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Ganz normale Menschen als Massenmörder. Handlungs- und Rechtfertigungsmotive aus sozialpsychologischer Sicht

Titel: Ganz normale Menschen als Massenmörder. Handlungs- und Rechtfertigungsmotive aus sozialpsychologischer Sicht

Hausarbeit , 2017 , 22 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Alexander Fichtner (Autor:in)

Psychologie - Sozialpsychologie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das Töten und die Begehung von Greueltaten im Krieg ist eine Erscheinung, die wir aus der Vergangenheit gut kennen. Auch Verbrechen wie Mord, Totschlag und Vergewaltigung sind bekannte Verbrechen, die in der Menschheitsgeschichte immer schon vorhanden waren. Weniger plausibel ist die Gegebenheit, dass auch ganz durchschnittliche Menschen – wenn die richtigen Umstände vorhanden sind – in der Lage sind, Gewalttaten zu begehen und diese auch rechtfertigen und mit dem eigenen Gewissen vereinbaren können. Das 20. Jahrhundert wurde häufig als das „Jahrhundert des Totalitarismus“ bezeichnet, da die totalitären Systeme – Kommunismus und Nationalsozialismus – viele Jahrzehnte das politische Klima dominierten. Auch die Verbrechen der totalitären Diktaturen zeigte eine neue Dimension. Im Nationalsozialismus kam es beispielsweise zu unvorstellbaren Exzessen, die von der NS-Führung befohlen wurden, aber (auch) von ganz gewöhnlichen Menschen – sie unterschieden sich nicht von dem gesellschaftlichen Durchschnitt - durchgeführt bzw. begangen wurden. Jedoch beschränkt sich ein solches Verhalten nicht auf autoritäre oder totalitäre Regime, sondern es zeigt sich beispielsweise auch bei Menschen, die in freiheitlichen Demokratien sozialisiert wurden, wie Harald Welzer am Beispiel von Greueltaten US-amerikanischer Soldaten in Vietnam zeigt.

Diese Arbeit will dem Phänomen nachgehen, warum scheinbar ganz normale Menschen zu Massenmördern werden - verbrecherisch handeln - sofern sie in eine Befehlshierarchie eingebunden sind, die das Töten erlaubt und sogar ausdrücklich honoriert. Diese sozialpsychologische Sichtweise wird anhand von Gustave Le Bons, Hannah Arendts und besonders Harald Welzers Thesen untersucht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschungsstand

3 Massenmord aus sozialpsychologischer Sicht

3.1 Durchführung und Rechtfertigung von Massenmord durch Befehlshierarchien und soziale Zugehörigkeit

3.2 Massenmord als moralisches Projekt

4 Harald Welzer: Wie und warum man Feinde vernichtet

4.1 Beispiel Vietnam

4.2 Beispiel Ruanda

4.3 Beispiel Jugoslawien

5 Kritik bzw. Gegenpositionen zu der sozialpsychologischen Interpretation

5.1 Persönlichkeit der Täter

5.2 Überzeugungen als wichtige Triebquelle für verbrecherisches Handeln

6 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, sozialpsychologische Mechanismen zu identifizieren, die erklären, warum scheinbar durchschnittliche Menschen unter bestimmten Bedingungen zu Massenmördern werden können, ohne dabei primär auf individuelle Persönlichkeitsmerkmale zurückzugreifen.

  • Die Bedeutung von Befehlshierarchien und sozialer Zugehörigkeit für verbrecherisches Handeln.
  • Die Interpretation von Massenmord als ein „moralisches Projekt“ zur Vernichtung definierter Feindbilder.
  • Die Analyse von Fallbeispielen wie dem Vietnam-Krieg, dem Völkermord in Ruanda und den Konflikten in Jugoslawien.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit alternativen Erklärungsansätzen, wie der Täterpersönlichkeit und ideologischen Überzeugungen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Durchführung und Rechtfertigung von Massenmord durch Befehlshierarchien und soziale Zugehörigkeit

Für den deutschen Soziologen Harald Welzer spielen soziale Befehlshierarchien und die (soziale) Zugehörigkeit entscheidende Rollen für die Begehung von Verbrechen, wie sie z.B. im Nationalsozialismus geschehen sind. Nicht Persönlichkeitsmerkmale oder Überzeugungen waren ausschlaggebend, dass ganz normale Menschen zu Massenmördern wurden, sondern es waren entsprechend die Einbindung dieser Leute in Befehlshierarchien und die Tatsache der Nicht-Zugehörigkeit der sogenannten „Feinde“ (vgl. Welzer 2005: 248).

Nach Welzers These sind Menschen dazu in der Lage, ihr Handeln in einen „spezifische[n] Referenzrahmen“ einzuordnen, der erlaubt, das eigene Handeln von ihrer Person getrennt zu sehen: Dann heißt die Rechtfertigung für die Tat, dass Krieg gewesen ist, es ein Befehl war, es vielleicht grausam war, aber getan werden musste. In diesem Falle wird ein Tötungsverbot zu einem Tötungsgebot, das verbrecherisches Handeln offenbar rechtfertigt und gutheißt.

