Im Zuge der vergangenen Bundestagswahl und dem ausklingenden Jahr 2017 erlangte Bundesminister Christian Schmidt (CSU) durch seine Entscheidung bezüglich der Verwendung von Glyphosat als Pflanzenschutzmittel in der deutschen Landwirtschaft besondere mediale Präsenz. Es sorgte für ein Wiederaufleben der kurzzeitig von den Bildschirmen verschwundenen "Glyphosat-Debatte", einer Debatte um die Regulierung eines Stoffs, der laut Haupthersteller Monsanto gesundheitlich völlig unbedenklich, der Meinung von vielen Umweltverbänden nach hochgradig karzinogen, also krebserregend ist.
Für mich stellte sich in den letzten Wochen daher zunehmend die Frage, ob und inwiefern meine Mitmenschen und ich durch Glyphosat geschädigt werden könnten, weshalb ich mir in meiner Facharbeit "Die unendliche Geschichte? Eine kritische Bewertung der Glyphosat-Debatte" zum Ziel setze, ein Verbot von Glyphosat anhand einiger aufgekommener Studien, Untersuchungen und Kommentare sowie der aktuellen Debatte zu bewerten.
Hierfür sollen zunächst die Eigenschaften von Glyphosat und der Hintergrund um den Monsanto Konzern erläutert werden, um anschließend auf die Anwendung und die Bedeutung in der Deutschen Landwirtschaft eingehen zu können. Auch mögliche Alternativen zum Glyphosat will ich in diesem Rahmen diskutieren. Diese und interpretierte Studien zur Wirkung auf Nichtzielorganismen (v.a. Karzinogenität) sollen den Grundstein für meine im Schlussteil vorgenommene Bewertung legen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Herbizide und Glyphosat als Wirkstoff
2.1 „Roundup“ und der Monsanto-Konzern
2.2 Glyphosat und seine Wirkung im Detail
3 Anwendung und Bedeutung in der deutschen Landwirtschaft
3.1 Alternativen zu Glyphosat?
3.2 Umweltwirkungen
4 Glyphosat - Ein karzinogener „Embryonenkiller“?
5 Zulassungsverfahren von Herbiziden und Debattenstand
6 Bewertung von Debatte und Verbot
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kontroverse Debatte um das Herbizid Glyphosat. Ziel ist es, ein Verbot des Wirkstoffs auf Basis aktueller Studien und gesellschaftspolitischer Entwicklungen kritisch zu bewerten und die Rolle von Lobbyismus sowie wissenschaftlichen Risikobewertungen zu hinterfragen.
- Wirkungsweise und industrielle Hintergründe von Glyphosat
- Bedeutung für die moderne Landwirtschaft vs. ökologische Folgen
- Kritische Analyse der Zulassungsverfahren und Risikobewertungen (BfR/EFSA)
- Diskussion über Alternativen wie Zwischensaaten oder thermische Verfahren
- Bewertung der ökonomischen Implikationen eines möglichen Ausstiegs
Auszug aus dem Buch
Glyphosat - Ein karzinogener „Embryonenkiller“?
Fast regelmäßig und parallel zu Debatten um neue Zulassungsverfahren oder Verlängerungen der Verwendung von Glyphosat erscheinen in den Medien Berichte über Untersuchungen, welche die Karzinogenität bzw. die gesundheitliche Beeinträchtigung durch Glyphosat belegen wollen. Mögliche, diskutierte gesundheitliche Auswirkungen „betreffen Schäden am Erbgut, […] Schädigung der Embryonenentwicklung, […] und die Entstehung von Krebs“ (INTERNET 7).
Besonderes Interesse verdient der Fakt, dass Deutschland im EU-Prüfungsverfahren (genauere Erläuterung im Folgekapitel) die Rolle des Berichterstatters erfüllt und somit das „Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) […] mit der Bewertung des gesundheitlichen Risikos des Wirkstoffes […] beauftragt [wurde]“ (INTERNET 9).
Das Bundesinstitut gibt an, „dass nach derzeitiger wissenschaftlicher Kenntnis bei bestimmungsgemäßer Anwendung von Glyphosat kein krebserzeugendes Risiko für den Menschen zu erwarten ist“ (INTERNET 9), gibt parallel aber ebenso an, dass die Kontrolle eben jener bestimmungsgemäßen Anwendungen nicht ihre Aufgabe darstelle. Ebenso bestünden keine Gründe für eine Einstufung als „entwicklungstoxisch“. (Vgl. INTERNET 9).
