In dieser Arbeit soll der epistemische Prozeduralismus wie von Estlund, David M. In "Democratic Authority", (2008) dargestellt und diskutiert werden. Estlund geht davon aus, dass Demokratie ihren Wert daher hat, dass die demokratischen Prozesse, die zu politischen Entscheidungen fuhren, dazu tendieren, zu richtigen Entscheidungen zu fuhren.
Diese Arbeit behandelt die einzelnen Grundbedingungen des epistemischen Prozeduralismus kritisch und prüft, ob Estlunds Darstellung haltbar ist. Der epistemische Prozeduralismus nach Estlund ist demnach auf drei Bedingungen begrundet. Dabei wird ersichtlich, dass die erste Bedingung, das Qualified Acceptability Requirement, in einem Dilemma endet, welches auch nach intensiver Recherche keine Auflösung findet. Weiter werde ich zeigen, warum die zweite Bedingung, die Munzwurf-Bedingung, ihre argumentative Wirkung verfehlt.
Das liegt vordergrundig daran, dass die Jury-Analogie unpassend gewählt sein könnte. Mit der Jury- Analogie werden demokratische Prozesse mit den Entscheidungsprozessen innerhalb einer Jury in einem Gericht verglichen. Estlund ubersieht allerdings, dass die Demokratie nicht wie eine Jury zwischen schuldig und unschuldig entscheidet, sondern weit uber binäre Entscheidungen hinaus geht. Die letzte Bedingung des epistemischen Prozeduralismus, die Besser-als-Bedingung, soll gegen konsequentialistische Einwände abgepruft werden. Dabei wird der Zusammenhang zwischen den einzelnen Argumenten des epistemischen Prozeduralismus aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
- Epistemischer Prozeduralismus
- Die Idee des epistemischen Prozeduralismus
- Drei notwendige Bedingungen
- Das Qualified Acceptability Requirement
- Die Idee des "Qualified Acceptability Requirement"
- Überexklusion und Überinklusion
- Selbstanwendung
- Die Münzwurf-Bedingung
- Die Jury-Analogie
- Besser als der Zufall
- Die Besser-als-Bedingung
- Primary Bads
- Konsequentialismus
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem epistemischen Prozeduralismus, wie er von David M. Estlund in seinem Werk „Democratic Authority“ (2008) dargestellt wird. Estlund argumentiert, dass die Demokratie ihren Wert darin findet, dass ihre Prozesse zu richtigen politischen Entscheidungen führen. Die Arbeit analysiert die Grundbedingungen des epistemischen Prozeduralismus kritisch und hinterfragt die Haltbarkeit von Estlunds Argumenten.
- Die drei notwendigen Bedingungen des epistemischen Prozeduralismus
- Die kritische Analyse des "Qualified Acceptability Requirement"
- Die Relevanz der Münzwurf-Bedingung und ihre Argumentationskraft
- Die Besser-als-Bedingung im Kontext konsequentialistischer Einwände
- Der Zusammenhang zwischen den einzelnen Argumenten des epistemischen Prozeduralismus
Zusammenfassung der Kapitel
- Epistemischer Prozeduralismus: Dieses Kapitel führt in die Idee des epistemischen Prozeduralismus ein und grenzt sie von anderen Positionen der politischen Philosophie ab. Es wird die Begriffsdefinition umrissen und die Grundzüge des epistemischen Prozeduralismus dargestellt.
- Das Qualified Acceptability Requirement: Dieses Kapitel analysiert die erste Bedingung des epistemischen Prozeduralismus, das "Qualified Acceptability Requirement". Es wird die Idee des "Qualified Acceptability Requirement" erläutert und die damit verbundenen Probleme von Überexklusion und Überinklusion sowie die Herausforderung der Selbstanwendung diskutiert.
- Die Münzwurf-Bedingung: Dieses Kapitel befasst sich mit der zweiten Bedingung, der Münzwurf-Bedingung. Es wird die Jury-Analogie als Argument für diese Bedingung kritisch hinterfragt und diskutiert, warum diese Analogie möglicherweise nicht zutreffend ist.
- Die Besser-als-Bedingung: Dieses Kapitel betrachtet die dritte Bedingung, die Besser-als-Bedingung, und prüft sie auf konsequentialistische Einwände. Es wird der Zusammenhang zwischen den einzelnen Argumenten des epistemischen Prozeduralismus aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Die zentralen Schlüsselwörter dieser Arbeit sind: epistemischer Prozeduralismus, David M. Estlund, „Democratic Authority“, politische Autorität, Legitimität, "Qualified Acceptability Requirement", Münzwurf-Bedingung, Besser-als-Bedingung, Konsequentialismus, Jury-Analogie.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Kernidee von Estlunds epistemischem Prozeduralismus?
David Estlund argumentiert, dass Demokratie deshalb wertvoll ist, weil ihre Prozesse eine Tendenz haben, zu inhaltlich „richtigen“ politischen Entscheidungen zu führen.
Was besagt das „Qualified Acceptability Requirement“?
Es ist eine Bedingung für politische Legitimität, die besagt, dass Gesetze nur dann autoritativ sind, wenn sie auf Gründen basieren, die für alle vernünftigen („qualified“) Bürger akzeptabel sind.
Warum wird die „Jury-Analogie“ in dieser Arbeit kritisiert?
Die Kritik lautet, dass eine Jury nur binär (schuldig/unschuldig) entscheidet, während demokratische Prozesse weitaus komplexere und nicht-binäre Entscheidungen erfordern.
Was ist die „Münzwurf-Bedingung“?
Estlund fordert, dass ein demokratisches Verfahren epistemisch wertvoller sein muss als ein reiner Zufallsentscheid (wie ein Münzwurf), um Autorität zu beanspruchen.
Wie wird die „Besser-als-Bedingung“ gegen Konsequentialismus geprüft?
Die Arbeit untersucht, ob der Wert der Demokratie allein an ihren Ergebnissen (Konsequenzen) gemessen werden kann oder ob das Verfahren selbst einen moralischen Wert besitzt.
Welches Dilemma ergibt sich bei der Selbstanwendung von Estlunds Theorie?
Die Analyse zeigt, dass das Qualified Acceptability Requirement bei konsequenter Selbstanwendung zu Problemen der Überexklusion oder Überinklusion führen kann.
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- Grischa Beuerle (Author), 2017, Estlunds epistemischer Prozeduralismus. Eine Auseinandersetzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430989