Die vorliegende Studie handelt von Herbert Marcuses Gesellschaftskritik in „Der eindimensionale Mensch“ aus dem Jahr 1967. Wie es im Vorwort der Herausgeber Heinz Maus und Friedrich Fürstenberg heißt, unternimmt die Soziologie nicht nur den Versuch, Beobachtungen über Gesellschaft und die sozialen Beziehungen ihrer Individuen anzustellen, sondern strebt nach „Erkenntnis sozialer Gegenwartsprobleme“. Diesen Anspruch verwirklicht Herbert Marcuse, indem er gesellschaftliche Zustände zugespitzt darstellt. Mit seinen Ergebnissen möchte er zur „Verbesserung der menschlichen Lage“1 beitragen:
„Im Brennpunkt meiner Analyse stehen Tendenzen in den höchstentwickelten gegenwärtigen Gesellschaften. Es gibt weitere Bereiche innerhalb und außerhalb dieser Gesellschaften, wo die beschriebenen Tendenzen nicht herrschen- ich würde sagen: noch nicht herrschen. Ich entwerfe diese Tendenzen und biete einige Hypothesen, nichts weiter.“2
Ziel dieser Arbeit ist, einerseits die zentrale Argumentation in Herbert Marcuses „Der eindimensionale Mensch“ vorzustellen, andererseits zu hinterfragen, inwiefern Marcuse konkrete Lösungsansätze zur Verbesserung der gesellschaftlichen Situation bereithält. Ebenso werde ich überlegen, ob Marcuses Darstellung der Industriegesellschaft der späten Sechziger Jahre, auf die heutigen Verhältnisse übertragbar ist, oder ob nicht auch Marcuse unter dem Eindruck des kalten Krieges und der Nationalsozialistischen Diktatur, die ihn 1933 zur Emigration zwang, eine allzu pessimistische und gleichfalls ideologisch gefärbte Sicht propagiert. Denn, es bleibt, wie ich meine, nicht dabei, dass Marcuse, in einem doch sehr politischen Terrain, lediglich „Tendenzen entwirft“ und sich damit begnügt einige harmlose „Hypothesen“ zu formulieren.
Marcuses Gedanken über das Individuum und seine Rolle in der späten Industriegesellschaft, werde ich u.a. mit Hilfe von Claus Daniels „Die Einebnung des heroischen Subjekts (Einige Motive bei Adorno und Marcuse)“3 reflektieren.
1 Siehe Marcuse, Herbert: „Der eindimensionale Mensch“, Soziologische Texte, Band 40. Hrsg. von Heinz Maus und Friedrich Fürstenberg. Neuwied / Berlin 1967, S. 12.
2 Ders., S. 20.
3 Daniel, Claus: „Die Einebnung des heroischen Subjekts (Einige Motive bei Adorno und Marcuse)“ In: „Theorien der Subjektivität. Einführung in die Soziologie des Individuums.“ Frankfurt am Main/ New York 1981.
Inhaltsverzeichnis
- 2.0 Der "eindimensionale Mensch" in der "eindimensionalen Gesellschaft"
- 2.1 "Die Einebnung des Subjekts"
- 2.2 "Falsche und wahre Bedürfnisse"
- 2.3 Herrschaft und Klassengesellschaft?
- 2.4 Neue Formen sozialer Kontrolle
- 2.4.1 Massenmedien und Konsumwelt
- 2.4.2 Die technische Ideologie und andere Herrschaftsformen
- 2.5 Verlust der Legitimation von Ethik und Philosophie?
- 3.0 Analyse der Lösungsansätze zur Verbesserung der gesellschaftlichen Situation und abschließender Kommentar
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Studie analysiert Herbert Marcuses Gesellschaftskritik in seinem Werk "Der eindimensionale Mensch" aus dem Jahr 1967. Ziel ist es, die zentrale Argumentation des Buches darzulegen und zu untersuchen, ob Marcuse konkrete Lösungsansätze zur Verbesserung der gesellschaftlichen Situation vorschlägt. Die Studie befasst sich auch mit der Frage, ob Marcuses Beschreibung der Industriegesellschaft der späten Sechziger Jahre auf heutige Verhältnisse übertragen werden kann oder ob seine Analyse vom kalten Krieg und der nationalsozialistischen Diktatur beeinflusst ist.
- Die Entstehung und Entwicklung der "eindimensionalen Gesellschaft"
- Die "Einebnung des Subjekts" und die Manipulation von Bedürfnissen
- Die Rolle von Technologie, Massenmedien und Konsum in der gesellschaftlichen Kontrolle
- Die Kritik an der Legitimation von Ethik und Philosophie in der "eindimensionalen Gesellschaft"
- Die Frage nach möglichen Lösungsansätzen und die Übertragbarkeit von Marcuses Analyse auf die Gegenwart
Zusammenfassung der Kapitel
Im zweiten Kapitel werden die Begriffe "eindimensional" und "eindimensionale Gesellschaft" eingeführt. Marcuse analysiert die spezifische Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, die die objektive soziale Realität in eine "reifikation" umwandelt.
Schlüsselwörter
Eindimensionalität, Ideologie, Industriegesellschaft, Bedürfnisse, Herrschaft, Kontrolle, Massenmedien, Konsum, Technik, Ethik, Philosophie, Lösungsansätze, Übertragbarkeit.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht Herbert Marcuse unter der „eindimensionalen Gesellschaft“?
Es ist eine Gesellschaft, in der durch technologischen Fortschritt und Konsum Kritik und Opposition absorbiert werden, sodass das Individuum nur noch in den vorgegebenen Systemstrukturen denkt.
Was ist der Unterschied zwischen „wahren“ und „falschen“ Bedürfnissen?
Falsche Bedürfnisse werden dem Individuum durch gesellschaftliche Mächte (Werbung, Medien) auferlegt, um die Herrschaft aufrechtzuerhalten, während wahre Bedürfnisse der tatsächlichen Selbstverwirklichung dienen.
Wie übt die Technik laut Marcuse Herrschaft aus?
Technik wird zur Ideologie: Sie erscheint als neutral und rational, dient aber dazu, soziale Kontrolle effizienter zu gestalten und alternative Lebensentwürfe als „unvernünftig“ auszuschließen.
Bietet Marcuse konkrete Lösungsansätze zur Verbesserung der Lage an?
Marcuse bleibt skeptisch und formuliert eher Hypothesen als konkrete Programme, betont aber die Notwendigkeit einer „Großen Weigerung“ gegenüber dem herrschenden System.
Ist Marcuses Analyse heute noch aktuell?
Die Arbeit untersucht genau diese Frage und prüft, ob die Mechanismen von Konsumzwang und medialer Kontrolle in der heutigen digitalen Welt Marcuses Thesen bestätigen.
- Quote paper
- Magistra artium Yvonne Rudolph (Author), 2005, Herbert Marcuses Gesellschaftskritik in "Der eindimensionale Mensch", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41768