"Soziologie .., Wissenschaft, die sich mit dem Ursprung, der Entwicklung u. der Struktur der menschlichen Gesellschaft befaßt."
So die verkürzte Lexikondefinition des Begriffs Soziologie. Erweiterungen dieser Definition sind möglich, oder -richtiger- notwendig! So ließe sich etwa eine Differenzierung nach Institutionssoziologie (also z.B. Religionssoziologie, Familiensoziologie, etc.), nach sozialen Problemfeldern (wie Kriminalsoziologie, Minoritätenfragen, usw.) und nach der Größenordnung der untersuchten Einheiten treffen (Mikro-, "mittlere Ebenen"- und Makrosoziologie).
Was haben die Begriffe "Wissen" und "Vorurteile" mit dieser Wissenschaft, der Soziologie, zu tun? Ist es -bei näherer Betrachtung- möglich die entsprechenden Bezüge isoliert zu betrachten, oder müssen hier nicht benachbarte Wissenschaften (wie die Philosophie, Psychologie und Pädagogik, aber auch der Konstruktivismus) herangezogen werden, um zu einem annähernd befriedigenden Ergebnis zu kommen?
Diese und angrenzende Fragen sollen im Weiteren näher untersucht werden.
Anhand zunächst getroffener Definitionen der jeweiligen Begriffe sollen relevante Bezüge dargestellt werden, wobei sich an das "In - Bezug - setzen" von "Wissen/Vorurteilen" zur Soziologie eine Erweiterung dieses Vorgehens auf die erwähnten Nachbarwissenschaften anschließt. Abschließend wird versucht, die hierbei gewonnenen Erkenntnisse wiederum in Bezug zueinander zu setzen.
Natürlich ist es Im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich umfassend vorzugehen. Einzelne Elemente werden herausgegriffen, womit ein gewisser Überblick über die Ansätze geschaffen werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wissen und Vorurteile: Bezüge zur Soziologie
3. Philosophie
3.1 Definitionen.
3.2 Spezielle Beiträge (Platon,Descartes,Kant,Schopenhauer)
4. Psychologie
4.1 Definitionen.
4.2 Spezielle Beiträge (Wahrnehmungsstörungen/-abwehr,Einstellungen)
5. Pädagogik
5.1 Definitionen
5.2 Spezielle Beiträge (Gesellschaft,Praxisbeispiele)
6. EXKURS: Konstruktivismus
6.1 Definitionen
6.2 Spezielle Beiträge (Rogers, Watzlawick)
7. Bezüge zur Soziologie/Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Begriffe "Wissen" und "Vorurteile" für die Soziologie. Dabei wird erforscht, inwieweit Erkenntnisse aus benachbarten Disziplinen notwendig sind, um Störfaktoren in der menschlichen Wahrnehmungsbildung und Interpretation zu verstehen, die soziologisches Forschen und Handeln beeinflussen.
- Kritische Analyse von Wissensbildung und Vorurteilen aus soziologischer Sicht.
- Interdisziplinäre Untersuchung der Beiträge von Philosophie, Psychologie und Pädagogik.
- Untersuchung der Rolle von Wahrnehmungsprozessen und Störfaktoren (z.B. "Wahrnehmungsabwehr").
- Exploration konstruktivistischer Ansätze hinsichtlich der sozialen Konstruktion von Wirklichkeit.
- Reflektion über die Notwendigkeit kritischer Selbsthinterfragung in der wissenschaftlichen Praxis.
Auszug aus dem Buch
3.2 Spezielle Beiträge
Was ist die Wirklichkeit, gibt es sie überhaupt in dem Sinne wie Menschen sie verstehen und -wenn ja- können wir sie überhaupt wahrnehmen, so wie sie ist? Diese und ähnliche Fragen sind wichtige Elemente vieler philosophischer Schulen und Systeme.
Der Bezug zur Fragestellung dieser Arbeit ist evident: Die Wichtigkeit einer hinreichenden Definition von Wirklichkeit und eventueller Störfaktoren der Wahrnehmung dieser Wirklichkeit wurde weiter oben schon ausgeführt.
