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Hurenstigma. Die politische und gesetzliche Regulierung von Sexarbeit und die Rolle der Sozialen Arbeit

Titel: Hurenstigma. Die politische und gesetzliche Regulierung von Sexarbeit und die Rolle der Sozialen Arbeit

Bachelorarbeit , 2019 , 114 Seiten

Autor:in: Alisia Huber (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In welchem Zusammenhang steht das Prostituiertenschutzgesetz mit der Stigmatisierung von Sexarbeiterinnen?

Über den Umgang mit Prostitution und der Vertretbarkeit des Berufes wird in der Öffentlichkeit heftig diskutiert und es gibt verschiedene Positionen zur Thematik die unvereinbar miteinander scheinen. Während einige die Thematik Sexarbeit im Kontext der „Care-Arbeit“, also einer fürsorgenden Tätigkeit, als Ausdruck des sich Kümmerns betrachten, nehmen wieder andere eine gänzlich konträre Position ein. Ein bekanntes deutsches Beispiel ist Alice Schwarzer, die Sexarbeit in den Kontext des Patriarchats, von Zwangsverhältnissen und der Unterdrückung von Frauen stellt. Sie erklärt, dass 90 Prozent der Personen in der Tätigkeit sich nicht freiwillig dort befinden und eigentlich aussteigen wollen. Durch die in der Gesellschaft stark gespaltenen Meinungen zum Thema Prostitution, gestaltet sich eine nähere Betrachtung dieser Thematik besonders interessant.

Ein so konträr betrachtetes Feld wie das der Sexarbeit, das mit vielen vorgefassten Urteilen und stereotypischen Betrachtungsweisen auf individueller oder auch auf gesellschaftlicher Ebene einhergeht begünstigt es, dass diese Thematik dabei einseitig betrachtet wird. Wie beispielsweise unter dem Gesichtspunkt des Menschenhandels, der Zwangsprostitution aber auch im Kontext von sexueller Selbstbestimmung. Zu einer Meinungsbildung müssen dabei keine direkten Erfahrungen gemacht oder die Sicht von Betroffenen gehört werden. Dies kann die Gefahr bergen, Pauschalisierungen anzustellen und diese auf Personen oder alle Frauen in der Sexarbeit anzuwenden. Gerade im Bereich der Politik kann dies zu verallgemeinernden Regelungen führen.

Gerade deshalb gestaltet es sich interessant, dieses noch junge Prostituiertenschutzgesetz tiefergehend und mithilfe theoretischer Ansätze zur Stigmatisierung zu betrachten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Gebiet der Sexarbeit

2.1 Über die Begriffe Prostitution und Sexarbeit

2.2 Ein historischer Überblick

3. Politik, Moral und Gesetzgebung

3.1 Wertevorstellungen und Traditionslinien

3.2 Regulierungsmodelle

3.3 Der Werdegang der Prostitutionspolitik

3.4 Das ProstSchG 2017 und seine Bestimmungen

3.5 Kritische Stimmen

4. Stigma und Stigmatisierung

4.1 Theoretische Ansätze

4.2 Prozess der Stigmatisierung

4.3 Funktionen von Stigmatisierung

4.4 Folgen aus der Stigmatisierung

4.5 Möglichkeiten von Stigma-Management

5. Das Hurenstigma

6. Die Regulierung der Sexarbeit und mögliche Verbindungen zur Stigmatisierung

6.1 Analyse der persönlichen Anmeldepflicht und Anmeldebescheinigung

6.1.1 Das Bild der Sexarbeiterin als hilfloses Opfer

6.1.2 Die Anmeldepflicht und die diskreditierbare Sexarbeiterin

6.1.3 Kritik am Zwang zur Anmeldung und dem „Hurenausweis“

6.2 Analyse der verpflichtenden gesundheitlichen Beratung und der Kondompflicht

6.2.1 Die Sexarbeiterin als Gefahrenquelle

6.2.2 Die virtuale soziale Identität von Sexarbeiterinnen

6.2.3 Die Kondompflicht und der Aspekt der Diskriminierung

6.3 Weitere Bestimmungen und Abschließende Betrachtung

7. Soziale Arbeit im Feld der Sexarbeit

7.1 Die Rolle der Sozialen Arbeit in Zusammenspiel mit der Politik

7.2 Die professionelle Sozialarbeit als „Normalisierungsarbeit“

8. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Bachelorthesis untersucht den Zusammenhang zwischen der gesetzlichen Regulierung von Sexarbeit durch das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) und der gesellschaftlichen Stigmatisierung von Sexarbeiterinnen. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, inwiefern das Gesetz die Stigmatisierungsprozesse beeinflusst oder verstärkt, und welche Rolle die Soziale Arbeit in diesem Spannungsfeld einnimmt.

  • Stigmatisierungstheorien und das „Hurenstigma“
  • Prostitutionspolitik in Deutschland und Regulierungsmodelle
  • Kritische Analyse des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG)
  • Soziale Arbeit im Kontext von Sexarbeit und Stigma-Management
  • Analyse der Anmeldepflicht, Kondompflicht und gesundheitlichen Beratung

