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Die Blechtrommel - Zur Kritik von Marcel Reich-Ranicki

Title: Die Blechtrommel - Zur Kritik von Marcel Reich-Ranicki

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 17 Pages , Grade: 1.3

Autor:in: Linda Neuhaus (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Kritiken zum Roman Welterfolg „Die Blechtrommel“ von Günther Grass hat es viele gegeben. Die berühmteste, aber auch die mit Sicherheit umstrittenste Kritik stammt vom populärsten Literaturkritiker unserer Zeit, Marcel Reich-Ranicki. Sie wurde 1960 in „Die Zeit“ veröffentlicht und löste weltweit heftige Diskussionen aus. Unverständnis war die Reaktion vieler Leser und Kritiker, die Grass’ Blechtrommel als eine der größten literarischen Sensationen des Jahres 1959 und als unentbehrliches Werk der Nachkriegsliteratur feierten.Bis heute stört die damals publizierte und gewagte Kritik Reich-Ranickis empfindlich die Beziehungen zwischen dem Kritiker und Grass, der sich durch diese angegriffen und falsch beurteilt fühlte.
Folgender, vielleicht sogar der aussagekräftigste Auszug einer etwas relativierenden Nachfolgekritik Reich-Ranickis im Jahre 1963 soll in dieser Arbeit kritisch erläutert und diskutiert werden:

„Oskar protestiert physiologisch und psychisch gegen die Existenz schlechthin. Er beschuldigt den Menschen unserer Zeit, indem er sich zu seiner Karikatur macht. Der totale Infantilismus ist sein Programm. Er verkörpert jenseits aller ethischen Gesetze und Maßstäbe die absolute Inhumanität.“

Diese Arbeit soll sich mit der Frage beschäftigen, inwieweit diese Ansicht von Marcel Reich-Ranickis dem Werk „Die Blechtrommel“ wirklich gerecht wird. Wie die Kritik vorgibt, werden sich meine Erläuterungen auf die Hauptperson des Schelmenromans, Oskar Matzerath, konzentrieren. Zu diesem Zweck soll in erster Linie werkimmanent gearbeitet und Sekundärliteratur nur ansatzweise miteinbezogen werden, um die Aussage Marcel Reich-Ranickis zu überprüfen.
Mein Vorgehen, die vorliegende Kritik Stück für Stück zu erläutern, geht mit ihrer Chronologie einher. Zuerst soll danach gefragt werden, worin der Protest der Hauptfigur Oskar Matzeraths besteht. Im zweiten Teil der Arbeit soll ersichtlich werden, ob und in wiefern Oskar als Karikatur des modernen Menschen gesehen werden kann. Im Anschluss daran werde ich mich mit seinem Infantilismus beschäftigen und die vorgeworfene Unmenschlichkeit des Erzählers hinterfragen. Zum Schluss folgt ein Fazit, dass resümierend alle beleuchteten Aspekte noch einmal in einen Zusammenhang bringt, um die Kritik umfassend zu erläutern und Stellung zu beziehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Oskars Protest

1.1 Selbst gewählte Existenz

1.2 Die Welt Oskars

1.3 Die Blechtrommel und das Glaszersingen

2. Oskar, die Karikatur des Menschen?

2.1 Infantilismus

2.2 Oskar - Verkörperung der absoluten Inhumanität?

2.2.1 Die Nicht-Authentizität Oskars

2.2.2 Unmenschlichkeit

3. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die kontroverse Literaturkritik von Marcel Reich-Ranicki zu Günter Grass’ Roman „Die Blechtrommel“. Ziel ist es, anhand einer werkimmanenten Analyse der Hauptfigur Oskar Matzerath zu prüfen, inwieweit die Vorwürfe des Infantilismus, der Inhumanität und der bewussten Karikatur des Menschen der damaligen Zeit stichhaltig sind.

  • Analyse des Protests der Hauptfigur Oskar Matzerath gegen die Erwachsenenwelt.
  • Untersuchung der Rolle Oskars als vermeintliche Karikatur des modernen Menschen.
  • Kritische Hinterfragung der zugeschriebenen „absoluten Inhumanität“.
  • Erläuterung der erzählerischen Mittel wie der Blechtrommel und der Fähigkeit des Glaszersingens.
  • Bewertung der Ambivalenz zwischen kindlicher Maskerade und menschlicher Grausamkeit.

Auszug aus dem Buch

1.1 Selbst gewählte Existenz

Oskar protestiert physiologisch und psychisch gegen eine Welt, in der er nicht mehr wachsen will. Da er als geistlich voll entwickeltes Baby auf die Welt kommt (S.52) „Ich gehöre zu den Hellhörigen Säuglingen, deren geistige Entwicklung schon bei der Geburt abgeschlossen ist und sich fortan nur noch bestätigen muss.“2, entschließt er sich im Alter von drei Jahren zu einem Treppensturz, um der Erwachsenenwelt einen Grund dafür zu liefern, warum er sein Wachstum mit 94 cm einstellt und bis zu seinem 21. Lebensjahr ein kleiner Gnom bleiben wird.

Nach Kriegsende und dem Tod seines möglichen Vaters Alfred Matzerath entschließt er sich, sein Wachstum auf 1.23m fortzusetzen (S.533). Da er dieses Schicksal selbst wählt, hat er in frühester Kindheit bereits erkannt, dass er in einer schlechten Welt lebt, die er in einem normalen Menschendasein nicht ertragen kann. (S.72) „Von Anfang an war mir klar: Die Erwachsenen werden dich nicht begreifen (…).“ Oskars selbst gewählter Wachstumsstop ist sein erster und zugleich auch größter Protest gegen diese Welt, weil er mit ihm sein Schicksal selbst festlegt, die Welt zeit seines Lebens von unten zu sehen, mit den Augen eines Kindes - eines Liliputaners - den keiner in der „Erwachsenenwelt“ richtig ernst nimmt und von dem angenommen wird, dass er nichts versteht.