Als Beispiel für möglicherweise relevante Überlegungen hierzu soll zunächst der griechische Philosoph Platon (ca. 428 - 348 v.Chr.) erwähnt werden. Es findet sich folgender Hinweis:
Die Grundlage seiner Philosophie ist die Ideenlehre. Danach existieren außerhalb der sichtbaren, sinnlich erfahrbaren Welt Ideen -ewige und unveränderliche Urbilder- als eigentliche Wirklichkeit ... Alle sichtbaren Dinge sind nur unvollkommene u. vergängliche Abbilder der Ideen." (7)
In seinem bekannten "Höhlengleichnis" etwa verdeutlicht Platon anschaulich, welche Schwierigkeiten mit der Definition von Wirklichkeit verbunden sein können, dies insbesondere in Bezug zum jeweiligen sozialen Umfeld: Menschen von Geburt an nur mit einer reduzierten Wahrnehmung der Wirklichkeit konfrontiert, hätten sehr große Probleme die tatsächliche Realität (oder zumindest eine andere Sicht der Realität) wahrzunehmen. Verwirrtheit, "Schmerzen" und ähnliches wären zunächst die Folge. Gelänge jedoch die Adaption und kehrte der jeweilige Mensch in seinen alten sozialen Kontext zurück, manifestiere sich dasselbe Phänomen wie beim ersten Übergang: wieder sind Verwirrtheit, Desorientierung, usf. die Folge.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Soziologie und die Relevanz der Begriffe Wissen und Vorurteile für diese Wissenschaft.
2. Wissen und Vorurteile: Bezüge zur Soziologie: Klärung der Grundbegriffe und Darstellung, wie der "Faktor Mensch" als Untersuchungsgegenstand die Objektivität der Soziologie herausfordert.
3. Philosophie: Untersuchung philosophischer Ansätze zur Wirklichkeitswahrnehmung durch Denker wie Platon, Descartes, Kant und Schopenhauer.
4. Psychologie: Analyse psychologischer Aspekte der Wahrnehmung, insbesondere von Störfaktoren wie der Wahrnehmungsabwehr und dem Einfluss von Einstellungen.
5. Pädagogik: Betrachtung der Erziehungswissenschaft im Hinblick auf Beurteilungsfehler bei der Einschätzung von Zöglingen durch gesellschaftliche und kulturelle Einflüsse.
6. EXKURS: Konstruktivismus: Erörterung der konstruktivistischen Sichtweise, nach der Wirklichkeit als Ergebnis von Kommunikation und subjektiver Interpretation entsteht.
7. Bezüge zur Soziologie/Zusammenfassung: Fazit über die Notwendigkeit interdisziplinärer Ansätze und kritischer Selbstreflexion für soziologisches Arbeiten.
Schlüsselwörter
Soziologie, Wissen, Vorurteile, Wirklichkeit, Wahrnehmung, Philosophie, Psychologie, Pädagogik, Konstruktivismus, Wahrnehmungsabwehr, Kommunikation, Interdisziplinarität, Urteilsbildung, Kognition, Sozialwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen dem soziologischen Verständnis von "Wissen" und "Vorurteilen" und den Erkenntnissen benachbarter Disziplinen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Philosophie (Wirklichkeitsbegriff), der Psychologie (Wahrnehmungsstörungen), der Pädagogik (Einflussfaktoren in der Erziehung) und dem Konstruktivismus (soziale Konstruktion von Realität).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum Soziologen für ein objektives Forschen den Blick über den Tellerrand wagen und Einflüsse auf die eigene Wahrnehmung kritisch hinterfragen müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Literaturanalyse, um die Bedeutung von Wissensbildung und Vorurteilen in der Soziologie anhand von Theorien und Beispielen aus anderen Wissenschaften zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden nacheinander Philosophie, Psychologie, Pädagogik und Konstruktivismus hinsichtlich ihrer Relevanz für den soziologischen Erkenntnisprozess analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Soziologie, Wahrnehmung, Wissensbildung, Vorurteile, Konstruktivismus und interdisziplinäre Perspektiven.
Welche Rolle spielen die "speziellen Beiträge" in den Kapiteln?
Diese Abschnitte dienen dazu, die theoretischen Definitionen durch konkrete Beispiele – wie das Höhlengleichnis, Experimente zur Wahrnehmung oder den "Halo-Effekt" – zu verdeutlichen und auf die Praxis zu beziehen.
Warum wird der Konstruktivismus als Exkurs behandelt?
Er fungiert als moderner wissenschaftlicher Ansatz, der den Kreis zurück zur philosophischen Frage der subjektiven Wirklichkeitskonstruktion schließt und zeigt, dass Wissen stark von der Kommunikation abhängt.
- Quote paper
- Burkhard Tomm-Bub (Author), 1993, Wissen und Vorurteile - Soziologische Aspekte und Bezüge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45453