Heute stellt sich die offene Kinder- und Jugendarbeit noch immer vielfach als stationäre Einrichtung dar, beinhaltet aber längst auch mobile und aufsuchende Angebote, unterschiedlich in den jeweiligen Konzeptionen, abhängig vom regionalen Bedarf des Landkreises, der Stadt oder Großstadt oder einer Kleinstadtstruktur. Das Grundgerüst der Konzeptionen bleibt jedoch weitgehend einheitlich.
Es geht um das Schaffen von Bildungsgelegenheiten und Räumen für Rückzugs-, Erfahrungs-, Entfaltungs- und Aneignungsmöglichkeiten. Darüber hinaus gibt es Kooperationen mit Schulen im Sinne von Angeboten zur Ganztagsbetreuung, nicht nur, aber zum Beispiel auch zur Hausaufgabenbetreuung. Im Zuge der Entwicklung hin zu mehr Ganztagsschulen scheint sich hier auch ein wachsender Bedarf abzuzeichnen, welcher die Frage aufwirft, ob und inwieweit die Offene Kinder- und Jugend-arbeit diesen Anforderungen gerecht werden kann und will – in Relation zum eigenen Anspruch bzw. der originären Zielsetzung.
Denn neben der Option, dass die Offene Kinder- und Jugendarbeit mehr und mehr Teil von Ganztagsschulen wird, bliebe auch wenigstens eine weitere, bei der die Offene Kinder- und Jugendarbeit eher außerschulische Lernorte bietet und Teil einer kommunalen Bildungsplanung ist, bei der sie weitgehend eigene Bildungsansätze nutzt und so am Lebensort der Kinder- und Jugendlichen ein breites Spektrum von Lernorten und -inhalten entstünde.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Hauptteil
- 2.1 Kooperation von Schule und außerschulischen Lernorten der Offenen Kinder- und Jugendhilfe
- 2.2 Bildungsverständnis und Ganztagsbildung
- 2.3 Gesellschaftstheoretische und bildungstheoretische Aspekte
- 2.4 Identitätsbildung von Kindern und Jugendlichen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen und Chancen einer Kooperation von Schule und Offener Kinder- und Jugendarbeit im Kontext der Ganztagsschule. Ziel ist es, die spezifischen Bildungsangebote und Zielsetzungen beider Einrichtungen zu analysieren und aufzuzeigen, wie eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Sinne einer umfassenden Ganztagsbildung gestaltet werden kann.
- Der Beitrag von Offener Kinder- und Jugendarbeit zur Ganztagsbildung
- Die Rolle von Partizipation und Freiwilligkeit in der Zusammenarbeit
- Das Spannungsfeld zwischen schulischem und außerschulischem Bildungsverständnis
- Die Bedeutung der Identitätsbildung im Sozialraum für Kinder und Jugendliche
- Die Herausforderungen der Kooperation im Hinblick auf Finanzierung, Arbeitsteilung und pädagogische Konzepte
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik ein und beleuchtet die unterschiedlichen Konzepte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und deren Kooperation mit Schulen im Bereich der Ganztagsbetreuung. Der Hauptteil analysiert die Vorteile und Herausforderungen einer Zusammenarbeit aus verschiedenen Perspektiven.
- Kapitel 2.1 beleuchtet die spezifischen Stärken und Schwächen der räumlichen und organisatorischen Trennung von Schule und außerschulischen Lernorten der Offenen Kinder- und Jugendhilfe.
- Kapitel 2.2 befasst sich mit dem Bildungsverständnis beider Einrichtungen und diskutiert die Möglichkeiten und Grenzen einer Ganztagsbildung, die über den engen schulischen Bildungsbegriff hinausgeht.
- Kapitel 2.3 analysiert die gesellschaftstheoretischen und bildungstheoretischen Aspekte der Kooperation und untersucht die Chancen für eine gemeinsame Zielsetzung.
- Kapitel 2.4 zeigt die Bedeutung der sozialräumlichen Identitätsbildung für Kinder und Jugendliche auf und erläutert, wie eine Kooperation von Schule und Offener Kinder- und Jugendarbeit diesen Prozess unterstützen kann.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, Offene Kinder- und Jugendarbeit, Kooperation, Bildungsverständnis, Partizipation, Freiwilligkeit, Identitätsbildung, Sozialraum, Ganztagsbildung, Chancenungleichheit, Jugendbildung, Demokratie, Schulrecht, sozialpädagogische Leistung.
Häufig gestellte Fragen
Kann die Offene Jugendarbeit ihren Bildungsanspruch in der Ganztagsschule bewahren?
Die Arbeit diskutiert dies kritisch. Es besteht die Gefahr, dass die Prinzipien der Freiwilligkeit und Partizipation durch die Verschulung des Nachmittags untergraben werden, wenn die Jugendarbeit nur zur Hausaufgabenbetreuung degradiert wird.
Was unterscheidet das Bildungsverständnis von Schule und Jugendarbeit?
Die Schule konzentriert sich meist auf formelle, leistungsorientierte Bildung. Die Offene Jugendarbeit bietet non-formelle Bildung an, die auf Selbstbestimmung, Identitätsbildung und sozialen Erfahrungen im Lebensraum der Jugendlichen basiert.
Welche Rolle spielt die „Freiwilligkeit“ in der Kooperation?
Freiwilligkeit ist ein Kernprinzip der Jugendarbeit. In einer Ganztagsschule mit Anwesenheitspflicht wird dieses Prinzip herausgefordert, was neue pädagogische Konzepte erfordert, um echte Partizipation zu ermöglichen.
Was sind außerschulische Lernorte?
Das sind Orte wie Jugendzentren oder mobile Angebote, die Kindern und Jugendlichen Räume für informelles Lernen, Entfaltung und Rückzug außerhalb des kontrollierten schulischen Rahmens bieten.
Wie kann eine erfolgreiche Zusammenarbeit aussehen?
Eine gelungene Kooperation erkennt die Eigenständigkeit der Jugendarbeit an und integriert sie als gleichberechtigten Partner in eine kommunale Bildungslandschaft, statt sie lediglich als Betreuungsreserve zu nutzen.
- Quote paper
- Maike Gehlert-Orth (Author), 2017, Offene Kinder- und Jugendarbeit. Kann der Bildungsanspruch der Kinder- und Jugendarbeit in der Ganztagsschule umgesetzt werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419158