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Kein Kodex – keine Ethik? Wie ethische Werte in journalistischen Fernsehmagazin-Redaktionen etabliert und gesichert werden

Titel: Kein Kodex – keine Ethik? Wie ethische Werte in journalistischen Fernsehmagazin-Redaktionen etabliert und gesichert werden

Masterarbeit , 2018 , 316 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Franziska Ehrenfeld (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Vor dem Hintergrund, dass es für den Fernsehjournalismus kein Äquivalent zu den Publizistischen Grundsätzen des Deutschen Presserats – kurz: Pressekodex – gibt, wird im Rahmen dieser Arbeit untersucht, auf welcher Basis deutsche Fernsehmagazin-Redaktionen ethische Entscheidungen bei der Berichterstattung treffen und wie die Einhaltung dieser Normen gesichert wird.

Dazu wurden fünf Leitfadeninterviews mit Redakteuren in verantwortlichen Positionen verschiedener Fernsehmagazin-Redaktionen geführt und überwiegend qualitativ ausgewertet.Als Grundlage dafür wurden außerdem die vorliegenden redaktions- und unternehmenseigenen Kodizes auf ihre Genauigkeit im Vergleich zum Pressekodex und dem Medienkodex des Netzwerks Recherche inhaltlich analysiert.

Das Ergebnis dieser Analyse war, dass die redaktions- und unternehmenseigenen Kodizes weitaus unkonkreter sind als der Pressekodex. Viele reichen, was die Präzision angeht, nicht einmal an den nur einseitigen, stichpunktartigen Medienkodex heran. Die Auswertung der Leitfadeninterviews ergab, dass diese Kodizes trotzdem einen hohen Stellenwert als Basis für redaktionelle, ethische Entscheidungen haben.

Der Pressekodex ist für alle untersuchten Redaktionen ebenfalls von Bedeutung – wenn auch nicht in sehr großem Umfang. Der Medienkodex spielt hingegen nahezu keine Rolle im redaktionellen Alltag.

Wichtigstes Instrument zur Etablierung und Sicherung von Ethik im Fernsehmagazin-Journalismus scheint der Dialog zwischen den Mitarbeitern zu sein. Darüber hinaus gibt es verschiedene Formen von Institutionen, die als Kontrollinstanzen auftreten können, meist aber andere Hauptaufgaben und kaum Sanktionierungsmöglichkeiten haben.

Die Etablierung eines allgemeingültigen Fernsehkodex nach dem Vorbild des Pressekodex wäre grundsätzlich eine sinnvolle Möglichkeit, Ethik zu stärken und die fernsehjournalistische Berichterstattung gegenüber dem Publikum zu legitimieren. Allerdings stieß diese Idee bei den Befragten eher nicht auf Anklang, da diese mit der derzeitigen Lage der Ethiksicherung überaus zufrieden sind.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Theoretische Grundlagen

