Bei Organisationen handelt es sich um komplexe Gebilde. Sie koordinieren Aufgaben und Tätigkeiten unterschiedlichster, weit verstreuter und zumeist nicht gleichzeitig Anwesender. Sie entwickeln Ordnungsprinzipien, gestalten Hierarchien und formulieren Mitgliedschaftsbedingungen. Auch bei aller operativer Geschlossenheit gegenüber anderen Systemen sind sie auf die Gesamtgesellschaft angewiesen, um sich dauerhaft auf diese beziehen zu können. Dies stellt gleichzeitig die Grundbedingung ihrer Existenz dar. Eine Theorie, die sich mit der Komplexität sozialer Systeme befasst, muss diese Faktoren in Betracht ziehen. Sie muss auf Grundlage von Zufälligkeit, Überschuss sowie Vielschichtigkeit von kommunizierten Informationen die Operationsweise nicht einsehbarer operativer Strukturen darlegen können. Die Systemtheorie von Niklas Luhmann ermöglicht es, soziale Systeme in ihrer autopoietischen Operationsweise zu definieren.
In einem ersten Teil dieser Arbeit sollen Grundbegriffe der Systemtheorie vorgestellt werden, um diese dann in einem zweiten Teil auf den Sonderfall der Organisationssysteme anzuwenden. Ziel des ersten Kapitels ist es, systemtheoretische Grundannahmen darzulegen, ohne deren Verständnis eine Darstellung der Organisationssoziologie Niklas Luhmanns nicht möglich ist. Zunächst wird die Unterscheidung von Interaktions-, Organisations- und Gesellschaftssystemen dargestellt, im späteren Verlauf die Theorie der Autopoiese. So können Organisationen als selbstrefenzielle, wiederkehrende Abläufe bezeichnet werden. Eben dies macht die Formalisierung von Organisationssystemen aus.
Mit dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob es für moderne Organisationen genügt, sich ausschließlich auf formale Abläufe zu verlassen. Zusehends sind es informale Beziehungen, die Organisationen am Leben erhalten. Um Strukturelle Abläufe in Organisationen nachvollziehbar zu machen, wird zunächst auf die Strukturen formalisierter Organisationen eingegangen. Zu diesen zählen beispielsweise Hierarchien sowie die Kommunikation von Entscheidungen im Rahmen von Aushandlungsprozessen zwischen den einzelnen Mitgliedern. In einem letzten Abschnitt dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich feste formale Strukturen in modernen Organisationen durchbrechen lassen und es somit hierarchisch niedrig gestellten Mitgliedern möglich wird, selbst Macht- und Einflussmöglichkeiten zu erlangen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einführung und Definition zum Verständnis der Organisation
- Einleitung
- Grundüberlegungen zu den drei Systemtypen
- 2. Formale Organisationen
- Organisation als autopoetisches System
- Formalisierung von Verhaltenserwartungen
- Strukturen formalisierter Organisationen
- Hierarchien
- Kommunikation von Entscheidungen
- Akzeptanz der Hierarchie als Mitgliedschaftsbedingung
- 3. Informalität in Organisationen
- Brauchbare Illegalität
- 4. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit befasst sich mit modernen Organisationen unter systemtheoretischem Blickwinkel, wobei insbesondere formale und informelle Strukturen betrachtet werden. Ziel ist es, die Funktionsweise von Organisationen im Lichte der Systemtheorie von Niklas Luhmann zu analysieren.
- Autopoiesis von Organisationen als selbstreferenzielle, wiederkehrende Abläufe
- Formalisierung von Verhaltenserwartungen in Organisationen
- Strukturen formalisierter Organisationen, wie Hierarchien und Kommunikation von Entscheidungen
- Bedeutung informeller Beziehungen in modernen Organisationen
- Spannungsfeld zwischen formalen Strukturen und informellen Beziehungen
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel führt in die systemtheoretischen Grundlagen ein und stellt die Unterscheidung zwischen Interaktions-, Organisations- und Gesellschaftssystemen sowie das Konzept der Autopoiesis dar. Im zweiten Kapitel werden formale Organisationen als autopoetische Systeme beleuchtet, wobei die Formalisierung von Verhaltenserwartungen und die Strukturen formalisierter Organisationen, wie Hierarchien und Kommunikationsabläufe, analysiert werden. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Bedeutung von Informalität in Organisationen und der Rolle von "brauchbarer Illegalität".
Schlüsselwörter
Die Seminararbeit behandelt zentrale Konzepte der Systemtheorie, insbesondere die Autopoiesis, und wendet diese auf das Themenfeld moderner Organisationen an. Hierbei werden Themen wie Formalisierung, Strukturen, Hierarchien, Kommunikation, Informalität und "brauchbare Illegalität" beleuchtet.
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- Anonym (Author), 2018, Moderne Organisationen in systemtheoretischer Betrachtung. Formale und informale Strukturen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428694