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Sport als (Ersatz-)Religion?

Können Fußball und die dazugehörige Fankultur die Funktionen von Religion ersetzen?

Title: Sport als (Ersatz-)Religion?

Examination Thesis , 2013 , 53 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Christian Glasmeyer (Author)

Sport - Sport Psychology
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Was hat Sport mit Religion zu tun? Überhaupt nichts? Vielleicht etwas? Oder doch ziemlich viel? Sich bekreuzigende Spieler, zum Gebet gefaltete Hände, Grüße und Küsse gen Himmel sind keine seltenen Bilder bei Fußballübertragungen. Aber neben diesen offensichtlichen religiösen Symbolen und Ritualen einiger vereinzelter, ihren Glauben extrovertiert auslebenden, Spieler, lassen sich beim Fußball auch noch andere, tiefer greifende Parallelen zu Religion und gerade auch zur kirchlichen Liturgie beobachten.

So ähnelt beispielsweise das Einmarschieren der Mannschaften dem Einlaufen des Priesters und der Messdiener in die Kirche, die Gesänge der Fans erinnern an Kirchenchoräle und die (noch) überwiegend patriarchalischen Strukturen sind in Fußball und Kirche sehr ähnlich konzipiert. Die römisch-katholische Kirche etwa hat ihr weltweites Oberhaupt, den Papst. Ihm folgen Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe und Priester. Der Fußball organisiert sich ähnlich strukturiert in Verbänden. Weltweit ist die FIFA das „Oberhaupt“, auf europäischer Ebene folgt die UEFA, dann die Bundes- und schließlich Landesverbände. Wie eine Gemeinde von ihrem Priester geleitet wird, leitet der Vorsitzende einen Verein, der Trainer eine Mannschaft und ein „Erwählter“ die Fangesänge und Schlachtrufe im Stadion. Die äußeren, wahrnehmbaren Strukturen von Fußball und Religion sind also schon einmal ziemlich ähnlich.

Wenn von und über Fußball gesprochen wird, ist außerdem religiöse Sprache allgegenwärtig, besonders in den Medien. Begriffe wie z.B. „Fußballgott“, „Hand Gottes“, „Das Wunder von Bern“ oder „Teamgeist“ sind allesamt religiös konnotiert und zugleich jedem echten Fußballfan ein Begriff. Aber warum erhalten diese Termini aus dem religiösen Sprachgebrauch Einzug in die Welt des Sports, besonders in die des Fußballs? Gerade, wo doch sicher nicht jeder Fußballfan von sich behaupten würde, ein religiöser Mensch zu sein. Und genau hier liegt neben den beschriebenen Parallelen schließlich auch einer der größten Unterschiede von Fußball und Religion: Das öffentliche Interesse am (Profi-)Fußball steigt seit Jahren stetig an, während in den Medien dagegen von der Kirche zunehmend nur im Zusammenhang mit der sogenannten Kirchenkrise berichtet wird. Während die Stadien also immer voller werden, werden die Kirchen zunehmend leerer. Könnte Fußall und die dazugehörige Fankultur die Funktionen von Fußball etwa ersetzen?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Entwicklung der eigenen Fragestellung

