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Ingeborg Bachmanns 'An die Sonne': Lob- oder Klagelied?

Titel: Ingeborg Bachmanns 'An die Sonne': Lob- oder Klagelied?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2004 , 27 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Daniela Becker (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das Gedicht „An die Sonne“ von Ingeborg Bachmann wird in der Literatur häufig als Preislied bezeichnet. Andere Interpreten dagegen sehen in den Schlussversen von „An die Sonne“ eine einzige Klage über den Tod, der uns von der schönen Sonne trennt.
Bei genauerer Lektüre des Gedichts zeigt sich jedoch, dass in „An die Sonne“ Licht- und Schattenseiten eng verknüpft sind – ebenso wie in Bachmanns Werk allgemein. So durchzieht der Gegensatz Licht (Lob) – Dunkel (Klage) alle Gedichte des zweiten, 1956 erschienenen Lyrikbandes „Anrufung des Großen Bären“, welcher sich in vier Teile gliedert: Während im zweiten, aus dreizehn Gedichten zusammengesetzten Teil der Weg der „Landnahme“ vom „Nebelland“ des Nordens in den Süden führt, stellen die zwölf sogenannten Italiengedichte des dritten Teils eine Südwelt mit dem Schlussgedicht „An die Sonne“ vor. Doch der Süden ist im Werk Bachmanns nicht eindeutig positiv konnotiert wie beispielsweise das Gedicht „Das erstgeborene Land“ aus der Gedichtsammlung „Anrufung des Großen Bären“ zeigt: „In mein erstgeborenes Land, in den Süden / zog ich und fand, / nackt und verarmt / und bis zum Gürtel im Meer, / Stadt und Kastell.“ (Vers 1). In dem Gedicht „Herbstmanöver“ aus der „Gestundeten Zeit“ ist der Süden ebenso ambivalent wie die Schönheit klassischer Kunstwerke: „und manchmal / trifft mich ein Splitter traumsatten Marmors, / wo ich verwundbar bin, durch Schönheit, im Aug./“ (1, 6-8). Schönheit – auch die Schönheit der Sprache („traumsatter Marmor“) – wird hier zur Gefahr für den Dichter, sie blendet ihn.
In der folgenden Interpretation soll gezeigt werden, dass Ingeborg Bachmanns Gedicht „An die Sonne“ weder als ein reines Lob- noch als ein Klagelied zu sehen ist, sondern dass in das Bachmann-Gedicht – betrachtet man es auch im Kontext anderer Publikationen der Autorin – sehr viele ambivalente Aussagen enthält.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitende Bemerkungen

II. Hauptteil

II.1. Formale Aspekte des Gedichts „An die Sonne“

II.2. Inhaltliche Analyse des Gedichts „An die Sonne“

II.2.1. 1. Strophe: Das Paradigma der Anbetung der Sonne

II.2.2. 2. Strophe: Die Ambivalenz des Sonnenkreislaufes

II.2.3 3. Strophe: Ohne die Sonne

II.2.4. 4. Strophe: Infragestellung des Lobpreises

II.2.5. 5. Strophe: Höhepunkt des Gedichtes

II.2.6. Strophen 6 und 7: Der Blick vom Nahen zum Fernen

II.2.7. Strophe 8: Blaue Poetik

II.2.8. Strophe 9: Die unersättlichen Augen

III. Abschließende Betrachtungen

IV. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Gedicht „An die Sonne“ von Ingeborg Bachmann und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob das Werk als reines Loblied oder als Klagelied zu interpretieren ist. Dabei wird aufgezeigt, dass das Gedicht durch eine tiefgehende Ambivalenz geprägt ist, die sowohl die schöpferische Kraft als auch die zerstörerische Konsequenz der dichterischen Berufung thematisiert.

  • Formale Analyse und Symmetriestruktur des Gedichts
  • Inhaltliche Untersuchung der Sonnenmetaphorik und ihrer Gegensätze
  • Die Verbindung von Naturwahrnehmung, Erkenntnis und Augenverlust
  • Der Konflikt zwischen Sprache, Schweigen und künstlerischem Ausdruck
  • Vergleichende Betrachtung mit weiteren Werken der Autorin

Auszug aus dem Buch

II.2.1. 1. Strophe: Das Paradigma der Anbetung der Sonne

Schöner als der beachtliche Mond und sein geadeltes Licht,

Schöner als die Sterne, die berühmten Orden der Nacht,

Viel schöner als der feurige Auftritt eines Kometen

Und zu weit Schönrem berufen als jedes andre Gestirn,

Weil dein und mein Leben jeden Tag an ihr hängt, ist die Sonne.

Die erste aus fünf Versen bestehende reimlose Strophe besteht aus einem einzigen durchlaufenden Komparativsatz, in welchem „die Sonne“ nachgestellt und mit dem Mond und den Sternen verglichen beziehungsweise davon abgegrenzt wird. Mond, Sterne und Komet stehen vom stärkeren zum schwächeren Ausdruck angeordnet. Der „beachtliche Mond“ (1,1) mit seinem „geadelte[n] Licht“ (1,1), die Sterne als „berühmte Orden der Nacht“ (1,2) und die Kometen, die traditionell auf besondere Ereignisse hinweisen, werden mit ehrwürdigen aber auch distanzierten Attributen charakterisiert, die dem Militärwesen entnommen zu sein scheinen. Dagegen findet sich umgekehrt im dritten und im vierten Vers das anaphorische „schöner als“ (1,2) – ähnlich dem ‚crescendo‘ in der Musik – zur steigernden Preisung „viel schöner als“ (1,3) und schließlich „zu weit Schönrem berufen als“ (1,4) verstärkt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitende Bemerkungen: Das Kapitel führt in die literarische Debatte um „An die Sonne“ ein und etabliert den Ansatz, das Gedicht als Ausdruck eines ambivalenten Spannungsfeldes zwischen Licht und Schatten zu lesen.

