Versucht man die Sprachkritik von den anderen Fachgebieten abzugrenzen und den Bereich zu überblicken, den dieser Begriff abdeckt, so wird schnell deutlich, dass dieses Vorhaben nicht einfach zu realisieren ist und viele Schwierigkeiten mit sich bringt.
Von der Vergangenheit bis zur Gegenwart wurden die unterschiedlichsten Ansätze ausprobiert und die vielfältigsten Methoden angewandt. Sie wurden erprobt, abgelehnt und wieder aufgenommen. Geändert haben sich mit der Zeit lediglich die Möglichkeiten.
Kritisiert wurde die Sprache als Ganzes, ihre Teile (z.B. Grammatik oder Rechtschreibung), ihr Sprachgebrauch und Funktion (z.B. in der Politik) und natürlich auch der Sprecher und sein sprachliches Können.
Sprachkritik wurde als Mittel der Erkenntnis und der Wahrheitsfindung angesehen. Sie wurde als Wortkritik betrieben. Wobei die Vergangenheitsform, wegen der Gegenwartsbezogenheit dieser Sachverhalte, nicht ganz zutreffend scheint.
Dies sind das Interessante und das Besondere an der Sprachkritik und ihren Ansatzpunkten, nämlich, dass obwohl sie ihre Anfänge in der Antike haben, sie ihre Relevanz bis heute nicht verloren haben. Mehr noch, die Aktualität der sprachkritischen Problemstellungen bietet immer noch ein breites Feld für die Untersuchungen und Diskussionen.
Ferner ist Sprachkritik zugleich auch Gesellschaftskritik, wie es bei Wolfgang Beutin heißt. „Die zahlreichen historischen Beispiele der Sprachkritik bezeugen: Sprachkritik war allzu oft ein Vehikel der Kritik an ideologischen oder sonstigen gesellschaftlichen Zuständen, und Ideologie- und Gesellschaftskritiker bedienten sich nicht selten sprachkritischer Argumentation“ (Beutin 1976).
Die Urteile, die im Laufe der Zeit über die Sprache und die Kritik an ihr gefällt wurden, sind sehr widersprüchlich und zerstreut.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Versuch einer Definition von Sprachkritik
3. Platons «Kratylos»
3.1 Allgemeines zu dem Dialog
3.2 Beweisführungen in dem Dialog
3.3 Ergebnisse des Dialogs
4. Universalienstreit
5. Der entscheidende Anstoß zu dem Sprachenwechsel
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen historischen Überblick über die Entstehung und Entwicklung der Sprachkritik zu geben. Dabei soll eine Brücke von den antiken Anfängen über das Mittelalter bis zur frühen Neuzeit geschlagen werden, um den Übergang von der Universalsprache zur deutschen Sprachkritik nachzuzeichnen und die methodischen sowie inhaltlichen Facetten dieses wissenschaftlichen Feldes zu beleuchten.
- Historische Entwicklung der Sprachkritik von der Antike bis zur frühen Neuzeit
- Analyse von Platons Dialog «Kratylos» als sprachphilosophischer Grundbaustein
- Bedeutung des Universalienstreits für das Verständnis des sprachlichen Zeichens
- Die Ablösung des Lateins als Wissenschaftssprache durch das Deutsche
- Die Rolle barocker Sprachgesellschaften bei der Ausformung der deutschen Sprachkritik
Auszug aus dem Buch
3.1 Allgemeines zu dem Dialog
Platons Dialog «Kratylos», benannt nach dem Philosophen und Dialogpartner von Sokrates und Hermogenes, datiert aus ca. 388 v. Chr., ist die früheste erhaltene Auseinandersetzung mit der Entstehung der sprachlichen Symbole. An der Datierung sieht man, dass diese Frage die Menschen seit je beschäftigt hat. Und dennoch bleibt «Kratylos» auch in unserer Zeit aktuell. „Die meisten der zeichentheoretischen Fragen, die heute in Diskussion sind, werden in Platons Schrift bereits angesprochen“ (Keller 1995:23).
