadtrat und Erzbischof
- Die Vertreibung der Juden von 1424 und die Motive
- Klage der Stadt Köln gegen den Erzbischof 1424
- Das Rechtfertigungsschreiben vor König Sigismund 1431
- Schlussbemerkung
- Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des Verhältnisses zwischen den Kölner Erzbischöfen und dem Stadtrat zur Judengemeinde im Mittelalter. Sie untersucht, wie die beiden Instanzen die Rolle des Schutzes und der Besteuerung der Juden einnahmen und wie ihre Konkurrenz und Konflikte die Stellung der jüdischen Gemeinde beeinflussten.
- Die Bedeutung Kölns als eines der ältesten Zentren jüdischen Lebens in Deutschland
- Die Rolle des Erzbischofs als Schutzherr und Steuerer der Juden
- Die wachsende Bedeutung des Stadtrates als Schutzmacht für die Judengemeinde
- Die Auswirkungen von Pogromen und Verfolgungen auf das Verhältnis zwischen Stadt, Erzbischof und Juden
- Die soziale und wirtschaftliche Stellung der Juden in Köln im Mittelalter
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet die lange Geschichte der Kölner Judengemeinde und die Bedeutung der beiden zeitgenössischen Quellen, die für diese Arbeit besonders aufschlussreich sind: eine Klageschrift der Stadt Köln von 1424 und ein Rechtfertigungsschreiben von 1431.
Die Kapitel I bis VI behandeln die Bedeutung Kölns für die Juden, die Rolle des Erzbischofs und die Entwicklung des Verhältnisses der Kölner Erzbischöfe zur Judengemeinde im Mittelalter. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Einfluss des Erzbischofs während des ersten Kreuzzuges und der zunehmenden Rolle des Stadtrates im Schutz der Juden.
Die Kapitel VII bis XI beschäftigen sich mit der sozialen und wirtschaftlichen Stellung der Juden im 14. Jahrhundert, den Auswirkungen der Pest auf das Verhältnis von Stadt und Judengemeinde, der Wiederaufnahme der Juden in Köln, sowie mit Einschränkungen und Auseinandersetzungen zwischen Stadtrat und Erzbischof.
Schlüsselwörter
Diese Arbeit fokussiert auf die Themen Kölner Judengemeinde, Erzbischöfe, Stadtrat, Mittelalter, Schutzverhältnis, Steuerrecht, soziale und wirtschaftliche Stellung, Pogrome, Verfolgung, Ausweisung.
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- Anonym (Author), 2018, Das Verhältnis der Kölner Erzbischöfe und des Stadtrates zur Judengemeinde im Mittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/489450