Würden alle Akteure auf den Märkten nach dem Zitat von Michael Seemann handeln, wären alle Märkte vollkommen und transparent. Es gibt jedoch unvollkommene Märkte, die auf ein Informationsdefizit zwischen zwei Marktteilnehmern hindeuten. Wohingegen ein Teilnehmer besser informiert ist – auch genannt Agent – und ein Teilnehmer schlechter informiert ist – auch bezeichnet als Prinzipal. Dieses Phänomen eines unterschiedlichen Wissens – und Informationsstands nennt man asymmetrische Information. George Akerlof (1970) forschte erstmals auf diesem Gebiet und beschäftigte sich mit dem Prinzipal-Agenten-Theorem am Beispiel des Gebrauchtwagenmarktes in der USA. Informationsdefizite charakterisieren unvollkommene Märkte und können im schlimmsten Fall zu Marktversagen führen.
Ziel dieser Arbeit ist es, das Prinzipal-Agenten-Theorem auf ein Beispiel aus dem öffentlichen Sektor, nämlich die Arzt-Patienten-Beziehung, anzuwenden. Zur Hinführung auf die Forschungsfrage bedarf es der theoretischen Erklärung einiger Begriffe und einem Überblick über die Arten der Informationsasymmetrie und die Möglichkeiten, wie fehlende Informationen über das Marktgeschehen erlangt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Informationsasymmetrie
- Moral Hazard
- Adverse Selektion
- Das Aufdecken Asymmetrischer Information
- Signalling
- Screening
- Fallbeispiel aus dem öffentlichen Sektor
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit dem Prinzipal-Agenten-Theorem und dessen Anwendung auf ein Beispiel aus dem öffentlichen Sektor – die Arzt-Patienten-Beziehung. Es werden die verschiedenen Arten der Informationsasymmetrie, wie Moral Hazard und Adverse Selektion, sowie die Möglichkeiten, fehlende Informationen zu erlangen, erläutert.
- Definition der asymmetrischen Information und des Prinzipal-Agenten-Theorems
- Erklärung der Arten der Informationsasymmetrie: Moral Hazard und Adverse Selektion
- Analyse der Arzt-Patienten-Beziehung als Beispiel im öffentlichen Sektor
- Möglichkeiten zur Verminderung von Informationsasymmetrie durch Signalling und Screening
- Bedeutung der asymmetrischen Information für Marktversagen und die Gestaltung von Märkten
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung erläutert die Bedeutung von Informationsasymmetrie in unvollkommenen Märkten. Der Autor stellt das Prinzipal-Agenten-Theorem vor und erläutert, wie dieses auf die Arzt-Patienten-Beziehung im öffentlichen Sektor angewendet werden kann.
Informationsasymmetrie
Dieses Kapitel definiert den Begriff der Informationsasymmetrie und unterscheidet zwischen den beiden Arten: Moral Hazard und Adverse Selektion. Moral Hazard beschreibt die nachvertragliche Informationsasymmetrie, während Adverse Selektion die vorvertragliche Informationsasymmetrie darstellt.
Das Aufdecken Asymmetrischer Information
Das Kapitel stellt zwei Möglichkeiten vor, wie asymmetrische Information aufgedeckt werden kann: Signalling und Screening. Signalling beschreibt den Versuch des Agenten, seine Qualifikation und Fähigkeiten gegenüber dem Prinzipal zu signalisieren, während Screening den Versuch des Prinzipals darstellt, die Qualität des Agenten zu überprüfen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit dem Prinzipal-Agenten-Theorem, Informationsasymmetrie, Moral Hazard, Adverse Selektion, Signalling, Screening, Arzt-Patienten-Beziehung, öffentlicher Sektor, Marktversagen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Prinzipal-Agenten-Theorem?
Es beschreibt eine Beziehung, in der ein Auftraggeber (Prinzipal) eine Aufgabe an einen Auftragnehmer (Agent) delegiert, der über einen Informationsvorsprung verfügt (asymmetrische Information).
Wer ist Prinzipal und wer Agent in der Arzt-Patienten-Beziehung?
Der Patient ist der Prinzipal, da er die Heilung beauftragt. Der Arzt ist der Agent, da er über das medizinische Fachwissen verfügt und die Behandlungsschritte festlegt.
Was bedeutet „Moral Hazard“ im Gesundheitswesen?
Moral Hazard (nachvertragliche Informationsasymmetrie) liegt vor, wenn der Arzt Behandlungen durchführt, die medizinisch nicht zwingend notwendig sind, aber seinen Gewinn steigern, da der Patient dies nicht beurteilen kann.
Was ist der Unterschied zwischen Signalling und Screening?
Signalling ist die Strategie des Agenten (z. B. Arzt zeigt Diplome), um Qualität zu beweisen. Screening ist die Strategie des Prinzipals (z. B. Patient holt Zweitmeinung ein), um Informationen über den Agenten zu gewinnen.
Kann asymmetrische Information zu Marktversagen führen?
Ja, wenn das Vertrauen des Prinzipals verloren geht oder Agenten ihren Wissensvorsprung systematisch ausnutzen, kann dies zum Zusammenbruch des Marktes oder zu massiven Ineffizienzen führen.
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- Natalie Martini (Author), 2017, Wer ist Prinzipal, wer Agent? Fallbeispiel aus dem öffentlichen Sektor, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428539