Die Ausgangssituation ist folgende: Hermogenes, Kratylos und Sokrates diskutieren über die Bedeutung eines Zeichens. Die zentrale Frage ist, ob die Bedeutung der sprachlichen Zeichen auf Konventionen beruht – diese These vertritt der Hermogenes – oder (die Meinung des Kratylos), ob die Zeichen eine von Natur aus richtige Bedeutung besitzen. „In moderner Terminologie könnte man sagen: Der Dialog hat die Frage zum Gegenstand, ob die Zeichen einer Sprache arbiträr sind (nomo) oder ob sie den Dingen, die sie benennen, zu entsprechen haben (physei)“ (Keller 1995:23).
Sokrates spielt dabei die Rolle des Diskussionsleiters. Durch geschicktes Fragen versucht er die Erkenntnis ans Licht zu bringen. Dabei lenkt Sokrates seine Gesprächspartner so, dass sie eigenen Aussagen widersprechen und er beide Thesen widerlegen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die komplexe Begriffsbestimmung der Sprachkritik ein und verdeutlicht ihre Vielschichtigkeit sowie ihre Bedeutung als Gesellschaftskritik.
2. Versuch einer Definition von Sprachkritik: Hier werden verschiedene Richtungen der Sprachkritik (philosophisch, moralisch, literarisch, philologisch) nach Gauger differenziert, da eine exakte Definition als problematisch gilt.
3. Platons «Kratylos»: Der Dialog wird als älteste bekannte sprachkritische Abhandlung analysiert, wobei die Spannungsfelder zwischen Konvention (Arbitrarität) und Natürlichkeit der Zeichen im Zentrum stehen.
4. Universalienstreit: Dieses Kapitel erläutert den mittelalterlichen Konflikt zwischen Realismus und Nominalismus und zeigt dessen Parallelen zur sprachwissenschaftlichen Problematik der Zeichengebung auf.
5. Der entscheidende Anstoß zu dem Sprachenwechsel: Hier wird der historische Prozess beschrieben, wie das Deutsche das Lateinische als ebenbürtige Wissenschaftssprache ablöste und welche Rolle die barocken Sprachgesellschaften dabei spielten.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Sprachkritik trotz der Schwierigkeiten, Sprache durch Sprache zu untersuchen, ein unerlässliches Instrument für reflektiertes Denken bleibt.
Schlüsselwörter
Sprachkritik, Platon, Kratylos, Universalienstreit, Nominalismus, Realismus, Sprachphilosophie, Etymologie, Onomatopoetik, Sprachgesellschaften, Wissenschaftssprache, Arbitrarität, Konvention, Sprachreinigung, Zeichenlehre
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Geburt und Entwicklung der Sprachkritik, ausgehend von ihren antiken Wurzeln bis hin zum Übergang zur deutschen Nationalsprache in der frühen Neuzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören das antike Sprachverständnis, das Universalienproblem des Mittelalters sowie die Etablierung des Deutschen als Wissenschaftssprache im Barock.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es, einen Überblick über die Evolution des sprachkritischen Denkens zu geben und zu zeigen, wie sich das Verständnis des sprachlichen Zeichens über die Epochen hinweg verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die auf der Auseinandersetzung mit zentralen Textquellen wie Platons «Kratylos» und der Sekundärliteratur zur Sprachgeschichte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Sprachkritik, die Analyse von Platons Dialog, den Universalienstreit und die Untersuchung des Sprachenwechsels von Latein zu Deutsch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Sprachkritik, Kratylos, Universalienstreit, Arbitrarität, Wissenschaftssprache und der historische Kontext der Sprachgesellschaften.
Welches Problem ergibt sich bei der Untersuchung von Sprache?
Ein zentrales Problem ist, dass man die Sprache nur mittels der Sprache selbst untersuchen kann, was eine methodische Distanz zum Untersuchungsgegenstand erschwert.
Warum spielt Platons Dialog «Kratylos» eine so wichtige Rolle?
Er gilt als der Beginn der Sprachkritik innerhalb der europäischen Geistesgeschichte und enthält bereits die grundlegenden Fragen zur zeichentheoretischen Debatte zwischen Konvention und Naturgegebenheit.
Welche Rolle spielten die barocken Sprachgesellschaften?
Sie waren maßgeblich an der Aufwertung der deutschen Sprache beteiligt, indem sie sich der Pflege, dem Wortschatz und der Sprachreinigung widmeten und damit den Weg zum Deutschen als Wissenschaftssprache ebneten.
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- Anonym (Autor:in), 2008, Sprachkritik von der Antike bis zur frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441130