Erving Goffmans Werk „The Presentation of Self in Everyday Life“ („Wir alle spielen Theater - Die Selbstdarstellung im Alltag“) ist Grundlage dieser Vordiplomshausarbeit. Es thematisiert die Interaktion, setzt also die Kopräsenz von mindestens zwei Anwesenden voraus, wobei „die Selbstdarstellung die primäre Informationsquelle ist.
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Wesentlich an Goffmans Werk ist, dass seine soziologischen Beschreibungen auf der Metapher des „Theatrum mundi“ basieren. Er schildert also die Selbstdarstellung im Alltag in Analogie zum Bühnenschauspiel und bedient sich einer der Theaterwelt entlehnten Sprache. In dieser Hausarbeit werde ich Kernaussagen aus „Wir alle spielen Theater“ festhalten, mich ferner einzelnen sich ergebenen Gesichtpunkten kritisch widmen und abschließend zu Goffmans Theatermetapher einige Überlegungen anstellen. Meine Hausarbeit ist nach folgendem Konzept aufgebaut.
Um dem Leser einen Eindruck von Goffman selbst zu vermitteln, werde ich im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit mit einer Biographie des Autors beginnen, bei der auch kleine, für seine Arbeiten bedeutungsvolle Hinweise zu seinem Charakter zu finden sind. Allerdings verzichte ich auf eine chronologische Aufzählung seiner Werke, dies würde hier den Rahmen sprengen. Anschließend fasse ich Goffmans Grundgedanken zu seinen sieben Kapiteln mit ihren Unterpunkten synchron zu seinem eigenen Inhaltsverzeichnis unter dem Abschnitt „Wir alle spielen Theater“ zusammen und gebe dezente Stellungnahmen. Auf die „Vorworte“ von Lord Ralf Dahrendorff sowie von Goffman selbst beziehe ich mich erst im Fazit, weil diese Hintergründe sowie weiterführende Fragestellungen thematisieren und für den eigentlichen Inhalt des Buches sowie an dieser Stelle der Hausarbeit weniger relevant sind. Ferner ignoriere ich hier das achte Kapitel „Zusammenfassung“, da ich mich mit diesem Aspekt selbst im Abschnitt „IV. „Wir alle spielen Theater““ beschäftige. Durch diese Zusammenfassung von Goffmans Leitgedanken zur Selbstdarstellung im Alltag kann sich der Leser nun einen Überblick über Goffmans Buch verschaffen. Daraufhin werden im letzten Gliederungspunkt dem „Fazit“ einige wesentliche Aspekte des Werkes aus soziologischer Sicht konkludiert. Hier setzte ich mich unter anderem mit der von Goffman gewählten „Theatermetapher“ kritisch auseinander.
Inhaltsverzeichnis
II. Einleitung
III. Biographie
IV. „Wir alle spielen Theater“
1. Einleitung
2. Darstellungen
2.1 Der Glaube an die eigene Rolle
2.2 Fassade
2.3 Dramatische Gestaltung
2.4 Idealisierung
2.5 Ausdruckskontrolle
2.6 Unwahre Darstellungen
2.7 Mystifikation
2.8 Dichtung und Wahrheit
3. Das Ensemble
4. Ort und ortsbestimmtes Verhalten
5. Sonderrollen
6. Kommunikation außerhalb der Rolle
6.1 Behandlung der Abwesenden
6.2 Regieanweisungen und Inszenierungsgespräche
6.3 Ensemble-Verschwörung
6.4 Neugruppierungen
7. Die Technik der Eindrucksmanipulation
7.1 Eigenschaften und Maßnahmen der Verteidigung
7.1.1 Dramaturgische Loyalität
7.1.2 Dramaturgische Disziplin
7.1.3 Dramaturgische Sorgfalt
7.2 Schutzmaßnahmen
7.3 Takt und seine Erwiderung
V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Erving Goffmans soziologische Studie „Wir alle spielen Theater“ (The Presentation of Self in Everyday Life). Das Hauptziel besteht darin, die zentralen Thesen der dramaturgischen Metapher zu erläutern, kritisch zu hinterfragen und die Übertragbarkeit des Theatermodells auf soziale Alltagssituationen zu analysieren.