1. Journalismusethik – wieso?

1.1 Erhalt der Pressefreiheit durch verantwortungsvollen Journalismus

1.2 Die Komplexität journalistischen Handelns

1.3 Qualitätsverlust?

1.3.1 Der Zusammenhang von Ethik und Qualität

1.4 Reflexion, Steuerung und Orientierung

2. Besonderheiten der Journalismusethik

2.1 Anforderungen

2.2 Bedeutung der Redaktion

2.3 Spannungsfeld Journalismusethik

2.4 Sicherung von Ethik

2.5 Problematik

3. Institutionalisierung von Ethik

3.1 Regelwerke

3.2 Ombudsleute

3.3 Presserat und Pressekodex als Exempel

3.3.1 Geschichte

3.3.2 Inhalt und Funktionsweise des Pressekodex

3.3.3 Der Pressekodex in der Diskussion

3.3.4 Akzeptanz des Pressekodex bei Journalisten

3.3.5 Ein allgemeiner Kodex auch fürs Fernsehen?

4. Regulierung beim Fernsehen

4.1 Privat-kommerzielles Fernsehen

4.2 Öffentlich-rechtliches Fernsehen

4.3 Problematik

5. Besondere Relevanz der Ethik beim Fernsehen

5.1 Fernsehen als Leitmedium

5.2 Wirkung und Glaubwürdigkeit

5.3 Komplexität

6. Besonderheiten des fernsehjournalistischen Alltags und Auswirkungen auf die Ethik

6.1 Produktionsschritte

6.2 Aktuelle Entwicklungen

6.2.1 Zunehmende Dominanz der Bilder

6.2.2 Ressourcenknappheit

7. Wie kann Fernseh-Journalismusethik erfolgreich etabliert werden?

7.1 Verantwortungsverteilung

7.2 Regelwerke

7.3 Kontrolle

7.4 Chancen des Internets nutzen

7.5 Sensibilisierung

III. Positionierung des Themas in der Forschungslandschaft

1. Einordnung

1.1 Forschungsprojekt zu Arbeitsabläufen und -bedingungen in Redaktionen von Blöbaum, Kutscha, Bonk und Karthaus (2011)

1.2 MediaAcT-Studie zur journalistischen Perspektive auf die Media Accountability (2012)

2. Forschungslücke

IV. Methode und Forschungsdesign

1. Forschungsfragen

2. Methoden

2.1 Qualitative Leitfadeninterviews

2.1.1 Design des Leitfadens

2.1.2 Auswahl der Experten

2.2 Qualitative Inhaltsanalyse der Ethik-Kodizes

3. Gegenstand der Untersuchung

3.1 Hallo Niedersachen (NDR)

3.2 RTL Nord (Niedersachsen und Bremen)

3.3 Leute heute (ZDF)

3.4 Sat.1 Frühstücksfernsehen

3.5 Report Mainz (SWR)

4. Durchführung

5. Auswertungsstrategie

5.1 Auswertung der Leitfadeninterviews

5.2 Inhaltsanalyse der Kodizes

V. Ergebnisse

1. Gegenüberstellung der für die Redaktionen gültigen Kodizes

1.1 Hallo Niedersachsen

1.2 RTL Nord

1.3 Leute heute

1.4 Sat.1 Frühstücksfernsehen

1.5 Report Mainz

1.6 Zwischenfazit

2. Beantwortung der Forschungsfragen

2.1 Welche Rolle spielt der Pressekodex des Deutschen Presserats innerhalb von Fernsehredaktionen?

2.2 Welche Rolle spielt der Medienkodex des Netzwerks Recherche innerhalb von Fernsehredaktionen?

2.3 Welche Rolle spielen redaktionseigene beziehungsweise unternehmenseigene Kodizes?

2.4 Wie werden ethische Normen in der Redaktion etabliert?

2.5 Wer diskutiert wann und wie über journalistische Ethik?

2.6 Wer überprüft die Einhaltung ethischer Vorgaben und wie geschieht das?

2.7 Welche Sanktionsmittel gibt es bei Verstößen gegen die ethischen Normen?

2.8 Was passiert, wenn falsche Informationen gesendet wurden?

2.9 Ist die Verantwortung in der Redaktion angemessen verteilt?

2.10 Gibt es Unterschiede hinsichtlich der Etablierung und Sicherung von ethischen Standards zwischen Redaktionen von öffentlich-rechtlichen und privat-kommerziellen Sendern?

2.11 Gibt es Unterschiede hinsichtlich der Etablierung und Sicherung von ethischen Standards zwischen Redaktionen von nachrichtlichen, boulevardesken und investigativen Sendungen?

2.12 Braucht die Fernsehberichterstattung einen eigenen, allgemeinen Fernsehkodex?

2.13 Sonstige Erkenntnisse

3. Fazit

VI. Kritische Reflexion der Arbeit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, auf welcher Basis deutsche Fernsehmagazin-Redaktionen ethische Entscheidungen bei ihrer Berichterstattung treffen und wie die Einhaltung dieser Normen gesichert wird, da für den Fernsehjournalismus kein Äquivalent zu den Publizistischen Grundsätzen des Deutschen Presserats existiert.

