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Quellenmaterial zur Entstehung der Novelle 'Lenz' von Georg Büchner: Ein Vergleich

Title: Quellenmaterial zur Entstehung der Novelle 'Lenz' von Georg Büchner: Ein Vergleich

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 36 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Ana Jo. Quiles Porta (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Einleitung

Der dramatische Dichter ist in meinen Augen nichts, als ein Geschichtsschreiber, steht aber über letzterem dadurch, dass er uns die Geschichte zum zweiten Mal erschafft und uns gleich unmittelbar, statt eine trockene Erzählung zu geben, in das Leben einer Zeit hineinversetzt, uns statt Charakteristiken Charaktere und statt Beschreibungen Gestalten gibt1.

Büchner gelingt es, die Geschichte des Dichters Lenz ein zweites Mal zu erzählen. Er geht bei der Erstellung seiner Novelle recherchenhaft vor und zeichnet sein subjektives Bild von den Leiden des Sturm- und Drangdichters Lenz. Das Zusammenspiel seiner eigenen persönlichen Erfahrungen und die Ergebnisse seiner umfangreichen Recherchen über die Person Lenz lassen ihn ein für seine Zeit einzigartiges Werk erschaffen. Ein Werk, bei dem die individuellen Denkprozesse des Protagonisten im Vordergrund stehen.

Büchner stellt in der Novelle Lenz die Leiden des Sturm und Drang Dichters J.M.R. Lenz in den Vordergrund und gibt dem Leser einen Einblick in die Welt des dem Wahnsinn verfallenen Dichters. Er bezieht sich in der Novelle auf den Aufenthalt von J.M.R. Lenz in der Zeit vom 20. Januar bis zum 08. Februar 1778 in Waldbach bei Pfarrer Friedrich Oberlin. Friedrich Oberlin selber verfasste über diesen Aufenthalt des Dichters im Steintal einen Rechtfertigungsbericht. Dieser Bericht war Büchner bekannt.

Einige Literaturwissenschaftler machen Georg Büchner den Vorwurf, er wäre ein Plagiator und hätte Oberlins Bericht übernommen2. Die Person Lenz ist außerdem Gegenstand einer Reihe weiterer Publikationen unterschiedlicher Autoren. Büchner greift auf diese literarischen Quellen bei der Erstellung seiner Arbeit zurück.

Hierbei handelt es sich um Goethes Dichtung und Wahrheit3 sowie die Novelle von Paul Merlin, einer Trivialisierung des Lenz Stoffes. Auch Der Runenberg (Ludwig Tieck, 1802) diente Büchner ebenfalls als Quelle für seine Umsetzung des Lenz-Stoffes. Tiecks Novellen zeichnen sich durch die für die Romantik typischen Themen der „Seelenlandschaften“ und der „Verlandschaftung der Seele“ aus.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen exemplarischen Quellenvergleich zwischen Büchners Novelle Lenz und weiteren Publikationen über J.R.M. Lenz anzustellen. Diese Arbeit wird zeigen, dass Büchner, obwohl er sich der unterschiedlichen literarischen Quellen genutzt hat, keinesfalls als Plagiator bezeichnet werden darf. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur historischen Vorlage

2.1.Büchners Begegnung mit den Schriften des historischen Lenz

2.2.Büchners Interesse an Lenz

3. Büchners Lenz im Vergleich zu Johann Friedrich Oberlins Bericht Herr L… in der Druckfassung Der Dichter Lenz im Steintale durch August Stöber

3.1. Büchners Novellenanfang im Vergleich zu Oberlins Bericht

3.3. Büchners Darstellung der Erkrankung Lenz im Vergleich zu Oberlins Bericht

3.3. Oberlin und Lenz

4. Das Kunstgespräch

5. Le Pasteur Oberlin von Paul Merlin

6. Der Runenberg von Ludwig Tieck

7. Goethe: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit

8. Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, einen exemplarischen Quellenvergleich zwischen Georg Büchners Novelle Lenz und weiteren zeitgenössischen Publikationen über den historischen Dichter J.M.R. Lenz durchzuführen. Dabei soll nachgewiesen werden, dass Büchner trotz der Nutzung verschiedener literarischer Vorlagen keine plagiatorische Arbeit geleistet hat, sondern durch seine individuelle „reproduktive Phantasie“ und den Perspektivwechsel ein eigenständiges Werk von hoher literarischer Bedeutung geschaffen hat.