- Grundlagen der Selbstdarstellung im Alltag
- Die Theatrum-Mundi-Metapher bei Goffman
- Strukturen von Ensembles und Rollenverhalten
- Unterscheidung zwischen Vorderbühne und Hinterbühne
- Strategien zur Eindrucksmanipulation und deren Verteidigung
Auszug aus dem Buch
2.2 Fassade
Jener Part der Darstellung, der das „standardisierte Ausdrucksrepertoire, das der Einzelne im Verlauf seiner Vorstellung bewusst oder unbewusst anwendet“ (Goffman 2004, 23), präsentiert, bezeichnet Goffman als „Fassade“. Diese Fassade enthält die Elemente des Bühnenbildes sowie die der persönlichen und sozialen Fassade. Die szenischen Komponenten wie Möbelstücke und Dekorationselemente gehören in das „Bühnenbild“, das ein gestalteter Raum ist, in dem z.B. das Individuum auftritt. Jener Raum kann eine Wohnung o.Ä. sein.
Als „persönliche Fassade“ bezeichnet man die Ausdrucksmittel, „die wir am stärksten mit dem Darsteller identifizieren und von denen wir erwarten, daß er sie mit sich herumträgt.“ (Goffman 2004, 25). Solche Fassaden beinhalten Merkmale wie Kleidung, Alter, Größe etc..
Die „soziale Fassade“ umfasst soziale Erwartungsmuster bezogen auf eine entsprechende Rolle; z.B. wie sich ein Pfarrer in der Gesellschaft verhalten sollte.
Für verschiedene Rollen können die gleichen Fassaden gewählt werden. Die abstrakten stereotypen Erwartungen an solche Fassaden können zur Folge haben, dass die soziale Fassade institutionalisiert wird. „Die Fassade wird zu einer „kollektiven Darstellung“ und zum Selbstzweck“ (Goffman 2004, 28). Somit nimmt der Darsteller nicht nur eine soziale Rolle an, sondern auch die zur „dramatischen Gestaltung“ zählende entsprechende Fassade.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung bettet das Werk in den soziologischen Kontext ein und erläutert das Konzept der Vordiplomshausarbeit, die sich auf Goffmans Analyse der Selbstdarstellung konzentriert.
Biographie: Dieser Abschnitt skizziert den Lebensweg Erving Goffmans und hebt prägende Stationen seiner akademischen Karriere sowie die Bedeutung seiner Feldforschung hervor.
„Wir alle spielen Theater“: Dieses umfangreiche Kapitel fasst Goffmans sieben Kernaspekte – von Darstellungen über das Ensemble bis hin zur Eindrucksmanipulation – zusammen und stellt den Bezug zum gesellschaftlichen Alltag her.
Fazit: Das Fazit reflektiert kritisch über die Anwendbarkeit der Theatermetapher auf die Realität und diskutiert die Stärken sowie Grenzen von Goffmans Modell.
Schlüsselwörter
Selbstdarstellung, Goffman, Theatermetapher, Soziologie, Interaktion, Vorderbühne, Hinterbühne, Ensemble, Rollenverhalten, Eindrucksmanipulation, Maske, soziale Identität, Alltagssituationen, dramaturgische Disziplin, Status.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Erving Goffmans klassisches soziologisches Werk „Wir alle spielen Theater“ und untersucht, wie Goffman soziale Interaktionen durch den Vergleich mit einem Bühnenschauspiel erklärt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Mechanismen der Selbstdarstellung, die Bedeutung von räumlichen Trennungen in Vorder- und Hinterbühnen sowie die Techniken, mit denen Individuen versuchen, ihre Rollen aufrechtzuerhalten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist die systematische Zusammenfassung von Goffmans Grundgedanken und eine kritische Auseinandersetzung mit der These, dass unser soziales Leben auf dramaturgischen Prinzipien basiert.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Verfasserin?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse des Originalwerkes, die durch eine kritische Reflexion und die Einbeziehung soziologischer Fachliteratur ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Goffmans sieben Kapitel (Darstellungen, Ensemble, Ort/Verhalten, Sonderrollen, Kommunikation, Technik der Eindrucksmanipulation) detailliert zusammengefasst und kommentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Selbstdarstellung, Interaktion, Theatermetapher, Eindrucksmanipulation und soziale Identität geprägt.
Wie unterscheidet Goffman zwischen Vorderbühne und Hinterbühne?
Die Vorderbühne ist der Ort der öffentlichen Darstellung, an dem soziale Normen eingehalten werden müssen. Die Hinterbühne dient als privater Rückzugsort, an dem die Maske abgelegt und Geheimnisse bewahrt werden können.
Welchen Stellenwert nimmt die "Maske" in der Analyse ein?
Die Maske ist ein zentrales Symbol für die Rolle, die ein Individuum einnimmt. Die Arbeit diskutiert die Kritik daran, ob Menschen eine oder mehrere Masken tragen und wie sich diese zur eigenen Identität verhalten.
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- Melanie Schmidt (Author), 2005, Wir alle spielen Theater, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42430