In dieser Arbeit werde ich mich mit dem Thema ‚Nationalismus’ beschäftigen. Dabei stehen verschiedene Fragen im Focus meiner Arbeit: Gibt es einen Zeitpunkt, auf den der Beginn des Nationalismus festgelegt werden kann? Ist eine Unterscheidung in einen modernen bzw. nicht - modernen Nationalismus nötig und worin bestehen die Differenzen? Welche Elemente sind modern und welche sind auch im frühen enthalten? Oder sollte für den frühen Nationalismus ein anderer Begriff verwendet und gar nicht von Nationalismus gesprochen werden?
Die Überzeugungen der Historikerinnen und Historiker gehen bei diesen Problemen weit auseinander. Besondere Divergenzen bestehen zwischen den Ansichten der frühneuzeitlichen und mediävistischen Forschung und der neueren Forschung. Ich habe deshalb die Meinungen von vier Historikern herausgegriffen, die jeweils unterschiedliche Zeitpunkte für die Entstehung des Nationalismus festlegen. Ich werde versuchen, diese verschiedenen Ansichten darzustellen und am Ende zu vergleichen. Im ersten Kapitel werde ich zunächst grundlegende Schwierigkeiten der Nationalismusforschung dokumentieren (die verschiedenen inhaltlichen Definitionen des Begriffs ‚Nationalismus’, die Probleme der zeitlichen Verortung und den unterschiedlichen methodischen Zugang an dieses Thema). Im folgenden Kapitel lege ich die Thesen von Peter Alter und Dieter Langewiesche dar, die den ;modernen Nationalismus’ erst nach den großen Revolutionen entstehen sehen. Im dritten Kapitel stelle ich die Auffassungen von Wolfgang Hardtwig und Joachim Ehlers vor, die dagegen für eine frühe Datierung des Beginns von Nationalismus plädieren. Im letzten Kapitel werde ich versuchen, die divergierenden Meinungen zu vergleichen und die Vor- und Nachteile der jeweiligen Sichtweisen herauszuarbeiten. Auf viele interessante Aspekte, die mit der Geschichte des Nationalismus zusammenhängen, werde ich in dieser Arbeit nicht näher eingehen können, wie z.B. die verschiedenen Ausprägungen, die der Nationalismus alleine in Deutschland erfuhr, die Hoffnungen und Befürchtungen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit dem Nationalismus verbunden waren etc. Ebenso wenig werde ich auf die Trägerschichten des Nationalismus eingehen, sondern mich mehr mit den unterschiedlichen Thesen über die Entstehungsbedingungen und -zeitpunkte befassen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1.Probleme der Nationalismusforschung
2. Späte Datierung
3. Frühe Datierung
4. Vergleichende Analyse
III. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der zeitlichen Einordnung des Nationalismus und analysiert, ob eine klare Zäsur zwischen modernen und vormodernen Ausprägungen besteht. Ziel ist es, die divergierenden Thesen verschiedener Historiker darzustellen, kritisch zu bewerten und die notwendigen gesellschaftlichen Bedingungen für die Entstehung des modernen Nationalismus herauszuarbeiten.
- Definitionsproblematiken und methodische Zugänge der Nationalismusforschung
- Die These der späten Datierung (nach den großen Revolutionen)
- Die These der frühen Datierung (seit dem Mittelalter/der Frühen Neuzeit)
- Die Rolle von Modernisierungsdruck, Massenmobilisierung und Krisenwahrnehmung
- Kontinuitäten und Brüche in der Entwicklung des Nationalbewusstseins
Auszug aus dem Buch
1.Probleme der Nationalismusforschung
Zunächst die Frage: Was ist Nationalismus? Es stellt sich schnell heraus, dass es auf diese scheinbar einfache Frage keine (einfache) Antwort gibt. Zu verschieden sind die Definitionen, die diesen Begriff zu erklären suchen.
