In dieser Arbeit soll es um die Rolle der Häftlingsbordelle in nationalsozialistischen Konzentrationslagern gehen. Andere Bordellarten wie die SS-Bordelle oder Wehrmachtsbordelle werden in dieser Arbeit nicht weiter berücksichtigt. Dafür soll nicht nur die Bedeutung der Bordelle, für die Täter der SS analysiert werden. Um eine möglichst multiperspektive Arbeit über die Bordelle zu schreiben, wird auch die Bedeutung für die Zwangsarbeiterinnen und die Häftlinge, welche sowohl die Bordelle besuchten als auch nur gerüchteweise von ihnen erfuhren, eine zentrale Position in dieser Arbeit einnehmen. Auch sollen die über das Bordell konstruierten Geschlechtercodes in den Blick genommen werden, um diese in die nationalsozialistische Ideologie einzuordnen. Auch wenn die Zahlen der von der Sex-Zwangsarbeit Betroffenen, im Vergleich zu anderen Verbrechen der Nazis, marginal wirken, so war: „Zwangsprostitution in den Konzentrationslagern […] keine Marginalie, sondern – seit 1942 – konstitutiver Bestandteil des nationalsozialistischen Lagersystems.“
In dieser Arbeit berufe ich mich auf die Begriffe sexuelle Zwangsarbeit bzw. sexuelle Ausbeutung. Damit grenze ich mich vom Begriff der „Zwangsprostitution“ ab und möchte beide Begriffe auf die Häftlingsbordelle eingrenzen und mit diesen nicht die auch innerhalb der Häftlingsgesellschaft herrschende sexuelle Ausbeutung beschreiben. Auf Termini des NS, wie z.B. „Sonderbaracke“ welcher für die Bordelle stand, werde ich in dieser Arbeit, außer in Zitaten, versuchen zu verzichten. Im letzten Kapitel wird es um Geschlechtercodes gehen, dabei berufe ich mich auf das Gender-Konzept, welches u.a. auf Judith Butler zurückgeht. Kurz nach der Befreiung Deutschlands spielte das Thema der Häftlingsbordelle in vielen Abhandlungen eine Rolle.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das Häftlingsbordell
- Bedeutung der Konzentrationslager
- Befehl zur Errichtung
- Organisation & Verortung
- Die Sex-Zwangsarbeiterinnen
- Die Rekrutierung
- Lebensbedingungen
- Soziale Beziehungen
- Leben nach der Sex-Zwangsarbeit
- Häftlinge
- Die Bordellbesucher
- Widerstand
- Geschlechterkonstruktion
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Rolle der Häftlingsbordelle in nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Im Fokus steht die Analyse der Bedeutung dieser Bordelle für die SS, die Zwangsarbeiterinnen und die Häftlinge. Die Arbeit berücksichtigt auch die Konstruktion von Geschlechtercodes im Kontext der nationalsozialistischen Ideologie.
- Bedeutung der Häftlingsbordelle für die SS
- Lebensbedingungen und Erfahrungen der Sex-Zwangsarbeiterinnen
- Reaktionen und Widerstand der Häftlinge
- Geschlechterkonstruktionen im Kontext der Bordelle
- Die Rolle der Häftlingsbordelle im nationalsozialistischen Lagersystem
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 2 analysiert die Bedeutung der Häftlingsbordelle für die SS, indem es die Rolle der Konzentrationslager als Wirtschaftsunternehmen beleuchtet. Es untersucht den Befehl zur Errichtung der Bordelle und die Organisation und Verortung dieser innerhalb des Lagersystems.
Kapitel 3 befasst sich mit den Sex-Zwangsarbeiterinnen, ihrer Rekrutierung, ihren Lebensbedingungen und sozialen Beziehungen. Es analysiert auch die Situation der Frauen nach Beendigung der sexuellen Zwangsarbeit.
Kapitel 4 untersucht die Perspektive der Häftlinge, sowohl der Bordellbesucher als auch derer, die nur von den Bordellen hörten. Es analysiert auch Formen von Widerstand gegen die Zwangsprostitution.
Kapitel 5 beleuchtet die Geschlechterkonstruktionen im Kontext der Häftlingsbordelle und deren Einordnung in die nationalsozialistische Ideologie.
Schlüsselwörter
Häftlingsbordelle, sexuelle Zwangsarbeit, Konzentrationslager, Nationalsozialismus, SS, Zwangsprostitution, Geschlechterkonstruktionen, Widerstand, Überlebende, Erinnerungsdiskurs
Häufig gestellte Fragen
Was waren Häftlingsbordelle in Konzentrationslagern?
Es waren Einrichtungen der SS innerhalb der KZs, in denen Frauen zur sexuellen Zwangsarbeit gezwungen wurden, um die Arbeitsleistung männlicher Häftlinge zu steigern.
Warum bevorzugt die Arbeit den Begriff „sexuelle Zwangsarbeit“?
Der Begriff grenzt die systematische Ausbeutung durch die SS von freiwilliger Prostitution ab und verdeutlicht den Charakter der Sklavenarbeit.
Wer waren die Opfer dieser Zwangsarbeit?
Es handelte sich um weibliche KZ-Häftlinge, die oft unter falschen Versprechungen oder durch direkten Zwang rekrutiert wurden.
Wie war die Haltung der anderen Häftlinge zu den Bordellen?
Das Spektrum reichte von Bordellbesuchern über Häftlinge, die nur gerüchteweise davon wussten, bis hin zu Formen des aktiven Widerstands.
Welche Rolle spielte die NS-Ideologie bei diesen Bordellen?
Die Bordelle waren Teil eines Belohnungssystems und spiegelten die menschenverachtenden Geschlechtercodes und Machtstrukturen der Nationalsozialisten wider.
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- Paul Jonas (Author), 2018, Sexuelle Zwangsarbeit in Häftlingsbordellen der Konzentrationslager des Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428532