  • Ethische Entscheidungsfindung und Verantwortungsstrukturen in Fernsehredaktionen.
  • Vergleichende Analyse redaktions- und unternehmenseigener Kodizes.
  • Rolle des Pressekodex und des Medienkodex in der Praxis von TV-Magazinen.
  • Einfluss von Produktionsbedingungen und Ressourcen auf die journalistische Ethik.
  • Diskurs über die Notwendigkeit eines allgemeinen Fernsehkodex.

Auszug aus dem Buch

1.2 Die Komplexität journalistischen Handelns

Die Schwierigkeit dieser Werteorientierung liegt darin, dass sich journalistisches Handeln oft nicht nur in richtig oder falsch unterteilen lässt. Stattdessen führen unterschiedliche – und damit womöglich widersprüchliche – Normen zu Spannungsfeldern. Nach Michael Haller gibt es im Journalismus sechs Werte- und Normensysteme, die nicht deckungsgleich sind, mit denen aber zeitgleich umgegangen werden muss:32

1.) Die Art der Kommunikation

Entscheidend dabei sind die Öffentlichkeit der Kommunikation, die Dispersität des Publikums sowie (technische) Spezifika der Mediengattungen und -typen.33

2.) Die Funktionen des Journalismus

Dazu zählen einerseits Funktionen der Demokratietheorie wie Information und Meinungsbildung, andererseits aber auch gesellschaftspolitische Aufgaben wie Integration, Mobilisierung und Nutzwert. Es handelt sich also um sogenannte meritorische Funktionen: Sie sind ökonomisch zwar nicht rentabel, haben aber eine Bedeutung als allgemeines Gut.34

3.) Ökonomische Gesichtspunkte

Darunter fallen der Medienwettbewerb, das Streben nach Wachstum und Profit, sowie nach Macht.35

4.) Die Bedürfnisse des Publikums

Dazu gehören Information, Unterhaltung, Partizipation, Sozialität und die geistige sowie emotionale Verbindung mit der Welt.36

5.) Die Berufsrolle

Sie ist bestimmt durch Tradition, Berufsorganisation, Ausbildung und Selbstkontrolle der Profession.37

6.) Individuelle Merkmale der Journalisten

Dazu zählen die Sozialisation, das Selbstverständnis, die Persönlichkeitsstruktur sowie Berufsperspektiven des jeweiligen Medienschaffenden.38

Aus den daraus erfolgenden Spannungsfeldern ergibt sich die Frage, wie Journalisten Handlungssicherheit gewinnen können. Haller spricht dabei einerseits von einem „Basiskonsens“ 39, der auf Schnittmengen der verschiedenen Wertesysteme beruht. Er zählt dazu „gesicherte Normen“ 40 wie Wahrhaftigkeit und Gleichbehandlung. Andererseits weist er auf „Normenkonfikte“ 41 hin, die sich teils auf, vor allem aber zwischen den sechs Ebenen abspielen. Hier gilt es zu klären, wie man diese Konflikte lösen kann.42

Carsten Brosda zufolge steht ein „ethisch handelnder Journalist […] in der Pflicht, diese zum Teil dissonanten Werte und Normen miteinander zu synchronisieren bzw. sich zwischen ihnen bewusst und begründet zu entscheiden.“ 43 Dazu ist jedoch ein hoher Grad der Professionalität nötig, der es ermöglicht, die Ebenen in Relation zu setzen und gegeneinander abzuwägen.44

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einführung: Diese Einleitung beleuchtet die Bedeutung journalistischer Ethik und hinterfragt die Rolle des Pressekodex für Fernsehjournalisten, da für diesen Bereich bisher keine vergleichbare, allgemein anerkannte Regulierung existiert.