Zwei davon stelle ich exemplarisch vor:
„Der Nationalismus – eine Ideologie, die auf der Grundlage eines bestimmten Nationalbewusstseins den Gedanken der Nation und des Nationalstaates militant nach innen und außen vertritt. Sie sucht durch nat. Identifikation, aber auch durch Assimilation oder gewalttätige Gleichschaltung soziale Großgruppen zu einer inneren Einheit zu verbinden und gegen eine anders empfundene Umwelt abzugrenzen. In seinen vielfältigen Erscheinungsformen ist der N. an keine bestimmte Gesellschafts- oder Staatsform gebunden.. Das Bewusstsein eines Anders- und Besondersseins verbindet sich im N. oft mit einem starken Sendungsbewusstsein. Die Hochschätzung der Nation geht häufig einher mit der Geringschätzung, gar Verachtung anderer Völker oder nat. Minderheiten. Das nat. Interesse [...] wird zum alleinigen Maßstab des polit. Handelns.“
Nach Wolfgang Hardtwig ist die internationale Forschung dazu übergegangen, „unter ‚Nationalismus’ ganz neutral eine Ideologie oder besser einen Wertbezug zu verstehen, der große Gruppen zu integrieren vermag, sich auf einen bestimmten Staat, eben den nationalen Staat bezieht und seinen Mitgliedern Selbstbestimmung ermöglicht.“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob und wann der Beginn des Nationalismus festzulegen ist, und skizziert den methodischen Vergleich der Thesen von Alter, Langewiesche, Hardtwig und Ehlers.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert zunächst die begrifflichen Probleme, stellt dann die Thesen zur späten sowie frühen Datierung des Nationalismus gegenüber und schließt mit einer vergleichenden Analyse der verschiedenen historischen Sichtweisen.
III. Schluss: Das Fazit stellt fest, dass eine exakte zeitliche Fixierung nicht möglich ist, betont jedoch den Konsens über die neue Qualität des Nationalismus im 19. Jahrhundert als Massenideologie.
Schlüsselwörter
Nationalismus, Nationalbewusstsein, Nation, Nationsbildung, Moderne, Frühe Neuzeit, Ideologie, Massenmobilisierung, Identität, Kontinuität, Zäsur, Staat, Integration, Historikerschule, Politik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Debatte darüber, wann der Nationalismus in Deutschland erstmals in Erscheinung trat und wie dieser Prozess historisch zu bewerten ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition des Begriffs Nationalismus, die Frage nach dem Beginn (Mittelalter vs. Moderne) sowie die Bedingungen für die Entstehung von Nationalbewegungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die unterschiedlichen Datierungsvorschläge der Historiker darzustellen, deren methodische Ansätze zu vergleichen und die Frage nach dem Übergang zum modernen Nationalismus zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, indem die Thesen von vier ausgewählten Historikern gegenübergestellt und auf Basis ihrer Argumente kritisch diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Problembeschreibung der Forschung, die Darstellung der „späten Datierung“ (Alter, Langewiesche), die Darstellung der „frühen Datierung“ (Hardtwig, Ehlers) sowie eine vergleichende Synthese.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Nationalismus, Nationsbildung, historische Kontinuität, Moderne und Identität beschreiben.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Französischen Revolution?
Die Arbeit erkennt in der Französischen Revolution eine zentrale Zäsur an, die den Wandel von einer ständischen Nation zur modernen Bürgernation einleitete, betont aber, dass diese nicht isoliert betrachtet werden darf.
Warum unterscheidet Ehlers zwischen Nationsbewusstsein und Nationalismus?
Ehlers trennt beide Begriffe, um die pathologische Übersteigerung des Nationalismus von der (auch im Mittelalter existierenden) Integration von Großgruppen im Rahmen eines Nationsbewusstseins abzugrenzen.
- Quote paper
- Friederike Stoller (Author), 2002, Nationalismus in Deutschland - seit wann tritt er in Erscheinung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45030