Problematisch ist jedoch, dass beim BfR nicht ein einziges Mal von Untersuchungen des Roundups, dem eigentlich verwendeten Herbizid, die Rede ist, sondern statt einer zusätzlichen Betrachtung von inerten Substanzen stets nur Glyphosat als Hauptwirkstoff bewertet und eingestuft wird und wurde. Hierzu gibt das BfR selbst an, dass die Gesamtwirkung von Herbiziden erst im Nachgang bewertet werde und zwar seperat, in den einzelnen Mitgliedsstaaten der EU. Diese Ungereimtheiten stellen keine exemplarischen Fälle, hochgeschaukelt durch die Medien, sondern eine besorgniserregende Routine, die Einstufung des BfR und des Konzerns Monsanto betreffend, dar. (Vgl. INTERNET 9)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese führt in die politische und mediale Kontroverse um Glyphosat ein und formuliert die zentrale Fragestellung der kritischen Bewertung eines möglichen Verbots.
2 Herbizide und Glyphosat als Wirkstoff: Hier werden die chemischen Grundlagen, die Entstehungsgeschichte durch Monsanto und die biologische Wirkungsweise des Breitbandherbizids erläutert.
3 Anwendung und Bedeutung in der deutschen Landwirtschaft: Dieses Kapitel beleuchtet den landwirtschaftlichen Nutzen, ökologische Auswirkungen sowie potenzielle alternative Bewirtschaftungsmethoden.
4 Glyphosat - Ein karzinogener „Embryonenkiller“?: Der Fokus liegt auf der wissenschaftlichen Debatte zur gesundheitlichen Gefährdung, insbesondere im Hinblick auf Karzinogenität und die Rolle von inerten Zusatzstoffen.
5 Zulassungsverfahren von Herbiziden und Debattenstand: Hier wird der bürokratische Prozess der EU-Zulassung unter Beteiligung des BfR und der EFSA kritisch hinterfragt.
6 Bewertung von Debatte und Verbot: Das Fazit fasst die ökonomischen und sozialen Aspekte eines Glyphosat-Ausstiegs zusammen und fordert ein proaktives Handeln der Politik.
Schlüsselwörter
Glyphosat, Roundup, Monsanto, Landwirtschaft, Herbizid, Risikobewertung, BfR, Karzinogenität, Umweltschutz, Zulassungsverfahren, Pestizide, Nachhaltigkeit, Bodenbelastung, Stoffwechselprozess, Alternativen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine kritische Auseinandersetzung mit dem Einsatz des Herbizids Glyphosat in der deutschen Landwirtschaft unter Berücksichtigung von gesundheitlichen und ökologischen Bedenken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der chemischen Wirkungsweise, der wirtschaftlichen Bedeutung für Landwirte, den Risiken für Mensch und Umwelt sowie der Kritik an den behördlichen Zulassungsprüfungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die kritische Bewertung eines möglichen Verbots von Glyphosat auf Basis wissenschaftlicher Studien und einer Analyse der öffentlichen Debatte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Basis von Fachbüchern und Internetquellen eine kritische Zusammenfassung und Bewertung bestehender Studien und Berichte vornimmt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technische Wirkungsweise, die landwirtschaftliche Praxis, die Gesundheitsrisiken (z.B. Krebsdebatte) und die administrativen Zulassungsprozesse auf EU-Ebene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Glyphosat, Monsanto, Risikobewertung, Landwirtschaft, Karzinogenität und Zulassungsverfahren.
Warum wird das „Seeigel-Modell“ in der Arbeit hervorgehoben?
Das Seeigel-Modell dient als Beispiel dafür, wie der Wirkstoff Roundup auf zelluläre Kontrollmechanismen Einfluss nimmt, was in Standardtests oft vernachlässigt wird.
Welche Rolle spielen „inerte Substanzen“ bei der Bewertung des Risikos?
Inerte Substanzen werden von Monsanto als Geschäftsgeheimnis geschützt, was laut Arbeit eine umfassende und ehrliche Risikobewertung des Gesamtprodukts Roundup maßgeblich erschwert.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)?
Der Autor sieht das BfR kritisch, da es sich primär auf den Einzelwirkstoff Glyphosat konzentriert und die negativen Auswirkungen des Gesamtprodukts Roundup sowie lobbyartige Verflechtungen ignoriert.
- Citation du texte
- Taddäus Sodoge (Auteur), 2018, Die Glyphosat-Debatte in Deutschland. Ein kritisches Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/431813