Sexismus tritt in allen Bereichen unseres Lebens auf. Ob Werbung, die Rollenklischees bedient, die noch immer großen Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen, welche sich auch negativ auf die Altersarmut von Frauen auswirken oder gar sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Jeder wird früher oder später – ob bewusst oder unbewusst – mit Sexismus konfrontiert. Auch die Schule ist von der Problematik nicht ausgeschlossen.
Das Deutsche Institut für Internationale pädagogische Forschung legte den Gesamtbericht "PISA 2009 - Bilanz nach einem Jahrzehnt" vor. Das Deutsche Bildungssystem habe sich zwar insgesamt deutlich verbessert, jedoch seien geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede nach wie vor deutlich. Mädchen zeigen höhere Leistungen im Lesen, wogegen Jungen im mathematischen Bereich glänzen konnten (Gender und Schule, 2018). Diese Leistungs- und Interessenunterschiede wirken sich auch auf die spätere Berufswahl aus. Einige Ausbildungsberufe, die bei Frauen in den Top 10 liegen, wie Friseur*in, Zahn-/medizinische*r Fachangestellte*r oder Verwaltungsfachangestellte*r liegen bei Männern zwischen dem 31. Und 134. Rang der beliebtesten Ausbildungsberufe (Beicht, 2014). Um dem entgegenzuwirken entstanden Initiativen wie die Girls‘ Day und später auch Boys‘ Day Aktionstage um den Schülern einen Einblick in Berufe zu bieten, die nicht den Geschlechterklischees entsprechen (girls-day.de, 2018).
Das deutsche Bildungssystem setzt sich also bereits mit der Thematik des Sexismus und Lösungsansätzen auseinander. Doch was genau ist Sexismus und welche Rolle spielt Geschlechterbezogene Diskriminierung an Schulen? Welche Folgen haben Geschlechterstereotype für Schüler*innen und wie kann dem entgegengewirkt werden?
Die Frage, wie sich Sexismus äußert, welche Auswirkungen das auf Schulen hat und wie damit umgegangen werden kann, soll in der folgenden Arbeit thematisiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Relevanz von Sexismus heute
2 Sexismus als Form struktureller Gewalt
2.1 Geschlechterstereotype und deren Folgen
2.1.1 Entstehung von Genderrollen
2.1.2 Folgen von Geschlechterstereotypen
2.2 Äußerung von Sexismus im Alltag
3 Sexismus an Schulen
3.1 Differentielle Bildungsbeteiligung von Jungen und Mädchen
3.2 Geschlechterdifferenzierte Schulleistungen
3.3 Sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze
3.4 Möglichkeiten zum Umgang mit Sexismus an Schulen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Phänomen Sexismus als Form struktureller Gewalt und untersucht dessen spezifische Auswirkungen auf das deutsche Bildungssystem sowie die daraus resultierenden geschlechterbezogenen Bildungsdisparitäten.
- Definition und Erscheinungsformen von Sexismus (modern, neosexistisch, ambivalent)
- Entstehung und Wirkung von Geschlechterstereotypen im schulischen Kontext
- Analyse der Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen in verschiedenen Fächern
- Sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze für Bildungsungleichheiten
- Konzepte für eine reflektive Koedukation zur Förderung der Chancengleichheit
Auszug aus dem Buch
2.2 Äußerung von Sexismus im Alltag
Die Erscheinungsformen des alltäglichen Sexismus haben sich im Laufe der Zeit, auch mit einer Annäherung der Arbeitsfelder und dem langsamen aufbrechen der Rollenbilder verändert. Sexismus ist weniger offensiv, er ist subtiler geworden. Sozialpsychologisch lassen sich drei subtile Formen von Sexismus unterschieden: der moderne Sexismus, der Neosexismus und der ambivalente Sexismus (Becker, 2014).
