Die aktuelle Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt zeigt sich wie folgt: Die Zahl der Erwerbstätigen steigt an, so waren 2014 37,9 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 64 Jahren erwerbstätig. Durch die „[…] stabile deutsche Konjunktur, eine starke Zunahme der Erwerbsbeteiligung vor allem von Frauen und älteren Menschen sowie einem allgemeinen strukturellen Wandel hin zur Dienstleistungsgesellschaft“. Im gleichen Zuge ist die Erwerbslosenquote 2014 auf dem niedrigsten Stand seit der „Wiedervereinigung“ – 2,1 Millionen Menschen sind arbeitslos und im Vergleich mit den EU-Ländern hat Deutschland die niedrigste Erwerbslosenquote. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt war in den Jahren davor sehr angespannt. Seit Ende der siebziger Jahre ist die Arbeitslosenquote stetig gestiegen, von 7,3 Prozent Arbeitslose in der deutschen Bevölkerung auf 12,7 Prozent im Jahr 1997 und 2005 sogar auf 13 Prozent ; vgl. Feil et al., 2008, 163). Um diesem Wachstum entgegenzuwirken, führte die Regierung Reformen ein. Unter anderem wurden atypische Beschäftigungen gefördert und geringfügige und neue Beschäftigungen „im Niedriglohnbereich erschaffen“. Die Arbeitslosenquote ist gesunken und die Erwerbstätigenrate steigt an, somit sind immer mehr Menschen erwerbstätig und weniger arbeitssuchend und arbeitslos. Dies macht den Anschein, dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt sich entspannt. Es zeigt sich jedoch auch, dass 2014 der Anteil der Beschäftigten in Teilzeit mit 10,1 Millionen sehr hoch ist und seit 2005 angestiegen ist – 27 % der gesamten Erwerbstätigen sind teilzeitbeschäftigt. Auch der Anteil der befristet Beschäftigten liegt bei 8 %, ist jedoch über die letzten Jahre „stabil“ geblieben. Auch führen immer mehr Erwerbstätige neben ihrem eigentlichen Beruf einen Nebenjob aus, von 2005 bis 2014 ist die Anzahl um 62% „gestiegen“. Neben den Teilzeitbeschäftigungen haben auch die geringfügigen Beschäftigungen und Leih- und Zeitarbeit zugenommen. 2014 waren 7,5 Millionen Erwerbstätige atypisch beschäftigt, hierzu gehören Teilzeit-, geringfügige, befristete Beschäftigungen und Leih- und Zeitarbeit. So zeigt sich, dass das „Arbeitsvolumen“ trotz dessen weniger geworden ist. In den letzten Jahren haben die atypischen Beschäftigungen somit stark zugenommen, so meinen Keller und Seifert, die „atypische Varianten gewinnen und Normalarbeitsverhältnisse verlieren an Bedeutung“.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Theorieansätze
- 2.1 Die Arbeitsmarktpolitik
- 2.2 Die Segmentationstheorie
- 2.2.1 Interne und externe Arbeitsmärkte
- 2.2.2 Primärer und sekundärer Arbeitsmarkt
- 3. Empirische Befunde zum gestiegenen Armutsrisiko
- 4. Fazit und Diskussion
- 5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Bachelorarbeit untersucht die Entwicklung des Arbeitsmarktes in Deutschland und beleuchtet den Zusammenhang zwischen dem Anstieg atypischer Beschäftigungsformen und dem steigenden Armutsrisiko.
- Entwicklungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt
- Atypische Beschäftigungsformen wie Teilzeit, befristete Beschäftigung, Leiharbeit und geringfügige Beschäftigung
- Das Armutsrisiko in Deutschland
- Der Zusammenhang zwischen atypischen Beschäftigungsformen und dem Armutsrisiko
- Soziale Folgen und Auswirkungen atypischer Beschäftigung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die aktuelle Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt dar, zeichnet die Entwicklung der Erwerbslosenquote und der Erwerbstätigenrate nach und zeigt den Anstieg atypischer Beschäftigungsformen auf.
Kapitel 2 beleuchtet verschiedene Theorieansätze, die das Verständnis des Arbeitsmarktes und der Entstehung von Armutsrisiken ermöglichen. Hierzu gehören die Arbeitsmarktpolitik und die Segmentationstheorie mit ihren Subthemen interne und externe Arbeitsmärkte sowie primärer und sekundärer Arbeitsmarkt.
Kapitel 3 widmet sich der empirischen Analyse des Zusammenhangs zwischen atypischen Beschäftigungsformen und dem gestiegenen Armutsrisiko. Es werden aktuelle Statistiken und Daten herangezogen, um die Entwicklung des Armutsrisikos in Deutschland zu beleuchten und die Rolle atypischer Beschäftigungsformen aufzuzeigen.
Schlüsselwörter
Atypische Beschäftigung, Arbeitsmarktpolitik, Segmentationstheorie, Armutsrisiko, Deutschland, Erwerbslosenquote, Erwerbstätigenrate, Teilzeit, befristete Beschäftigung, Leiharbeit, geringfügige Beschäftigung, Sozialabgaben, Median, Nettoäquivalenzeinkommen.
Häufig gestellte Fragen
Was sind atypische Beschäftigungsformen?
Dazu zählen Teilzeitstellen, befristete Beschäftigungen, Leih- und Zeitarbeit sowie geringfügige Beschäftigungen (Minijobs).
Warum steigt das Armutsrisiko trotz sinkender Arbeitslosenzahlen?
Viele neue Arbeitsplätze entstehen im Niedriglohnbereich oder in atypischen Verhältnissen, die oft nicht ausreichen, um den Lebensunterhalt ohne staatliche Hilfe zu decken.
Was besagt die Segmentationstheorie des Arbeitsmarktes?
Sie unterscheidet zwischen einem primären Arbeitsmarkt (sichere, gut bezahlte Jobs) und einem sekundären Arbeitsmarkt (unsichere, schlechter bezahlte atypische Jobs).
Wie viele Menschen waren 2014 in Deutschland atypisch beschäftigt?
Im Jahr 2014 waren etwa 7,5 Millionen Erwerbstätige in Deutschland atypisch beschäftigt.
Welche Rolle spielt das Nettoäquivalenzeinkommen bei der Armutsmessung?
Es dient als Maßstab für den Lebensstandard, indem das Haushaltseinkommen nach Größe und Zusammensetzung des Haushalts gewichtet wird.
Was sind die sozialen Folgen atypischer Beschäftigung?
Dazu gehören mangelnde Planungssicherheit, geringere Rentenansprüche und ein höheres Risiko für Altersarmut.
- Quote paper
- Laura Hartmann (Author), 2016, Steigendes Armutsrisiko durch atypische Beschäftigungsformen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441997