Als die griechische Bevölkerung am 5. Juli 2015 dem Ruf der neuen Athener Regierung um Ministerpräsident Alexis Tsipras folgte und mit mehr als 60 Prozent der Stimmen die Spar- und Reformvorgaben der Gläubiger ablehnte, durchlebte die Europäische Union eine ihrer schwersten Krisen. Dabei nahm die Mehrheit der Griechen mit ihrem „Nein“ im Referendum auch einen drohenden Grexit in Kauf. Das Ergebnis des Referendums verdeutlichte einmal mehr den bereits bei vorangegangenen Wahlen zu beobachtenden Trend des zunehmenden Euroskeptizismus in Griechenland, der im Januar 2015 im Wahlsieg der euroskeptischen Syriza-Partei mündete.
Vor der Eurokrise gehörten die Griechen laut Eurobarometer-Daten zu den größten Befürwortern der europäischen Integration in der EU. Seitdem scheinen sich die Einstellungen der Griechen diesbezüglich grundlegend verändert zu haben. Daher wird in dieser Arbeit folgende Frage untersucht: Wie wirkt sich die Eurokrise auf die Einstellungen der Griechen zur europäischen Integration aus?
Bevor dieser Frage nachgegangen wird, ist es ratsam, zunächst das Phänomen Euroskeptizismus genauer zu betrachten. Dazu ist eine präzise Begriffsbestimmung erforderlich. Anschließend werden die von Paul Taggart und Aleks Szczerbiak eingeführten Untertypen von Euroskeptizismus skizziert und die verschiedenen Ansätze zur Erklärung des Phänomens vorgestellt. Danach folgt ein Überblick über die Entwicklung des Euroskeptizismus in Griechenland vom Ende der Militärdiktatur im Jahr 1974 bis zum Beginn der Eurokrise. Schließlich wird anhand des empirischen Forschungsstandes untersucht, wie sich die Eurokrise auf die Einstellungen der Griechen zur europäischen Integration auswirkt. Dabei ist es notwendig, zuerst zu erklären, warum die gestiegene Unterstützung für den Euro in Griechenland nicht als Anzeichen für positive Einstellungen zur europäischen Integration interpretiert werden sollte. Auf der Grundlage der Ergebnisse wird abschließend ein Fazit gezogen und ein Anreiz für zukünftige Arbeiten gegeben.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Euroskeptizismus: Theoretische Grundlagen
- 2.1 Begriffsbestimmung
- 2.2 Untertypen von Paul Taggart und Aleks Szczerbiak
- 2.3 Erklärungsansätze
- 3. Überblick: Euroskeptizismus in Griechenland 1974-2010
- 4. Auswirkungen der Eurokrise
- 4.1 Einstellungen der Griechen zum Euro
- 4.2 Einstellungen der Griechen zur europäischen Integration
- 5. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen der Eurokrise auf die Einstellungen der Griechen zur europäischen Integration. Dabei wird im Fokus auf die Frage nach dem Zusammenhang zwischen der Eurokrise und der Entwicklung des Euroskeptizismus in Griechenland gelegt.
- Begriffsbestimmung und Untertypen des Euroskeptizismus
- Erklärungsansätze für Euroskeptizismus auf Mikro- und Makroebene
- Entwicklung des Euroskeptizismus in Griechenland von 1974 bis 2010
- Einfluss der Eurokrise auf die Einstellungen der Griechen zum Euro und zur europäischen Integration
- Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt das Thema der Arbeit vor und leitet in die Fragestellung ein. Kapitel 2 beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen des Euroskeptizismus. Es wird eine präzise Begriffsbestimmung geliefert, die Untertypen des Euroskeptizismus nach Taggart und Szczerbiak vorgestellt und verschiedene Erklärungsansätze beleuchtet. Kapitel 3 bietet einen Überblick über die Entwicklung des Euroskeptizismus in Griechenland von 1974 bis zum Beginn der Eurokrise. Kapitel 4 widmet sich den Auswirkungen der Eurokrise auf die Einstellungen der Griechen zur europäischen Integration. Dabei wird untersucht, ob die gestiegene Unterstützung für den Euro in Griechenland als Anzeichen für positive Einstellungen zur europäischen Integration interpretiert werden kann.
Schlüsselwörter
Euroskeptizismus, Europäische Integration, Eurokrise, Griechenland, Einstellungen, öffentliche Meinung, Eurobarometer, Taggart, Szczerbiak, Erklärungsansätze, Mikroebene, Makroebene, Identitätsgefühl, Wertvorstellungen, politische Kontexte.
Häufig gestellte Fragen
Wie hat die Eurokrise die Einstellung der Griechen zur EU verändert?
Griechenland wandelte sich von einem der größten Befürworter der europäischen Integration zu einem Land mit stark zunehmendem Euroskeptizismus.
Was bedeutet Euroskeptizismus in diesem Zusammenhang?
Die Arbeit unterscheidet nach Taggart und Szczerbiak zwischen verschiedenen Untertypen und erklärt das Phänomen auf Mikro- und Makroebene.
Ist die Unterstützung für den Euro gleichbedeutend mit EU-Zustimmung?
Nein, die Arbeit legt dar, dass die Unterstützung für den Euro in Griechenland nicht zwingend als positive Einstellung zur politischen Integration gewertet werden kann.
Welche Rolle spielte das Referendum von 2015?
Das „Nein“ im Referendum verdeutlichte den Trend des Euroskeptizismus und die Ablehnung der Sparvorgaben der Gläubiger.
Wie war die Einstellung vor 2010?
Zwischen 1974 und 2010 zeigten Eurobarometer-Daten eine überdurchschnittlich hohe Zustimmung der griechischen Bevölkerung zur europäischen Integration.
- Citation du texte
- B.A. Christoph Germann (Auteur), 2016, Einstellungen der Griechen zur europäischen Integration. Euroskeptizismus in Griechenland vor und nach der Eurokrise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414135