II. Theoretische Grundlagen: Das Kapitel erläutert die Relevanz und Komplexität journalistischer Ethik sowie die verschiedenen Formen der (ethischen) Regulierung und deren Probleme im Fernsehsektor.

III. Positionierung des Themas in der Forschungslandschaft: Hier wird der Stand der aktuellen Forschung eingeordnet und die Forschungslücke identifiziert, die durch die vorliegende Arbeit geschlossen werden soll.

IV. Methode und Forschungsdesign: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen, insbesondere die Durchführung von qualitativen Leitfadeninterviews mit Redakteuren und die inhaltsanalytische Untersuchung ethischer Kodizes.

V. Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren die Gegenüberstellung der untersuchten Kodizes sowie die detaillierte Beantwortung der Forschungsfragen zur Etablierung und Sicherung ethischer Normen.

VI. Kritische Reflexion der Arbeit und Ausblick: Der abschließende Teil reflektiert die methodischen Einschränkungen der Arbeit und bietet Ansätze für zukünftige Forschungsvorhaben.

Schlüsselwörter

Fernsehjournalismus, Medienethik, Pressekodex, Journalismusethik, Redaktionsalltag, Compliance, Selbstkontrolle, Medienregulierung, Fernsehqualität, Nachrichtenwert, Journalistische Verantwortung, Leitfadeninterviews, Kodizes, Programmgrundsätze, Fernsehredaktion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die medienethischen Grundlagen und Strukturen der Etablierung ethischer Standards in deutschen Fernsehmagazin-Redaktionen.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Rolle bestehender Kodizes (wie des Pressekodex), die Bedeutung redaktionsinterner Dialoge und Kontrollmechanismen sowie die Herausforderungen durch mediale Konvergenz und wirtschaftlichen Druck.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuklären, wie Fernsehredaktionen ethisch korrekt handeln und Normen sichern, obwohl kein allgemeingültiger Fernsehkodex existiert.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit basiert primär auf qualitativen Leitfadeninterviews mit Redakteuren in verantwortungsvollen Positionen sowie einer ergänzenden Inhaltsanalyse redaktionseigener Ethik-Kodizes.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen, Institutionalisierung von Ethik, Besonderheiten des Fernsehjournalismus, das Forschungsdesign sowie die konkreten Ergebnisse aus den Befragungen und Kodex-Analysen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Fernsehjournalismus, Medienethik, Pressekodex, Compliance, Redaktionsalltag und journalistische Verantwortung.

Warum wurde der Fernsehmagazinbereich für die Studie gewählt?

Der Bereich wurde gewählt, um eine bessere Vergleichbarkeit der Untersuchungsergebnisse zwischen verschiedenen Redaktionen zu ermöglichen.

Welche Rolle spielt der Pressekodex für Fernsehjournalisten laut der Arbeit?

Er dient als ethischer Referenzrahmen und Maßstab, wird jedoch im redaktionellen Alltag selten explizit konsultiert, sondern gilt eher als verinnerlichter Grundbestandteil des Berufsbildes.

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Details

Titel
Kein Kodex – keine Ethik? Wie ethische Werte in journalistischen Fernsehmagazin-Redaktionen etabliert und gesichert werden
Hochschule
Hochschule Hannover  (Information und Kommunikation)
Note
1,7
Autor
Franziska Ehrenfeld (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
316
Katalognummer
V449025
ISBN (eBook)
9783668870512
ISBN (Buch)
9783668870529
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienethik Fernsehethik Ethik Fernsehjournalismus Journalismus Journalismusethik Franziska Ehrenfeld Ehrenfeld Fernsehen Pressekodex Ethikkodex Glaubwürdigkeit Qualitätssicherung Masterarbeit Hochschule Hannover Hannover Wilfried Köpke Köpke
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Franziska Ehrenfeld (Autor:in), 2018, Kein Kodex – keine Ethik? Wie ethische Werte in journalistischen Fernsehmagazin-Redaktionen etabliert und gesichert werden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/449025
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