Die „Sozialpsychologie des Massenmords“ ist nach Welzer v.a. dahingehend zu untersuchen, wie der Täter die Situation (in der die Verbrechen begangen werden) wahrgenommen und interpretiert hat und wie die sozialen und psychischen Prozesse sowie situativen Dynamiken waren, die der Entscheidung zum Töten vorausgegangen sind (vgl. Welzer 2005: 43).

Dabei darf nicht der Fehler gemacht werden, dass durch das Handeln in einer speziellen Situation entsprechende Rückschlüsse auf seine ganze Persönlichkeit gezogen werden, sondern es muss die Situation und die Interpretation dieser durch den Täter in Augenschein genommen werden (vgl. Welzer 2005: 44).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie normale Menschen zu Massenmördern werden, und skizziert den sozialpsychologischen Fokus der Untersuchung unter Einbeziehung von Autoren wie Harald Welzer.

2 Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über theoretische Grundlagen der Massenpsychologie von Le Bon bis Arendt und beleuchtet zentrale Sozialexperimente zum Gehorsam gegenüber Autoritäten.

3 Massenmord aus sozialpsychologischer Sicht: Hier wird der Fokus auf die Bedeutung von Befehlshierarchien, sozialer Gruppenzugehörigkeit und die moralische Umdeutung des Tötens als notwendiges Projekt gelegt.

4 Harald Welzer: Wie und warum man Feinde vernichtet: In diesem Kapitel werden die Thesen Welzers anhand konkreter historischer Beispiele aus Vietnam, Ruanda und Jugoslawien auf ihre praktische Anwendung hin untersucht.

5 Kritik bzw. Gegenpositionen zu der sozialpsychologischen Interpretation: Dieses Kapitel diskutiert alternative Erklärungsmodelle, insbesondere die Rolle der Täterpersönlichkeit und die Bedeutung tief verwurzelter ideologischer Überzeugungen.

6 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, wobei die Bedeutung der situativen Einbindung gegenüber rein dispositionellen Erklärungen hervorgehoben wird.

Schlüsselwörter

Massenmord, Sozialpsychologie, Befehlshierarchie, Harald Welzer, soziale Zugehörigkeit, Feindbilder, moralisches Projekt, Täterpersönlichkeit, Milgram-Experiment, Antisemitismus, Gewalt, Totalitarismus, Nationalsozialismus, Gruppendynamik, Kriegsverbrechen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die sozialpsychologischen Hintergründe, die es ermöglichen, dass scheinbar normale Menschen unter bestimmten Umständen zu Massenmördern werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Einbindung in soziale Hierarchien, die Konstruktion von Feindbildern, das Konzept des moralischen Projekts bei Verbrechen und die Abgrenzung zu anderen Tätermodellen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu ergründen, warum Menschen in bestimmten Situationen verbrecherisch handeln und wie diese Handlungen vor dem eigenen Gewissen rechtfertigt werden können, ohne zwingend eine sadistische Persönlichkeit zu besitzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstands, kombiniert mit einer Analyse sozialpsychologischer Thesen (insbesondere von Harald Welzer) und der Betrachtung historischer Fallbeispiele.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Mechanismen von Befehlshierarchien, vergleicht diese mit den Erkenntnissen aus verschiedenen Genoziden und Kriegen und stellt diesen Ansätzen kritische Gegenpositionen zur Persönlichkeit und Überzeugung von Tätern gegenüber.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Massenmord, Sozialpsychologie, Befehlshierarchie, Feindbildkonstruktion und situative Dynamik charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Harald Welzer von der Goldhagens?

Während Welzer die situative Einbindung in Hierarchien und Gruppendynamiken als Hauptursache ansieht, argumentiert Goldhagen, dass spezifische, tief sitzende antisemitische Überzeugungen das primäre Motiv für die Täter waren.

Welche Rolle spielt die „moralische Legitimierung“ bei Massenmorden?

Die moralische Legitimierung dient dazu, die Tötung von Menschen, die als „Feinde“ oder „Schädlinge“ deklariert wurden, als notwendige und gute Tat im Sinne einer höheren Moral umzudeuten, um so das eigene Handeln mit dem Gewissen zu vereinbaren.

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Details

Titel
Ganz normale Menschen als Massenmörder. Handlungs- und Rechtfertigungsmotive aus sozialpsychologischer Sicht
Hochschule
Universität zu Köln  (Humanwissenschaftliche Fakultät)
Note
1,0
Autor
Alexander Fichtner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V413427
ISBN (eBook)
9783668644557
ISBN (Buch)
9783668644564
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Massenmörder Nationalsozialismus Kommunismus Harald Welzer Ganz normale Menschen Täter
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Alexander Fichtner (Autor:in), 2017, Ganz normale Menschen als Massenmörder. Handlungs- und Rechtfertigungsmotive aus sozialpsychologischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413427
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