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Der Tod ist erst der Anfang - Zum Verhältnis von Leben und Tod im hinduistischen Glauben

Darstellung mit Einbeziehung zentraler ritueller Praktiken und Initiationsriten

Title: Der Tod ist erst der Anfang - Zum Verhältnis von Leben und Tod im hinduistischen Glauben

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Amely Braunger (Author)

Orientalism / Sinology - General
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Die Frage, was mit uns nach dem Tod geschieht, ist so alt wie die Menschheit selbst. Dabei ist der Versuch, darauf eine wissenschaftlich fundierte Antwort zu finden, bislang erfolglos geblieben: Tote lassen sich nicht mehr befragen – auch wenn parapsychologische und spirituelle Untersuchungsansätze oder sogenannte „Geisterbeschwörer“ das Gegenteil behaupten. Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre brach in Deutschland ein regelrechter Esoterik-Boom aus, der diesem Thema zahlreiche Bücher widmete. Die Arbeit „Über den Tod und das Leben nach dem Tod“ 1 von der Schweizer Ärztin Elisabeth Kübler-Ross bereicherte die Sterbeforschung durch identische Aussagen von Sterbenden und ehemals klinisch tot erklärten Patienten. Thorwald Dethlefsen nimmt dagegen in seinem Buch „Das Leben nach dem Leben“ 2 das Medium der Hypnose zu Hilfe und hinterfragt in seinen „Gesprächen mit Wiedergeborenen“ den Tod als Ende der persönlichen Existenz.

So widersprüchlich, wie sich die einzelnen Reaktionen in Bezug zur wissenschaftlichen Forschungsliteratur darstellen, gestaltet sich der seit jeher geführte Kampf der Religionen um die unterschiedlichen Positionen in Bezug auf die Vorstellungen von Leben und Tod. Trotz der interessanten Thematik würde eine vergleichende Darstellung der verschiedenen religiösen Sichtweisen auf den menschlichen Tod jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Deshalb möchte ich mich im Folgenden ausschließlich mit dem hinduistischen Glauben und seiner Lebens- und Todesphilosophie auseinandersetzen. Viele Aspekte des hinduistische Glaubens, wie z.B. des Yoga oder Tantra, erfuhren im Zuge des neuen esoterischen und spirituellen Bewusstseins großes Interesse. Der Hinduismus mit seinem untrennbaren zyklischen Konzept von Leben, Tod und Wiedergeburt bietet mir in diesem Zusammenhang eine beeindruckende Bandbreite von religiösen Schriftstücken, spirituellen Weisheiten und rituellen Handlungen, die es im weiteren Verlauf genauer zu untersuchen gilt. Dabei muss erwähnt werden, dass eine vollständige Darstellungen der im Hinduismus vorhandenen Totenrituale an dieser Stelle nicht möglich ist. Vielmehr soll es darum gehen, mit Hilfe zentraler hinduistischer Rituale Einblick in die indische Kultur und Religion zu bekommen, um am Ende dieser Arbeit die hinduistische Auffassung von Leben und Tod aus dem christlichen Kontext heraus zu reflektieren und – gegebenenfalls – kritisch zu hinterfragen.

1 Kübler-Ross, Elisabeth: Über den Tod und das Leben danach. Die Silberschnur GmbH: Melsbach 1988.

2 Dethlefsen, Thorwald: Das Leben nach dem Leben. Bertelsmann: München 1974/1978.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Zur Einführung

2. Was zeichnet den hinduistischen Glauben aus?

2.1 Zeitgeschichtliche Hintergründe

2.2 Problematisierung des Begriffs Hinduismus

3. Der Hindu und seine Einstellung zu Leben und Tod

3.1 Die symbiotische Beziehung von Leben und Tod

3.2 Die 4 Lebensstufen und die Menschwerdung

3.2.1 Zeugung und Geburt

3.2.2 Kindheit und Studienzeit

3.2.3 Heirat und Familiengründung

3.2.4 Der gesellschaftliche Rückzug und die Entsagung

3.3 Karma, Wiedergeburt und die Erlösung moksa

4. Der Dienst an den Toten

4.1 Die Bedeutung der Totenrituale im Hinduismus

4.2 Das brahmanische Toten- und Sterberitual

4.3 Ahnenverehrung und hinduistische Ahnenrituale

5. Besondere Todesarten

5.1 Der „lebende“ Tote: Samnyasin

5.2 Formen der Askese, Witwenverbrennung und Selbstmord

6. Schlusswort

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit untersucht das Verhältnis von Leben und Tod im Hinduismus, wobei der Fokus auf der tiefgreifenden Verflechtung von religiöser Lebensführung, rituellen Praktiken und dem zyklischen Konzept der Wiedergeburt liegt. Das Ziel ist es, ein Verständnis für die hinduistische Sichtweise auf das Sterben zu entwickeln, um diese aus christlicher Perspektive zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen.

  • Das unauflösliche zyklische Konzept von Leben, Tod und Wiedergeburt.
  • Die Bedeutung der vier Lebensstufen (Ashramas) für die persönliche Entwicklung.
  • Die Rolle ritueller Praktiken und der Totenverehrung für das Seelenheil.
  • Besondere Phänomene des Todes wie Samnyasa oder asketische Formen des Abschieds.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die symbiotische Beziehung von Leben und Tod

Neben dem Hinduismus gibt es wohl kaum eine zweite Weltreligion, die in ähnlicher Fülle mit rituellen Handlungen zu allen nur erdenklichen Stufen eines menschlichen Lebens angereichert ist. Dabei ist es erstaunlich, inwieweit der Hinduismus nicht nur die für uns greifbaren Lebenssituationen initiiert und ritualisiert, sondern auch denjenigen Daseinsebenen eine Existenz in einem Lebenszyklus zuspricht, die weit entfernt von der menschlichen Vorstellungskraft liegen, z.B. das Leben nach dem Tod.