1.2 Inhaltlicher Aufbau und Ziel der Arbeit

2 Religion – eine Begriffsbestimmung

2.1 Substanzielle Religions-Definitionen

2.2 Funktionale Religions-Definitionen

2.2.1 Die elementaren Formen des religiösen Lebens nach Durkheim

2.2.2 Weitere Funktionen von Religion

3 Charakteristika des Fußballsports

3.1 Geschichte des Fußballsports

3.1.1 Ursprünge

3.1.2 Entwicklung in Europa

3.1.3 Entwicklung in Deutschland

3.2 Zum Fantum im (Fußball-)Sport

3.2.1 Was ist ein Fan?

3.2.2 Fans in der Forschung

3.2.3 Fußballfans

4 Berührungspunkte von Fußball und Religion

4.1 Ursprünge und Entwicklung

4.2 Metaphorischer Sprachgebrauch

4.3 Religiöse Symbolik im Fußball

4.4 Funktionen von Religion im Einzugsbereich des Fußballs

4.4.1 Gemeinschaftsbildung

4.4.2 Einteilung der Dinge in heilig und profan

4.4.3 Vorstellung mythischer Persönlichkeiten

4.4.4 Verbote und Wertevorstellungen

4.4.5 Rituale

4.4.6 Systematisierung der Lebensführung

4.4.7 Kontingenzbewältigung

5 Empirische Befunde

5.1 Entwicklung der Zuschauerzahlen der Bundesliga

5.2 Entwicklungen der DFB-Mitgliederzahlen

5.3 Entwicklungen der Kirchenmitglieder in Deutschland

5.4 Fußball-Fans und Religion

6 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Fußball und Religion, um zu klären, ob Fußball und die dazugehörige Fankultur funktionale Aspekte von Religion für den modernen Menschen ersetzen können. Dabei wird insbesondere auf eine funktionale Religionsdefinition zurückgegriffen, um Parallelen in Struktur, Ritus und Gemeinschaftsbildung zu analysieren.

  • Religionssoziologische Grundlagen nach Émile Durkheim
  • Historische Entwicklung des Fußballsports und Fankultur
  • Strukturelle Parallelen: Rituale, Symbole und Gemeinschaft
  • Empirische Untersuchung von Zuschauer- und Mitgliederzahlen

Auszug aus dem Buch

1 Einleitung

Was hat Sport mit Religion zu tun? Überhaupt nichts? Vielleicht etwas? Oder doch ziemlich viel? Sich bekreuzigende Spieler1, zum Gebet gefaltete Hände, Grüße und Küsse gen Himmel sind keine seltenen Bilder bei Fußballübertragungen. Aber neben diesen offensichtlichen religiösen Symbolen und Ritualen einiger vereinzelter, ihren Glauben extrovertiert auslebenden, Spieler, lassen sich beim Fußball auch noch andere, tiefer greifende Parallelen zu Religion und gerade auch zur kirchlichen Liturgie beobachten. So ähnelt z. B. das Einmarschieren der Mannschaften dem Einlaufen des Priesters und der Messdiener in die Kirche, die Gesänge der Fans erinnern an Kirchenchoräle und die (noch) überwiegend patriarchalischen Strukturen sind in Fußball und Kirche sehr ähnlich konzipiert.

Die römisch-katholische Kirche z. B. hat ihr weltweites Oberhaupt, den Papst. Ihm folgen Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe und Priester. Der Fußball organisiert sich ähnlich strukturiert in Verbänden. Weltweit ist die FIFA das „Oberhaupt“, auf europäischer Ebene folgt die UEFA, dann die Bundes und schließlich Landesverbände. Wie eine Gemeinde von ihrem Priester geleitet wird, leitet der Vorsitzende einen Verein, der Trainer eine Mannschaft und ein „Erwählter“ die Fangesänge und Schlachtrufe im Stadion. Die äußeren, wahrnehmbaren Strukturen von Fußball und Religion sind also schon einmal ziemlich ähnlich.

Wenn von und über Fußball gesprochen wird, ist außerdem religiöse Sprache allgegenwärtig, besonders in den Medien. Begriffe wie z. B. „Fußballgott“, „Hand Gottes“, „Das Wunder von Bern“ oder „Teamgeist“ sind allesamt religiös konnotiert und zugleich jedem echten Fußballfan ein Begriff. Aber warum erhalten diese Termini aus dem religiösen Sprachgebrauch Einzug in die Welt des Sports, besonders in die des Fußballs? Gerade, wo doch sicher nicht jeder Fußballfan von sich behaupten würde ein religiöser Mensch zu sein. Und genau hier liegt neben den beschriebenen Parallelen schließlich auch einer der größten Unterschiede von Fußball und Religion.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die strukturellen und sprachlichen Parallelen zwischen Fußball und Religion und führt in die zentrale Fragestellung ein, ob Fußball Funktionen von Religion ersetzen kann.