II. Hauptteil: Der Hauptteil umfasst die detaillierte formale und inhaltliche Exegese der neun Strophen des Gedichts sowie deren Einordnung in Bachmanns lyrisches Gesamtwerk.

II.1. Formale Aspekte des Gedichts „An die Sonne“: Dieses Kapitel erläutert die symmetrische Strophenarchitektur und die lautmalerischen Strukturen, die der inhaltlichen Ambivalenz des Gedichts entsprechen.

II.2. Inhaltliche Analyse des Gedichts „An die Sonne“: Hier wird die strophische Entwicklung von der Anbetung der Sonne bis hin zum Verlust des Augenlichts analysiert.

II.2.1. 1. Strophe: Das Paradigma der Anbetung der Sonne: Analyse der einleitenden Strophe als Komparativsatz, der die Sonne als zentrales, lebenspendendes Gestirn positioniert.

II.2.2. 2. Strophe: Die Ambivalenz des Sonnenkreislaufes: Betrachtung der Sonne als lebensspendende, aber auch lebensverkürzende Kraft im Wechsel von Tag und Nacht.

II.2.3 3. Strophe: Ohne die Sonne: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Sonnenlicht und künstlerischer Erkenntnisfähigkeit sowie der Thematisierung des Schweigens.

II.2.4. 4. Strophe: Infragestellung des Lobpreises: Analyse der mütterlichen Personifizierung der Sonne und der formalen Unterhöhlung des Preisgesangs.

II.2.5. 5. Strophe: Höhepunkt des Gedichtes: Exegese des Mittelverses als Ausdruck einer existenziellen Bejahung oder demütiger Sprachlosigkeit in Anlehnung an das Buch Kohelet.

II.2.6. Strophen 6 und 7: Der Blick vom Nahen zum Fernen: Untersuchung der Wendung zur gegenständlichen Welt und der Symbolik der Farbe Blau.

II.2.7. Strophe 8: Blaue Poetik: Deutung der Farbe Blau als metapoetisches Element und Symbol für den fragilen Schöpfungsprozess.

II.2.8. Strophe 9: Die unersättlichen Augen: Analyse des Schlusses als Eingeständnis des notwendigen Augenverlusts als Voraussetzung für das Dichten.

III. Abschließende Betrachtungen: Zusammenfassende Bewertung von Bachmanns Poetologie, in der das Verstummen und der Sehverlust als Bedingung wahrer dichterischer Erkenntnis erscheinen.

IV. Literatur: Zusammenstellung der verwendeten Primärquellen und sekundärliterarischen Werke.

Schlüsselwörter

Ingeborg Bachmann, An die Sonne, Gedichtanalyse, Ambivalenz, Loblied, Klagelied, Lyrik, Sprachphilosophie, Metaphorik, Sehen, Verlust der Augen, Poetologie, Anrufung des Großen Bären, Schöpfung, Schweigen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Gedicht „An die Sonne“ von Ingeborg Bachmann und hinterfragt die traditionelle Einordnung als reines Preislied, indem sie die tiefgreifenden ambivalenten Strukturen des Textes aufdeckt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Spannung zwischen Licht und Dunkelheit, der dichterischen Berufung, der schmerzhaften Erkenntnis der Wahrheit und dem Verhältnis von Sprache und Schweigen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den „Verlust der Augen“ im Gedicht nicht bloß als tragisches Ende zu sehen, sondern als notwendige Bedingung für den dichterischen Erkenntnisprozess und die Schaffung echter Kunst zu begreifen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine textimmanente Analyse der formalen und inhaltlichen Strukturen, ergänzt durch komparatistische Bezüge zu anderen Werken Bachmanns sowie philosophische und biblische Kontexte.

Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?

Der Hauptteil bietet eine systematische Interpretation von der ersten bis zur neunten Strophe, wobei jede Strophe in ihrem formalen Aufbau und ihrer symbolischen Bedeutung präzise untersucht wird.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Neben dem Titelgedicht sind „Ambivalenz“, „Sehen“, „Sprachlosigkeit“, „Berufung zur Kunst“ und „Todeserfahrung“ die zentralen Konzepte der Untersuchung.

Warum wird der Verlust der Augen als positiv für den Dichter gewertet?

Der Text argumentiert, dass die schonungslose Realität für den Dichter nur durch den Verzicht auf konventionelles Sehen erträglich wird; der „Verlust“ ist somit eine Transformation, die den Weg zur wahren künstlerischen Wahrnehmung ebnet.

Wie bezieht sich die Arbeit auf die „Frankfurter Vorlesungen“ von Bachmann?

Die Arbeit nutzt Bachmanns Vorlesungen, um den Konflikt zwischen der „schlechten Sprache“ der Welt und dem utopischen Streben der Dichtung zu untermauern und das Motiv des Schweigens zu erklären.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Ingeborg Bachmanns 'An die Sonne': Lob- oder Klagelied?
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,0
Autor
Daniela Becker (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
27
Katalognummer
V43078
ISBN (eBook)
9783638409582
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ingeborg Bachmanns Sonne Lob- Klagelied
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Daniela Becker (Autor:in), 2004, Ingeborg Bachmanns 'An die Sonne': Lob- oder Klagelied?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43078
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  27  Seiten
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