Friedrich Nietzsche und der Faschismus - dieses Verhältnis wirft zahlreiche Fragen auf. Nicht nur bietet sein philosophisches Gesamtwerk in dieser Hinsicht viele widersprüchliche, zweideutige und unklare Aussagen, die zu vielen Spekulationen führten, sondern auch die gezielte einseitige Benützung und Verfremdung der Lehre Nietzsches durch seine Zeitgenossen und spätere Generationen erzeugten Missverständnisse und eine gewisse Abscheu vor der Philosophie Nietzsches. Zusätzlich entstehen durch die unsystematische Vorgehensweise Nietzsches bei der Entwicklung seiner Philosophie, in welcher er zahlreiche Fachbereiche lose in seinen einzelnen Werken verquickt, leicht Missverständnisse, da Nietzsche für verschiedene Vorgänge verschiedene Sichtweisen über dieselben Protagonisten entwickelt.
Die Arbeit gliedert sich neben der Einleitung und Zusammenfassung in zwei Kapitel und konzentriert sich auf die politische Philosophie und deren Verwendung für den Faschismus. Zu Beginn des ersten Kapitels werden die Beziehungen von den Faschistenführern Mussolini und Hitler, auch Rosenberg zu Nietzsche, seinen Werken, seiner Schwester und dem Nietzsche-Archiv erläutert. In diesem Kapitel werden noch die Verbreitung und Funktionen des Nietzscheanismus im Dritten Reich geschildert und mit uneinheitlicher Rezeption Nietzsches im Italo- und Germanofaschismus auseinandergesetzt.
Zweites Kapitel beschäftigt sich mit den Analogien und Unterschiede zwischen Nietzsche und Faschismus hinsichtlich der Kriegsforderung und politischer Rassenontologie. Um dabei sachlich zu bleiben, wähle ich hauptsächlich Taurecks Buch „Nietzsche und Der Faschismus“.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kapitel 1
1.1 Die Beziehung der Faschistenführer zu Nietzsche
1.2 Die Verbreitung und Funktionen des Nietzscheanismus
1.3 Nietzsche-Rezeptionen im Italo- und Germanofaschismus
Kapitel 2
2. Analogien und Unterschiede zwischen Nietzsche und Faschismus
2.1 Krieg
2.2 Politische Rassenontologie
Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe und widersprüchliche Verhältnis zwischen der Philosophie Friedrich Nietzsches und der faschistischen Ideologie im Italien und Deutschland des 20. Jahrhunderts, mit dem Ziel zu klären, inwiefern Nietzsche als Wegbereiter des Faschismus gelten kann oder ob seine Lehren gezielt instrumentalisiert wurden.
- Die Beziehung prominenter Faschistenführer wie Mussolini und Hitler zu Nietzsche und dem Nietzsche-Archiv.
- Die instrumentelle Verbreitung und propagandistische Funktion des sogenannten "Nietzscheanismus" im Dritten Reich.
- Die Analyse von Analogien und inhaltlichen Differenzen, insbesondere in Bezug auf die Themen Krieg und politische Rassenontologie.
- Die Untersuchung der gezielten selektiven Rezeption und Verfremdung nietzscheanischer Texte durch faschistische Akteure.
Auszug aus dem Buch
1.1 Die Beziehung der Faschistenführer zu Nietzsche
Der erste präfaschistische Zugriff auf Nietzsche stammte nicht aus Italien oder Deutschland, sondern aus den Vereinigten Staaten. Nietzsche wurde hier bereits 1904 in einer Bemerkung des amerikanischen Psychologen G. Stanlay Hall in den Dienst einer nachträglichen Rechtfertigung eines Völkermordes an den Indianern gestellt.
Noch vor den faschistischen Entdeckung Nietzsches für die Welt gab es offenbar in der Folge des ersten Weltkrieges eine „Weltmeinung“ über Nietzsche als Kriegsmitschuldige. Von Anfang an hielten manche Autoren die Affinitäten zwischen Nietzsche und dem Faschismus für offenkundig (oder zumindest nachvollziehbar), während andere schon die Andeutung eines Zusammenhangs zwischen beiden beängstigend fanden. Ein Autor in der Schweiz schrieb, dass Friedrich Nietzsche als ideologischer Begründer und als Pionier des Faschismus gilt.
