Im Laufe meiner Praktika habe ich erfahren, dass sich viele Lehrpersonen strikt an ein Lehrwerk halten. Von diesem weichen sie auch nicht sonderlich ab, obwohl eventuell ein bestimmtes Thema in einem anderen Lehrwerk besser umgesetzt ist. Diese Art des Unterrichts ist mir selbst noch aus meiner eigenen Grundschulzeit bekannt. Innerhalb des Studiums lernen wir Studierende jedoch andere aktuellere Lehrmethoden kennen, sprich offenere Unterrichtsformen. Diese offenen Unterrichtsformen definiert ja bekanntlich jeder unterschiedlich, im Großen und Ganzen kann man aber behaupten, dass sich Lehrpersonen heute nicht mehr an ein Lehrwerk „klammern“, nur dieses eine benutzen und jede Stunde die nächst folgende Seite als Unterrichtsgegenstand machen sollten. Schaut man sich jedoch im Schulalltag um, realisiert man schnell, dass diese Modernisierung des Unterrichts nicht an allen Schulen Einzug gehalten hat. Noch deutlicher wurde mir dies als ich meine alte Grundschule besuchte, um mir Lehrwerke für diese Hausarbeit auszuleihen. Der Direktor wollte mir tatsächlich die Fibel mitgeben, mit der ich selbst das Lesen und Schreiben gelernt habe.
Zwar ließen sich auch einige aktuelle Lehrwerke in dem dafür vorgesehenen Regal ausmachen, auf Nachfragen erfuhr ich jedoch, dass sich trotz der Anschaffung aktueller Bücher nichts am Unterricht an sich geändert hat. D.h. die Lehrpersonen verwenden zwar aktuelle Lehrwerke, allerdings nicht basierend auf der zugrundeliegenden Lehrbuch- Konzeption. Konkret heißt das, es wird immer noch auf der ersten Seite des Buches angefangen und anschließend Seite für Seite abgehandelt. Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass es eine große Hilfe sein kann, Lehrwerke als „roten Faden“ zu benutzen. Richten sich die Lehrpersonen strikt nach einem Lehrwerk, laufen sie nicht Gefahr, ein wichtiges Thema auszuklammern. Aus einem Gespräch mit einer Lehrerin wurde klar, dass sie regelrecht Angst davor hatte, durch das Arbeiten mit nicht aus dem Lehrwerk entnommenen Texten, könnte sie wichtige Lernziele übergehen. Man kann diese Bedenken allerdings nachvollziehen. Geht man strikt nach einem Lehrwerk vor, kann man eigentlich nichts falsch machen, denn dessen AutorInnen müssen sich bei der Textauswahl nach den Lehrplänen richten.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gegenüberstellung der beiden Lehrwerke
2.1 Kurze Vorstellung
2.1.1 Leporello 4 sprechen, schreiben, lesen
2.1.2 Papiertiger 4, Sprachlesebuch
3. Die Textauswahl
3.1 Grundlegendes zur Textauswahl
3.2 Die Textsorte „Gedichte“
3.2.1 Quantitatives Vorkommen von Gedichten
4. Fragen bzw. Aufgabenstellungen zu den Gedichten
4.1 Fragen bzw. Aufgabenstellung im „Leporello“
4.2 Fragen bzw. Aufgabenstellung im „Papiertiger“
4.3 Quantitatives Vorkommen verschiedener Aufgabe- bzw. Fragetypen
4.3.1 Bedeutung der Aufgaben/ Fragen für die Lehrwerk- Konzeption
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und analysiert zwei ausgewählte Lehrwerke für den Deutschunterricht der Grundschule im Hinblick auf deren Konzeptionen, die enthaltenen Textsorten sowie die verwendeten Aufgabentypen. Ziel der Analyse ist es, durch einen Vergleich der Lehrbücher „Leporello 4“ und „Papiertiger 4“ aufzuzeigen, wie unterschiedliche didaktische Ansätze die Erschließung lyrischer Texte beeinflussen und welche Bedeutung die Aufgabenstellungen für die Kompetenzentwicklung der Schüler haben.
- Vergleichende Analyse der Lehrbuchkonzeptionen
- Quantitative Erfassung und Auswertung von Textsorten (Schwerpunkt: Gedichte)
- Kategorisierung und Untersuchung von Aufgaben- und Fragetypen
- Handlungs- und produktionsorientierte Zugänge zu Lyrik im Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.1 Grundlegendes zur Textauswahl
Es „ist festzuhalten, dass die Auswahl, Menge, Schwerpunktsetzung und Anordnung von Gattungen/Textsorten die Funktion haben, in die Literatur einzuführen, vertraut zu machen mit den wichtigsten Gattungen, Typen und Textsorten, heranzuführen an die Formenvielfalt von Literatur, dem Entstehen von Gattungen und ihren historischen Veränderungen und Variationen.“6 Die Auswahl von Texten in Lesebüchern hängt jedoch auch von dem jeweiligen Bundesland bzw. dessen Lehrplan ab, für welches das Lesebuch konzipiert werden soll. Wird im Lehrplan beispielsweise der Gattungsbezug als wichtiges Lernziel genannt, wird in dem Lesebuch ein breites Spektrum von Texten verschiedener Gattungen zu finden sein. Mit Hilfe dieser Texte und spezifischen Aufgaben soll literarisches Wissen, vor allem in Bezug auf Kenntnis der Gattungen vermittelt werden.