2 Religion – eine Begriffsbestimmung: Es werden substanzielle und funktionale Religionsdefinitionen diskutiert, wobei der Fokus auf Émile Durkheims funktionalem Ansatz als theoretische Basis liegt.

3 Charakteristika des Fußballsports: Dieses Kapitel untersucht die historische Entwicklung des Fußballsports sowie das Phänomen des Fantums in der soziologischen Forschung.

4 Berührungspunkte von Fußball und Religion: Hier werden die sieben Funktionen von Religion (wie Gemeinschaftsbildung, Rituale, Kontingenzbewältigung) detailliert auf den Fußball und seine Fans angewendet.

5 Empirische Befunde: Anhand von Zuschauerzahlen, DFB-Mitgliedsdaten und Kirchenstatistiken wird die praktische Relevanz und Reichweite der untersuchten Phänomene analysiert.

6 Fazit und Ausblick: Das Fazit beantwortet die Leitfrage vorsichtig: Während Fußball funktionale Aspekte der Religion erfüllen kann, ersetzt er sie als Institution nicht vollständig.

Schlüsselwörter

Fußball, Religion, Fankultur, Funktionalismus, Émile Durkheim, Gemeinschaftsbildung, Rituale, Kontingenzbewältigung, Säkularisierung, Sportsoziologie, Symbolik, Ersatzreligion, Fan-Sein, Kirchenkrise, Wertevorstellungen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das soziologische Verhältnis zwischen Fußball und Religion und analysiert, ob und inwiefern der Fußball funktionale Aspekte von Religion für seine Anhänger übernehmen kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind Religionssoziologie, die Geschichte und Struktur des Fußballsports, das Phänomen des Fantums sowie die Anwendung funktionaler Religionskategorien auf den Sport.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist es, die Frage zu beantworten, ob Fußball und die damit verbundene Fankultur tatsächlich Funktionen von Religion ersetzen können, wenn kirchliche Institutionen an Beliebtheit verlieren.

Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?

Der Autor nutzt einen funktional-systematischen Ansatz zur Analyse, kombiniert mit einer theoretischen Aufarbeitung soziologischer Begriffe und einer empirischen Auswertung vorhandener Statistiken (Zuschauerzahlen, Kirchenmitglieder).

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung von Religion, die soziologische Charakterisierung des Fußballs, die detaillierte Prüfung von sieben religiösen Funktionen am Beispiel des Fußballs sowie eine empirische Analyse zur Untermauerung der Thesen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Gemeinschaftsbildung, implizite Religion, Rituale, Kontingenzbewältigung und der Vergleich zwischen christlicher Liturgie und Stadionerlebnis.

Was unterscheidet den Fußball laut Autor von einer traditionellen Religion?

Ein wesentlicher Unterschied liegt laut Autor im substanziellen Bereich: Der Fußball bietet keinen Bezug zum Transzendenten oder zum Jenseits, was für eine Religion im klassischen Sinne ein Alleinstellungsmerkmal bleibt.

Welches Fazit zieht der Autor zur "Ersatzreligion"?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Fußball zwar funktionale Ähnlichkeiten aufweist und Rituale bietet, er die Kirche als Institution jedoch nicht endgültig ersetzen kann, da er kein übersinnliches Heilsversprechen bietet.

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Details

Title
Sport als (Ersatz-)Religion?
Subtitle
Können Fußball und die dazugehörige Fankultur die Funktionen von Religion ersetzen?
College
University of Paderborn  (Fakultät für Naturwissenschaften, Department Sport & Gesundheit)
Grade
1,7
Author
Christian Glasmeyer (Author)
Publication Year
2013
Pages
53
Catalog Number
V418775
ISBN (eBook)
9783668676442
ISBN (Book)
9783668676459
Language
German
Tags
Sport Religion Fußball Ersatzreligion Durkheim Fan Fans Fankultur Religionsersatz Funktionen von Religion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Glasmeyer (Author), 2013, Sport als (Ersatz-)Religion?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418775
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