Ziel der Untersuchung ist es, herauszufinden, ob die sich in Simonini widerspiegelnden judenfeindlichen Ansichten des 19. Jahrhunderts Hitlers antisemitische Weltanschauung entscheidend mitgeprägt haben. Selbstverständlich kommen in „Il Cimitero di Praga“ auch viele andere Antisemiten zu Wort, die Hitlers Weltbild in einigen Punkten sehr nahestanden. Um dem begrenzten Umfang dieser Arbeit Rechnung zu tragen, werden allerdings nur Äußerungen Simoninis analysiert sowie die derjenigen Personen, deren Einfluss auf sein Weltbild explizit erwähnt wird. Fraglich ist, ob Simonini sämtliche Thesen der von ihm angefertigten Protokolle auch selbst glaubt. Da der Text jedoch reichlich Grund zur Annahme bietet, dass diese aus seinen Überzeugungen entstanden und er die Fähigkeit besitzt, sich von seinen eigenen Schriften überzeugen zu lassen, werden auch diese untersucht. Das Augenmerk liegt dabei auf den beiden Werken, welche die antisemitischen Gesinnungen von Simonini und Hitler am authentischsten wiedergeben können: „Il Cimitero di Praga“ von Umberto Eco und „Mein Kampf“ von Adolf Hitler.
„Die Juden sind unser Unglück!“ So formulierte es Heinrich von Treitschke 1879 in seinen „Preußischen Jahrbüchern“. Nicht ohne Grund fand dieses Zitat achtundvierzig Jahre später seinen Weg auf jede Titelseite des nationalsozialistischen Hetzblatts „Der Stürmer“. Im selben Jahr, in dem die antisemitischen Passagen im Werk des damals bekanntesten deutschen Historikers eine nationale Debatte ins Rollen brachten, prägte der ähnlich gesinnte Journalist Wilhelm Marr jenen Begriff, unter dem noch heute weithin alle Formen der Judenfeindlichkeit zusammengefasst werden: „Antisemitismus“. Der Schöpfer dieses Wortes ging wie viele seiner Zeitgenossen von der erwiesenermaßen falschen Annahme aus, dass es so etwas wie eine „semitische Rasse“ gebe, welche wiederum anderen Rassen unterlegen sei.
Inhaltsverzeichnis
- EINLEITUNG
- HAUPTTEIL
- Charaktereigenschaften und äußerliche Merkmale der Juden
- Judentum und Religion
- Juden als Feinde des Christentums
- Juden als Rasse
- Juden als „Staat im Staate“
- Juden und Kapitalismus
- Juden als Verschwörer mit dem Ziel der Weltherrschaft
- Juden und Kommunismus
- Juden und ihr Einfluss auf Kultur und Medien
- Konsequenzen für den Umgang mit Juden
- FAZIT
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, den Antisemitismus von Simone Simonini und Adolf Hitler anhand der Werke „Il Cimitero di Praga“ von Umberto Eco und „Mein Kampf“ von Adolf Hitler zu vergleichen. Dabei soll untersucht werden, ob der Judenhass Simoninis als geistige Grundlage für den Antisemitismus Hitlers betrachtet werden kann.
- Analyse der antisemitischen Stereotype in „Il Cimitero di Praga“ und „Mein Kampf“
- Vergleich der antisemitischen Argumentationsmuster bei Simonini und Hitler
- Bewertung der Rolle des 19. Jahrhunderts als Nährboden für antisemitisches Gedankengut
- Untersuchung der Parallelen zwischen dem fiktiven und dem realen Antisemitismus
- Erarbeitung einer möglichen Verbindung zwischen Simoninis Judenbild und Hitlers Ideologie
Zusammenfassung der Kapitel
Das Kapitel „EINLEITUNG“ beleuchtet die Geschichte des Antisemitismus, beginnend in der Antike bis hin zum 19. Jahrhundert. Es werden verschiedene Motive für Judenfeindlichkeit, wie z.B. religiöse Differenzen, die Zuschreibung der „Kollektivschuld“ für die Ermordung Jesu Christi, die Ablehnung des Judentums als „falscher“ Glaube und die Verfolgung als „Fremdkörper“ in der Gesellschaft, dargestellt. Der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung des Antisemitismus als politischer Ideologie im 19. Jahrhundert.
Das Kapitel „HAUPTTEIL“ analysiert die antisemitischen Stereotype, die in den Werken von Umberto Eco und Adolf Hitler verwendet werden. Es werden die Charaktereigenschaften und äußeren Merkmale der Juden, ihre Rolle im Judentum und in der Religion, ihre Position als „Staat im Staate“, ihre Beziehung zum Kapitalismus und Kommunismus, sowie ihr Einfluss auf Kultur und Medien beleuchtet. Im Fokus stehen die Parallelen und Unterschiede zwischen den beiden Werken, die sich auf die antisemitischen Argumente und Stereotype beziehen.
Schlüsselwörter
Antisemitismus, Judentum, Christentum, Stereotype, Rasse, Kapitalismus, Kommunismus, „Staat im Staate“, „Il Cimitero di Praga“, Umberto Eco, „Mein Kampf“, Adolf Hitler, Verschwörungstheorien, Weltherrschaft, Geschichte, 19. Jahrhundert, Ideologie.
Häufig gestellte Fragen
Welche Werke werden in dieser Arbeit verglichen?
Verglichen werden Umberto Ecos Roman „Il Cimitero di Praga“ (Der Friedhof in Prag) und Adolf Hitlers „Mein Kampf“.
Wer ist die Figur Simone Simonini?
Simonini ist ein fiktiver Fälscher bei Eco, der die antisemitischen Vorurteile und Verschwörungstheorien des 19. Jahrhunderts in sich vereint.
Welche antisemitischen Stereotype tauchen in beiden Werken auf?
Beide Texte nutzen Motive wie die angebliche jüdische Weltverschwörung, den Einfluss auf das Kapital sowie die Behauptung, Juden seien ein „Staat im Staate“.
Wie prägte das 19. Jahrhundert Hitlers Weltbild?
Das 19. Jahrhundert lieferte den pseudowissenschaftlichen Rassismus und Begriffe wie „Antisemitismus“ (Wilhelm Marr), auf denen Hitler später seine Ideologie aufbaute.
Was ist das Ziel des Vergleichs zwischen Fiktion und Realität?
Die Arbeit will aufzeigen, wie tief verwurzelt antisemitische Narrative in der europäischen Kultur waren und wie literarische Fälschungen reale politische Katastrophen vorbereiteten.
- Quote paper
- Finn Giese (Author), 2016, Ein Vergleich des Antisemitismus Simone Simoninis und Adolf Hitlers anhand von "Il Cimitero di Praga" und "Mein Kampf", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423957