Auszug aus dem Buch

2.2 Ein historischer Überblick

Nach der amerikanischen Philosophin Martha Nussbaum kann Prostitution nur dann wirklich gut verstanden werden, wenn sie im Kontext ihrer geschichtlichen und sozialen Gegebenheiten betrachtet wird (vgl. NUSSBAUM 1998, S. 700). Daher soll ein grober historischer Grundriss der Prostitution zum besseren Verständnis der vorliegenden Arbeit dienen. Dies kann hilfreich sein, den Beruf der Sexarbeit sowie dessen Bedingungen in der heutigen Gesellschaft besser zu verstehen. Ein Rückblick in die Geschichte zeigt schnell, dass die Tätigkeit überaus ambivalent betrachtet und daher auch verschieden damit umgegangen wurde. Sexarbeiterinnen nahmen dabei grundverschiedene Positionen ein. Sie wurden beispielsweise als Göttinnen, Opfergaben, Priesterinnen, aber auch als Kriminelle oder gesundheitsgefährdende Frauen behandelt. (vgl. BÜSCHI 2011, S. 37–38) Die kommerzielle Prostitution scheint in verschiedenen Kulturkreisen bereits sehr früh aufgetreten zu sein und dort eine Rolle gespielt zu haben (vgl. BORELLI/STARCK 1957, S. 4–5). Dies mag erklären, weshalb Prostitution häufig als das „älteste Gewerbe der Welt“ betitelt wird, womit die Tätigkeit als schon immerwährende Konstante in der Geschichte der Menschheit gewertet wird (vgl. KRAFFT 1996, S. 9–10). Anthropologen, sowie Geologen legen heute jedoch zahlreiche Belege vor, welche die These ausschließen, Prostitution hätte es schon immer gegeben und es sei ein unumgängliches gesellschaftliches Phänomen. Denn in den früheren Hochkulturen Chinas, des Indu-Deltas oder Ägypten lassen sich rund 2.000 Jahre vor der heutigen Zeitrechnung, Berufe wie die des Priesters oder des Beamten ausmachen, Prostitution hingegen lässt sich in diesen Zivilisationen zu diesem Zeitpunkt nicht nachweisen. (vgl. RINGDAL 2006, S. 21)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Sexarbeit, Vorstellung der Motivation der Verfasserin sowie Definition der Forschungsfrage.

2. Das Gebiet der Sexarbeit: Begriffsdefinitionen von Prostitution und Sexarbeit sowie ein historischer Abriss der Entwicklung der Prostitution.

3. Politik, Moral und Gesetzgebung: Untersuchung der moralpolitischen Hintergründe, verschiedener Regulierungsmodelle und der Prostitutionspolitik in Deutschland bis zum ProstSchG.

4. Stigma und Stigmatisierung: Theoretische Grundlagen zur Stigmatisierung, basierend auf den Modellen von Goffman sowie Link und Phelan.

5. Das Hurenstigma: Anwendung der Stigmatisierungstheorien auf das spezifische Phänomen des Hurenstigmas.

6. Die Regulierung der Sexarbeit und mögliche Verbindungen zur Stigmatisierung: Detaillierte Analyse der Bestimmungen des ProstSchG (Anmeldepflicht, Beratung, Kondompflicht) hinsichtlich ihrer stigmatisierenden Wirkung.

7. Soziale Arbeit im Feld der Sexarbeit: Erörterung der Rolle der Sozialen Arbeit zwischen staatlichem Auftrag und Parteilichkeit sowie deren Funktion als „Normalisierungsarbeit“.

8. Fazit: Zusammenführende Antwort auf die Forschungsfrage und Reflexion der Ergebnisse.

Schlüsselwörter

Sexarbeit, Prostitution, Prostituiertenschutzgesetz, ProstSchG, Stigmatisierung, Hurenstigma, Stigma-Management, Soziale Arbeit, Diskriminierung, Regulierungsmodelle, Gender, Anmeldepflicht, Kondompflicht, Gesundheitspolitik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen der staatlichen Regulierung der Sexarbeit durch das deutsche Prostituiertenschutzgesetz und der Stigmatisierung von Sexarbeiterinnen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Prostitution, die soziologische Stigmatisierungstheorie und die politische Umsetzung gesetzlicher Regulierungsmodelle in Deutschland.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, in welchem Zusammenhang das Prostituiertenschutzgesetz mit der Stigmatisierung von Sexarbeiterinnen steht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die theoretische Ansätze zur Stigmatisierung (Goffman, Link/Phelan) auf das aktuelle deutsche Gesetz anwendet und kritisch bewertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Stigma-Begriffs und die anschließende empirisch fundierte Kritik an den spezifischen Regelungen des ProstSchG wie der Anmeldepflicht und der gesundheitlichen Beratung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Sexarbeit, Stigmatisierung, Hurenstigma, ProstSchG, Anmeldepflicht und Soziale Arbeit.

Wie bewertet die Verfasserin das ProstSchG?

Die Autorin kritisiert das Gesetz als potenziell stigmatisierend, da es Sexarbeit von anderen Berufen abgrenzt, stereotype Bilder von hilfsbedürftigen Frauen reproduziert und das Stigma-Management der Betroffenen erschwert.

Welche Rolle nimmt die Soziale Arbeit nach Meinung der Autorin ein?

Die Soziale Arbeit wird als „Normalisierungsarbeit“ analysiert, die einerseits Hilfen anbietet, sich aber andererseits in einem Spannungsfeld zwischen staatlichem Auftrag zur Ordnung und der solidarischen Parteilichkeit für die Adressatinnen befindet.

Ende der Leseprobe aus 114 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Hurenstigma. Die politische und gesetzliche Regulierung von Sexarbeit und die Rolle der Sozialen Arbeit
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, Horb, früher Berufsakademie Stuttgart; Horb
Autor
Alisia Huber (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
114
Katalognummer
V488749
ISBN (eBook)
9783668957824
ISBN (Buch)
9783668957831
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hurenstigma regulierung sexarbeit rolle sozialen arbeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Alisia Huber (Autor:in), 2019, Hurenstigma. Die politische und gesetzliche Regulierung von Sexarbeit und die Rolle der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/488749
Blick ins Buch
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