Wie es der in Indien geschätzte Dichter Tagore ausdrückte „findet Leben (...) seinen Maßstab in einem ständigen Rückfall in den Tod. Jeder Tag ist Tod, sogar jeder Augenblick“ und das menschliche Dasein auf Erden wäre ohne die Symbiose von Tod und Leben „stumm und still“. Für den Hindu ist der Tod also kein notwendiges Übel am Ende eines Lebens, vielmehr kann er als „notwendiges Instrument der Erneuerung“ aufgefasst werden. Dennoch besteht für einen westlich denkenden Menschen eventuell die Gefahr, die Philosophie des Hinduismus falsch zu verstehen und ihr eine lebensverneinende und todesbejahende Tendenz zu unterstellen.

Zwar geht der hinduistische Glaube nicht von einer Erbsünde des Menschen aus, wie es im Christentum der Fall ist, doch auch er kennt diese Art der menschlichen Unzulänglichkeit. So stellt der „leidende Mensch“ den Ausgangspunkt der indisch-religiösen Philosophie dar – wobei er durch ein korrekt geführtes Leben auf der Welt die Möglichkeit hat, sich von diesem Leid zu befreien und gleichzeitig auf seine Pflichten gegenüber der Gesellschaft (und der Welt) hingewiesen wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zur Einführung: Die Einleitung erläutert den wissenschaftlichen Anspruch der Arbeit und begründet die Entscheidung, sich auf die hinduistische Lebens- und Todesphilosophie zu konzentrieren.

2. Was zeichnet den hinduistischen Glauben aus?: Dieses Kapitel beleuchtet die zeitgeschichtlichen Hintergründe und die komplexe Struktur des Hinduismus als polytheistische Religion ohne festen Gründer.

3. Der Hindu und seine Einstellung zu Leben und Tod: Hier wird das zyklische Verständnis von Leben und Tod analysiert, inklusive der Lebensstufenlehre sowie der Konzepte von Karma und Moksha.

4. Der Dienst an den Toten: Das Kapitel behandelt die rituellen Handlungen für Verstorbene, insbesondere das brahmanische Totenritual und die Bedeutung der Ahnenverehrung.

5. Besondere Todesarten: Hier wird der rituelle Tod des Samnyasin sowie die Bedeutung von Askese und kontroversen Formen wie der Witwenverbrennung thematisiert.

6. Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, wie das hinduistische Konzept der Wiedergeburt dazu dient, der existenziellen Angst vor dem Tod zu begegnen.

Schlüsselwörter

Hinduismus, Leben, Tod, Wiedergeburt, Karma, Moksha, Totenrituale, Ahnenverehrung, Samnyasin, Askese, Dharma, Rituale, Religion, Transzendenz, Erlösung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der spezifisch hinduistischen Auffassung von Leben und Tod und beleuchtet, wie diese Religion den Übergang zwischen diesen Zuständen durch Rituale und Philosophie strukturiert.

Welche zentralen Themenfelder werden analysiert?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Wiedergeburt, die verschiedenen Lebensstadien eines Hindus, die Durchführung von Totenritualen sowie die gesellschaftliche Bedeutung von Entsagung und Askese.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die hinduistische Sichtweise auf das Sterben zu gewinnen, um sie anschließend aus einem christlich geprägten Kontext heraus kritisch zu reflektieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Analyse religionswissenschaftlicher Fachliteratur sowie einer Auseinandersetzung mit hinduistischen philosophischen Schriften und rituellen Praktiken.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Lebensstufen, die Bedeutung des Karmas für das Dasein, die Durchführung spezifischer Sterberituale sowie die Analyse besonderer Todesarten wie dem Leben als Samnyasin.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?

Besonders prägend sind die Begriffe Karma, Wiedergeburt, Moksha, Totenrituale, Ahnenverehrung, Samnyasin und die zyklische Philosophie des Hinduismus.

Warum wird der Tod im Hinduismus als „Instrument der Erneuerung“ bezeichnet?

Der Tod ist kein Ende, sondern ein notwendiger Schritt innerhalb des ewigen Kreislaufs (Samsara), um durch Wiedergeburt letztlich zur Erlösung (Moksha) gelangen zu können.

Welche Rolle spielt der Sohn bei hinduistischen Totenritualen?

Söhnen kommt die rituelle Pflicht zu, durch korrekte Opferhandlungen ihre verstorbenen Väter in die Reihe der Ahnen zu geleiten und dadurch deren Seelenheil sicherzustellen.

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Details

Title
Der Tod ist erst der Anfang - Zum Verhältnis von Leben und Tod im hinduistischen Glauben
Subtitle
Darstellung mit Einbeziehung zentraler ritueller Praktiken und Initiationsriten
College
University of Constance
Course
Totenkulte
Grade
1,0
Author
Amely Braunger (Author)
Publication Year
2005
Pages
21
Catalog Number
V41537
ISBN (eBook)
9783638397780
ISBN (Book)
9783638843256
Language
German
Tags
Anfang Verhältnis Leben Glauben Totenkulte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Amely Braunger (Author), 2005, Der Tod ist erst der Anfang - Zum Verhältnis von Leben und Tod im hinduistischen Glauben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41537
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