Nur mit dieser Fassade und durch diesen Blickwinkel fällt ihm die einmalige Chance zu, die schlechte Welt, in der er lebt, als stiller Beobachter distanziert zu sehen, so wie jemand, der außen vorsteht, aber trotzdem auch in gewisser Hinsicht Teil dieser Welt ist.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Einführung in die kontroverse Kritik Marcel Reich-Ranickis an Günter Grass und Darlegung der Zielsetzung, diese Kritik anhand der Figur Oskar Matzerath zu überprüfen.

1. Oskars Protest: Untersuchung der Motive und Formen des Protests der Hauptfigur, insbesondere im Hinblick auf seine Entscheidung, das Wachstum zu stoppen und die Rolle als distanzierter Beobachter.

1.1 Selbst gewählte Existenz: Analyse der bewussten Entscheidung Oskars zum Wachstumsstop als ersten Akt des Widerstands gegen die Erwachsenenwelt.

1.2 Die Welt Oskars: Darstellung der kleinbürgerlichen Umgebung Oskars und wie diese als Auslöser für seinen Wunsch dient, sich aus der Welt der Erwachsenen auszugrenzen.

1.3 Die Blechtrommel und das Glaszersingen: Betrachtung der zentralen Kommunikations- und Verteidigungsinstrumente Oskars, die seinen Protest gegen die menschliche Existenz und die NS-Zeit symbolisieren.

2. Oskar, die Karikatur des Menschen?: Reflexion darüber, inwiefern Oskars Egoismus und Verhalten die Eigenschaften des modernen Menschen widerspiegeln.

2.1 Infantilismus: Untersuchung der Funktion der Kindesrolle als Schutzraum und Mittel der Manipulation.

2.2 Oskar - Verkörperung der absoluten Inhumanität?: Differenzierte Betrachtung der unmenschlichen Handlungen Oskars gegenüber seinen Vaterfiguren und im Kontext des Krieges.

2.2.1 Die Nicht-Authentizität Oskars: Analyse der fiktiven und übermenschlichen Charakteristika der Figur.

2.2.2 Unmenschlichkeit: Hinterfragung der Grausamkeit Oskars und ob diese als echte Inhumanität oder als Spiegelbild einer grausamen Welt zu deuten ist.

3. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass Reich-Ranickis Kritik zwar in vielen Punkten zutrifft, jedoch zu verallgemeinernd ist, um die Komplexität der Figur und die Absichten des Autors vollständig zu erfassen.

Schlüsselwörter

Die Blechtrommel, Günter Grass, Oskar Matzerath, Marcel Reich-Ranicki, Infantilismus, Inhumanität, Literaturkritik, Nationalsozialismus, Protest, Kleinbürgertum, Schicksal, Symbolik, Identität, Grausamkeit, Vergangenheitsbewältigung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Literaturkritik von Marcel Reich-Ranicki zu „Die Blechtrommel“ von Günter Grass und prüft die Richtigkeit seiner Thesen über den Protagonisten Oskar Matzerath.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit befasst sich mit den Themen Protest, Infantilismus, die Rolle des modernen Menschen, Inhumanität und der erzählerischen Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die von Reich-Ranicki aufgestellten Thesen – wie den „totalen Infantilismus“ und die „absolute Inhumanität“ Oskars – kritisch zu hinterfragen und in einen differenzierteren Kontext zu setzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich primär um eine werkimmanente Analyse des Romans unter punktueller Einbeziehung von Sekundärliteratur zur Überprüfung der Kritik-Aussagen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Oskars Protest durch seine Existenzweise, die Funktion seiner Trommel, den Infantilismus als Programm sowie die Frage, ob Oskar als Karikatur des modernen Menschen und als Verkörperung der Inhumanität gelten kann.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem „Die Blechtrommel“, „Oskar Matzerath“, „Infantilismus“, „Inhumanität“, „Protest“ und „Literaturkritik“.

Inwiefern beeinflusst der Wachstumsstop Oskars seine Beobachterrolle?

Durch den Wachstumsstop kann Oskar die Welt aus der Perspektive eines Kindes bzw. Zwerges betrachten, was ihm erlaubt, als distanzierter, kritischer Beobachter außerhalb der ernst genommenen Erwachsenenwelt zu stehen.

Warum kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass Reich-Ranickis Kritik zu starr ist?

Die Analyse zeigt, dass Oskars Figur zu komplex und vielschichtig ist, um sie ausschließlich auf Begriffe wie „absolute Inhumanität“ zu reduzieren, da er auch menschliche Züge zeigt und die Kritik an der NS-Zeit über eine einfache Karikatur hinausgeht.

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Details

Title
Die Blechtrommel - Zur Kritik von Marcel Reich-Ranicki
College
Université Paul-Valéry Montpellier 3  (Allemand Literature)
Course
Die Blechtrommel von Günter Grass
Grade
1.3
Author
Linda Neuhaus (Author)
Publication Year
2004
Pages
17
Catalog Number
V41382
ISBN (eBook)
9783638396547
ISBN (Book)
9783638790710
Language
German
Tags
Blechtrommel Kritik Marcel Reich-Ranicki Blechtrommel Günter Grass
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Linda Neuhaus (Author), 2004, Die Blechtrommel - Zur Kritik von Marcel Reich-Ranicki, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41382
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