Hier wird die Belebung eines Gegenstandes unter phantastischen Umständen analysiert, ein Kunstobjekt mit dem Bildnis einer wunderschönen und begehrenswerten Frau. Sowohl im Pygmalionmythos von Ovid als auch in Isabelle von Claude Seignolle geht es um eine Liebesgeschichte von einem Mann und einer künstlichen Frau. Aber beide Texte fassen die künstliche Frau sehr unterschiedlich auf.
In dieser Arbeit werde ich somit erläutern, was eine künstliche Frau ist und wie die beiden Geschichten den Aspekt der künstlichen Frau nutzen und umsetzen. Dabei werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede abgegrenzt und gedeutet. Dadurch wird auch der Schwerpunkt des Aufsatzes aufgedeckt werden und zwar um was für eine Art von Liebesbeziehung es sich zwischen den Figuren handelt und wie diese endet.
Ich untersuche eine Übersetzung des lateinischen Pygmalionmythos von Ovidius Naso Publius namens Geliebtes Bild, die 2004 übersetzt und herausgegeben wurde von Gerhard Fink. Im Vergleich dazu wird die 1989 herausgegebene Version der Geschichte Isabelle von Claude Seignolle untersucht, die das Motiv des Pygmalionmythos aufgreift und verändert. Beide Erzählungen haben auf den ersten Blick viele Gemeinsamkeiten, doch nach genauerer Untersuchung haben die Unterschiede und deren Folgen überwogen. Darum möchte ich meinen Schwerpunkt auf die Differenzen der beiden Texte legen und untersuchen inwieweit sich diese auf die Auffassung der künstlichen Frau sowie ihrer Beziehung zu ihrem Partner auswirken. Schlussendlich werde ich noch den Punkt der Namensgebung in beiden Geschichten erläutern.
Inhaltsverzeichnis
- Emotionale Stellung gegenüber materiellen Objekten
- Die Definition der künstlichen Frau
- Das Motiv der künstlichen Frau im Pygmalionmythos sowie in Isabelle
- Übereinstimmungen im Pygmalionmythos mit Isabelle
- Das Verlieben in die Frauenfigur als Abbild vor ihrer Erweckung
- Unterschiede der beiden Erzählungen
- Die Liebesbeziehung nach der Belebung
- Die Herstellung im Gegensatz zum Erwerben
- Die Liebe zu den Frauen bei Isabelle im Gegensatz zum Hass gegenüber den Frauen in Geliebtes Bild
- Das Erwachen der Kunstarbeit und dessen Folgen
- Namensgebung
- Übereinstimmungen im Pygmalionmythos mit Isabelle
- Auffassung der künstlichen Frau in beiden Werken
- Die Erfüllung der Träume im Pygmalionmythos
- Die Selbstzerstörung bis zum Tod in Isabelle
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieser Aufsatz befasst sich mit dem Motiv der künstlichen Frau in zwei unterschiedlichen Erzählungen: dem Pygmalionmythos von Ovid und Isabelle von Claude Seignolle. Er analysiert die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung der künstlichen Frau in beiden Werken und beleuchtet insbesondere die Art der Liebesbeziehung zwischen den Figuren und deren Ende.
- Definition und Charakterisierung der künstlichen Frau
- Vergleich der Darstellung der künstlichen Frau in Pygmalion und Isabelle
- Analyse der Liebesbeziehungen in beiden Erzählungen
- Untersuchung der Folgen des Erwachens der künstlichen Frau
- Bedeutung der Namensgebung in den beiden Werken
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel thematisiert die emotionale Beziehung des Menschen zu materiellen Objekten und die Bedeutung, die diese für ihn haben können. Im zweiten Kapitel wird der Begriff der künstlichen Frau definiert und von anderen Begriffen wie Homunkulus und Automat abgegrenzt. Kapitel drei widmet sich der Analyse des Motivs der künstlichen Frau im Pygmalionmythos und in Isabelle. Es werden sowohl Übereinstimmungen als auch Unterschiede in der Darstellung der künstlichen Frau in beiden Werken untersucht. Dabei wird insbesondere die Liebesbeziehung zwischen den Figuren, ihre Entwicklung und ihr Ende beleuchtet. Kapitel vier behandelt die Auffassung der künstlichen Frau in beiden Werken und beleuchtet die unterschiedlichen Folgen ihrer Existenz für Pygmalion und Isabelle.
Schlüsselwörter
Künstliche Frau, Pygmalionmythos, Isabelle, Liebesbeziehung, Kunstobjekt, Automat, Homunkulus, Belebung, Lebenshauch, Erschaffung, Seele, Namensgebung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Motiv der "künstlichen Frau" in der Literatur?
Es beschreibt die Erschaffung oder Belebung einer Frauenfigur durch einen Mann, oft als Ausdruck von Sehnsucht, Perfektionswahn oder zur Umgehung realer menschlicher Beziehungen.
Wie unterscheidet sich Ovids Pygmalionmythos von Seignolles "Isabelle"?
Bei Ovid führt die Liebe zur Erfüllung und zum Glück, während Seignolles Werk die dunklen, phantastischen Seiten betont und in Selbstzerstörung und Tod endet.
Was ist der Unterschied zwischen einem Automaten und einer künstlichen Frau?
Ein Automat ist ein rein technisches Gerät. Die künstliche Frau in der Literatur besitzt oft eine Seele oder einen "Lebenshauch", der durch übernatürliche oder phantastische Umstände entsteht.
Welche Rolle spielt die Namensgebung in diesen Erzählungen?
Die Arbeit analysiert, wie Namen die Identität der künstlichen Wesen prägen und welche symbolische Bedeutung sie für die Beziehung zu ihrem Schöpfer haben.
Wie endet die Liebesbeziehung in "Geliebtes Bild"?
In der klassischen Pygmalion-Erzählung wird die Statue durch die Göttin Venus lebendig, und das Paar lebt glücklich zusammen – eine Erfüllung männlicher Träume.
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- Lea Jell (Author), 2018, Das Motiv der künstlichen Frau im Pygmalionmythos sowie in "Isabelle", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461254