  • Analyse der historischen Vorlage und Büchners Quellenrecherche.
  • Gegenüberstellung von Büchners Lenz und Oberlins Rechtfertigungsbericht.
  • Untersuchung der psychologischen Darstellung der Schizophrenie bei Büchner.
  • Die Funktion des Kunstgesprächs als Wendepunkt und Ideologiekritik.
  • Vergleichende Betrachtung von Einflüssen durch Paul Merlin, Ludwig Tieck und Goethe.

Auszug aus dem Buch

3.1 Büchner Novellenanfang im Vergleich zu Oberlins Bericht

„Den 20. Januar 1778 kam er hier her. Ich kannte ihn nicht.“ 18

So beginnt der Anfang von Oberlins Aufzeichnung, über Lenz’ Wanderung im Steintal verliert er kein Wort. Diese Wanderung ist von Büchner als Kulisse konstruiert worden, die er nutzt, um die emotionale Verfassung des Protagonisten widerzuspiegeln und den Leser mit den Gefühlen und Gedanken des Protagonisten zu konfrontieren:

„Den 20. ging Lenz durchs Gebirg. Die Gipfel und hohen Bergflächen im Schnee, die Täler hinunter graues Gestein, grüne Flächen, Felsen und Tannen. Es war naßkalt, das Wasser rieselte die Felsen hinunter und sprang über den Weg. Die Äste der Tannen hingen schwer herab in die feuchte Luft. Am Himmel zogen graue Wolken, aber alles so dicht, und dann dampfte der Nebel herauf und strich schwer und feucht durch das Gesträuch, so träg, so plump.“ 19

Diese Illustration der Natur gibt die Gefühlswelt des Protagonisten wieder. Die Stimmung, die durch eine Aneinanderreihung von Adjektiven transportiert wird (träg, plump, feucht, schwer dicht und kalt), vermittelt dem Leser die emotionalen Schwankungen Lenzens auf dem Weg nach Waldbach. Mit den genannten Adjektiven bringt Büchner dem Leser den entleerten, kraftlosen Lenz und dessen Stimmungsschwankungen nah. Schon in diesen ersten Sätzen verweist Büchner auf die Begegnung des Subjektes Lenz mit der Dynamik der Natur. Büchner kontrastiert Berggipfel mit flachen Tälern und den weißen Schnee mit grau/grünem Gestein. Die Symbolik der Natur wird genutzt, um Gegensätze im Gefühlsleben des Protagonisten auszudrücken.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Zielsetzung ein, Büchners literarische Arbeitsweise als eigenständige Leistung gegenüber der Plagiatsvorwürfe zu verteidigen.

2. Zur historischen Vorlage: Dieses Kapitel skizziert die biographischen Hintergründe des historischen J.M.R. Lenz und die Faktoren, die ihn für Georg Büchner als Studienobjekt interessant machten.

3. Büchners Lenz im Vergleich zu Johann Friedrich Oberlins Bericht Herr L… in der Druckfassung Der Dichter Lenz im Steintale durch August Stöber: Hier wird der Kontrast zwischen Oberlins protokollarischem Rechtfertigungsbericht und Büchners emphatischer, psychologisierender Erzählweise herausgearbeitet.

4. Das Kunstgespräch: Das Kapitel analysiert den zentralen Monolog über Ästhetik und Realismus, der den Wendepunkt der Novelle markiert und Büchners Idealismuskritik verdeutlicht.