Im Lehrplan für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen ist eine solch einseitige Zielsetzung nicht zu finden. Vielmehr soll Ziel des Deutschunterrichts sein, dass die Kinder „mit Texten und Medien spielerisch und experimentierend“ umgehen. Ein weiteres Ziel soll „die angemessene sprachliche Auseinandersetzung mit Ereignissen und Sachverhalten in Wort und Schrift sowie die Fähigkeiten und Fertigkeiten, aus Texten und Medien Informationen zu entnehmen, sie zu deuten und zu reflektieren“ sein. In den Aufgabenschwerpunkten für die Klassen 3 und 4 wird als Unterrichtsgegenstand genannt, dass die Schüler „Textabsichten und Textwirkungen vermuten“, „grundlegende Textsorten und ihre Leistungen erkennen“ sowie „Texte den Textsorten zuordnen“7 sollen. Verbindliche Textformen, die spätestens Ende der 4. Klasse bekannt sein sollen, sind Geschichte, Beschreibung, Sachtext, Gedicht, Comic, Märchen, und Lexikonartikel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Verfasserin erläutert ihre Motivation zur Themenwahl, basierend auf praktischen Erfahrungen im Schulalltag und der Bedeutung von Lehrbuchkonzeptionen für den Unterricht.
2. Gegenüberstellung der beiden Lehrwerke: Es erfolgt eine detaillierte tabellarische Darstellung und Beschreibung der Lehrwerke „Leporello 4“ und „Papiertiger 4“ hinsichtlich ihrer formalen und didaktischen Struktur.
3. Die Textauswahl: Dieser Abschnitt beleuchtet die didaktischen Kriterien der Textauswahl und analysiert quantitativ das Vorkommen der Textsorte „Gedichte“ in den untersuchten Lehrbüchern.
4. Fragen bzw. Aufgabenstellungen zu den Gedichten: Eine systematische Kategorisierung und Auswertung der in den Lehrwerken gestellten Aufgaben zeigt Unterschiede in der didaktischen Zielsetzung und der Förderung von Lernprozessen auf.
5. Schluss: Die Autorin fasst ihre Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, dass Lehrpersonen die Schwächen von Lehrwerken erkennen und durch eigene methodische Ansätze kompensieren.
Schlüsselwörter
Lehrwerke, Deutschunterricht, Grundschule, Lesebuch, Lehrbuchkonzeption, Textsorten, Gedichte, Lyrik, Aufgabenanalyse, Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, Sprachlesebuch, Kompetenzentwicklung, Leporello, Papiertiger, Unterrichtsmethoden
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der vergleichenden Analyse zweier Grundschullehrwerke für das Fach Deutsch im Hinblick auf deren Konzeptionen, Textsorten und den Umgang mit Aufgabenstellungen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die Auswahl von literarischen Texten, insbesondere von Gedichten, sowie die Art und Weise, wie diese durch Aufgabenstellungen in den untersuchten Lehrwerken erschlossen werden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu beurteilen, wie die Lehrwerke den Umgang mit Lyrik fördern und ob sie den Anforderungen moderner didaktischer Konzepte gerecht werden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine vergleichende Analyse sowie eine quantitative Auswertung der Textsorten und Aufgabentypen basierend auf didaktischen Kategorisierungssystemen (u.a. nach Swantje Ehlers).
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Lehrwerke vorgestellt, das quantitative Vorkommen von Gedichten erfasst und anschließend eine detaillierte Kategorisierung der Aufgaben und Fragetypen vorgenommen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Lehrbuchkonzeption, Lyrikdidaktik, Aufgabentypen, Grundschule und Literaturunterricht charakterisieren.
Welche Rolle spielen Gedichte in den untersuchten Lehrwerken?
Die Autorin stellt fest, dass beide Lehrwerke Gedichte enthalten, diese jedoch oft zur Übung von Grammatik oder Rechtschreibung genutzt werden und der freie, kreative Umgang mit Lyrik dabei teilweise zu kurz kommt.
Warum betont die Autorin die Rolle der Lehrperson?
Sie betont, dass Lehrwerke Schwächen aufweisen können und es daher in der Verantwortung der Lehrperson liegt, das vorhandene Material kritisch zu hinterfragen und durch ergänzende Methoden zu bereichern.
- Quote paper
- Stefanie Eckhardt (Author), 2005, Analyse zweier Lehrwerke in Bezug auf Konzeptionen, Textsorten und Aufgabentypen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42128