Kurt Tucholsky gab 1932 dem Weimarer Nietzsche-Archiv wegen Verfälschungen die Schuld in dieser Einschätzung: „Das Archiv und seine Leute sind schuld daran, dass die Weltmeinung Nietzsche für einen deutschen Kriegsanstifter gehalten hat, zu welcher Auslegung allerdings die Verschwommenheit seiner Diktion beigetragen hat.“
Wie Harry Graf Kessler notierte, waren bereits 1932 alle im Nietzsche-Archiv Tätigen, von der Leitung bis zum Pförtner enthusiastische Anhänger der Nationalsozialisten. Und Henning Ottmann schreibt. „Das Nietzsche-Archiv stellte sich im 20. Jh. aber zunehmend als Beschleuniger einer rechts-konservativen Interpretationsmaschinerie dar, die mehr und mehr in faschistisches bzw. nationalsozialistisches Fahrwasser gilt.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird das widersprüchliche Verhältnis zwischen Nietzsche und dem Faschismus sowie die daraus resultierende Problematik der einseitigen Interpretation und Verfremdung seiner Lehre dargelegt.
Kapitel 1: Dieser Abschnitt beleuchtet die konkrete Beziehung von Faschistenführern zu Nietzsche, die Funktion des Nietzscheanismus im Nationalsozialismus und die Unterschiede in der Rezeption im Italo- und Germanofaschismus.
Kapitel 2: Hier werden Analogien und Unterschiede zwischen Nietzsche und dem Faschismus hinsichtlich der Themen Kriegsforderung und politischer Rassenontologie kritisch analysiert.
Zusammenfassung: Das Fazit stellt fest, dass Nietzsche kein Wegbereiter des Faschismus war, sondern dessen Ideologen seine Werke selektiv instrumentalisierten, um eigene politische Ziele zu legitimieren.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Faschismus, Nationalsozialismus, Nietzsche-Archiv, Ideologie, Krieg, Rassenontologie, Instrumentalisierung, Antisemitismus, Machtphilosophie, Übermensch, Rezeption, Mussolini, Hitler, Germanofaschismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie und warum Friedrich Nietzsche und seine philosophischen Schriften während der Ära des Faschismus in Italien und Deutschland instrumentalisiert wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Verbindungen zwischen Nietzsche und den Führern des Faschismus (Mussolini, Hitler), die propagandistische Verwendung nietzscheanischer Begriffe sowie die inhaltliche Gegenüberstellung von Nietzsches Philosophie und faschistischen Vorstellungen zu Krieg und Rasse.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Wahrheitsgehalt der Annahme zu prüfen, dass Nietzsche ein geistiger Wegbereiter des Faschismus gewesen sei, und aufzuzeigen, wie durch Textselektion und Auslassungen ein "faschistischer Nietzsche" konstruiert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer Literaturanalyse, wobei insbesondere auf die wissenschaftliche Auseinandersetzung von Taureck mit dem Thema zurückgegriffen wird, um die Argumentationsmuster der faschistischen Rezeption zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Beziehungen der NS-Führung zum Nietzsche-Archiv, die Instrumentalisierung des Nietzscheanismus sowie spezifische Analogien und Unterschiede in den Bereichen Krieg und Rassenontologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Nietzsche, Faschismus, Nationalsozialismus, Instrumentalisierung, Kriegsforderung, Rassenontologie und die kritische Distanz zum Nietzsche-Archiv.
Welche Rolle spielte das Nietzsche-Archiv bei der Instrumentalisierung?
Das Archiv agierte als Beschleuniger einer rechts-konservativen Interpretation und trug durch Verfälschungen und die aktive Förderung nationalsozialistischer Anhänger maßgeblich dazu bei, Nietzsche als Ideengeber für den Faschismus zu etablieren.
Wie unterscheidet sich die Rezeption im Italo- vom Germanofaschismus?
Während sich in Italien Akteure wie Mussolini und Evola intensiver und direkter mit Nietzsches Werk auseinandersetzten, war das Verhältnis der deutschen NS-Führer, insbesondere Hitlers, eher oberflächlich und rein äußerlich durch gestische Aneignungen geprägt.
- Arbeit zitieren
- Lailo Yarkulova (Autor:in), 2005, Friedrich Nietzsche und der Faschismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45346