5. Le Pasteur Oberlin von Paul Merlin: Es wird untersucht, wie Merlin den Lenz-Stoff zu einer idealisierten, christlich-erbaulichen Geschichte umformt.

6. Der Runenberg von Ludwig Tieck: Die Analyse zeigt Parallelen in der Naturdarstellung und der Thematisierung des Wahnsinns auf, ohne die fundamentalen Unterschiede im Menschenbild zu vernachlässigen.

7. Goethe: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit: Dieses Kapitel belegt, wie Büchner gezielt die äußeren Attribute aus Goethes distanzierter Beschreibung übernimmt, um diese in sein verständnisvolles Porträt zu integrieren.

8. Schluss: Das Fazit bestätigt Büchners revolutionären Ansatz bei der Darstellung psychischer Krankheit und betont die literarische Einzigartigkeit seines Werkes.

Schlüsselwörter

Georg Büchner, J.M.R. Lenz, Quellenvergleich, Novelle Lenz, Oberlin-Bericht, Schizophrenie, Realismus, Idealismuskritik, Sturm und Drang, Literaturanalyse, Psychopathologie, Wahnsinnsdarstellung, Quellenkritik, Literarische Vorlagen, Romantik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den intertextuellen Bezug zwischen Büchners Novelle "Lenz" und verschiedenen zeitgenössischen Quellen wie dem Bericht von Pfarrer Oberlin sowie Texten von Goethe und Tieck.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die literarische Verarbeitung von Wahnsinn, das Spannungsverhältnis zwischen Idealismus und Realismus in der Kunst sowie die psychologische Rekonstruktion einer historischen Figur.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Hauptziel ist der Nachweis, dass Büchner kein bloßer Plagiator war, sondern durch eine spezifische ästhetische Gestaltung und Perspektivwahl ein völlig eigenständiges, revolutionäres Werk geschaffen hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Methode des komparativen Quellenvergleichs, indem sie Textstellen aus Büchners Novelle direkt neben die entsprechenden Passagen der Vorlagen stellt, um Differenzen in Intention und Darstellung zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in den Vergleich mit dem zentralen Oberlin-Bericht, eine Analyse des Kunstgesprächs als philosophischem Kern der Novelle sowie vergleichende Untersuchungen zu Paul Merlin, Ludwig Tieck und Johann Wolfgang von Goethe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Georg Büchner, Quellenvergleich, Schizophrenie, Realismus, Idealismuskritik sowie die historische Figur J.M.R. Lenz.

Warum ist das Kunstgespräch für die Novelle so entscheidend?

Das Kunstgespräch bildet das Zentrum der Erzählung und teilt sie in zwei Hälften; es ist die einzige Stelle, an der Lenz in fließenden Sätzen spricht und seine ästhetische Überzeugung gegen den bürgerlichen Idealismus darlegt.

Inwiefern unterscheidet sich Büchners Darstellung von der Oberlins?

Während Oberlin den kranken Lenz aus einer distanzierten, moralisierenden und belehrenden Perspektive als "monströs" beschreibt, wählt Büchner eine einfühlsame, personale Erzählweise, die dem Leser die Innenwelt und die Angst des Protagonisten unmittelbar erfahrbar macht.

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Details

Title
Quellenmaterial zur Entstehung der Novelle 'Lenz' von Georg Büchner: Ein Vergleich
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"
Course
Georg Büchner
Grade
1,7
Author
Ana Jo. Quiles Porta (Author)
Publication Year
2005
Pages
36
Catalog Number
V42229
ISBN (eBook)
9783638403160
Language
German
Tags
Quellenmaterial Entstehung Novelle Lenz Georg Büchner Vergleich Georg Büchner
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ana Jo. Quiles Porta (Author), 2005, Quellenmaterial zur Entstehung der Novelle 'Lenz' von Georg Büchner: Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42229
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