Die Ideen des modernen Sexismus und des Neosexismus entstanden im Rahmen einer Messung „um versteckte Vorurteile gegenüber Frauen“(ebd.) nachzuweisen. Beide Formen gleichen sich in der Negierung der derzeitig vorherrschenden Ungleichheit und darin, dass Maßnahmen gegen Sexismus verhindert werden. Den Neosexismus betrifft außerdem der Konflikt zwischen der eigentlichen Wertevorstellung, dass Männer und Frauen gleich behandelt werden sollen, gleichzeitig aber einer Ablehnung aufgrund negativer Einstellung Frauen gegenüber (ebd.). Die drei Komponenten „Leugnung fortgesetzter Diskriminierung“, „Widerstand gegen vermeintliche Privilegien der Frauen“ und „Ablehnung von Forderung nach Gleichbehandlung“ vereinen dabei beide Konzepte. Die Differenzierung beider Konzepte ist zwar herausfordernd, jedoch lässt sich sagen, dass Fokus des modernen Sexismus eher auf der ersten Komponente, der Leugnung der Diskriminierung liegt, während der Neosexismus hauptsächlich die letzten beiden Komponenten abbildet (ebd.).
Die Besonderheit des ambivalenten Sexismus liegt darin, dass sich die Diskriminierung nicht nur negativ äußert, sondern auch vermeintlich positive „gut gemeinte“ Aussagen und Handlungen zur Aufrechterhaltung eines Sexistischen Systems beitragen (Becker, 2014). Der ambivalente Sexismus ergibt sich also aus einem Zusammenspiel aus Hostilem und benevolentem Sexismus (ebd.). Der feindselige (hostile) Sexismus zeichnet sich durch die Einstellung aus, dass Statusvorteile der Männer gerechtfertigt und verdient sind. Dementsprechend sehen sie in feministischen Ideologien und Frauen, die nicht dem gängigen Rollenbild entsprechen eine Bedrohung, die sie abzuwerten versuchen (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Relevanz von Sexismus heute: Einführung in die Thematik des Sexismus und Darstellung der anhaltenden Relevanz geschlechtsspezifischer Leistungsunterschiede im Bildungswesen.
2 Sexismus als Form struktureller Gewalt: Theoretische Herleitung von Sexismus sowie Analyse der Entstehung von Genderrollen und verschiedenen subtilen Formen des Sexismus.
3 Sexismus an Schulen: Untersuchung der Bildungsbeteiligung und Leistungsunterschiede von Jungen und Mädchen sowie sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze und pädagogische Handlungsmöglichkeiten.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse mit einem Plädoyer für mehr Geschlechterbewusstsein in der Lehrerausbildung.
Schlüsselwörter
Sexismus, Geschlechterstereotype, strukturelle Gewalt, Bildungsdisparitäten, Genderrollen, Koedukation, Leistungsunterschiede, Schulleistungen, Sozialwissenschaft, Chancengleichheit, Benevolenter Sexismus, Hostiler Sexismus, Neosexismus, Diskriminierung, Bildungssystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung von Sexismus als Form struktureller Gewalt und dessen Auswirkungen auf Bildungsbiografien und Schulleistungen von Jungen und Mädchen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Sexismus, die psychologische Entstehung von Geschlechterstereotypen sowie die Analyse von Bildungsungleichheiten im deutschen Schulsystem.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Ursachen und Folgen geschlechterbezogener Bildungsdisparitäten aufzuzeigen und Ansätze zur Förderung der Chancengleichheit zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender sozialwissenschaftlicher Studien und PISA-Berichte, um einen theoretischen Überblick über das Phänomen zu geben.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie sich Sexismus im Alltag äußert, warum Jungen häufiger als "Bildungsverlierer" gelten und welche Rolle Lehrkräfte sowie gesellschaftliche Erwartungshaltungen spielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sexismus, Geschlechterstereotype, Bildungsdisparitäten, Genderrollen und Koedukation.
Warum schneiden Mädchen bei Lesekompetenzen oft besser ab?
Dies wird unter anderem auf motivationale Merkmale und unterschiedliche Lesegewohnheiten der Geschlechter zurückgeführt, wobei Jungen oft eine negativere Einstellung zum Lesen zeigen.
Was besagt das Konzept der "reflektiven Koedukation"?
Es fordert ein kritisch hinterfragtes Schulleben, in dem Schüler für Stereotype sensibilisiert und individuelle Kompetenzen beider Geschlechter gleichermaßen gefördert werden.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Sexismus als Form struktureller Gewalt an Schulen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424382