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Evangelische Kirchen in der DDR. Die Kirche im Sozialismus. Oppositionelle Bewegung in den 1980er Jahren

Titel: Evangelische Kirchen in der DDR. Die Kirche im Sozialismus. Oppositionelle Bewegung in den 1980er Jahren

Masterarbeit , 2016 , 67 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Verena Steigelt (Autor:in)

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Am 9. Oktober 1989 war es soweit. Die Demonstranten an jenem Montag in Leipzig ahnten, dass „die DDR am Abend dieses Tages nicht mehr dieselbe wie am frühen Morgen“ (Führer, 2010) war. Sie gingen nach dem Friedensgebet in der Nikolaikirche in Leipzig auf die Straßen und demonstrierten friedlich. Immer mehr Menschen schlossen sich den nachfolgenden Demonstrationen an und brachten die Mauer schließlich am 9. November 1989 zum Einstürzen. Es war das Ende des sozialistischen Ostdeutschlands und damit auch das Ende eines langen Weges der evangelischen Kirchen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Doch wie sah dieser Weg aus? Welche Stellung hatten die Kirchen in der DDR? In der Literatur gehen die Meinungen darüber weit auseinander. Passten sich die Kirchen an den Staat an oder leisteten sie Widerstand, waren sie Opportunisten oder Opposition? Gerade nach der Wende beschäftigten sich Theologen, Politikwissenschaftler und Soziologen mit den evangelischen Kirchen in der DDR. Einerseits wurden die evangelischen Kirchen kurz nach der Wende in der DDR als Vorbilder verbindlicher Kirchen gelobt, andererseits enorm stark für ihre Fehler kritisiert und als Teil des unehrlichen Systems angesehen.

Damit die Stellung der evangelischen Kirchen in der DDR deutlich wird und der Weg der evangelischen Kirchen durch Ost-Deutschland nachvollzogen werden kann, ist es kaum möglich, sich auf bestimmte Zeitetappen zu beschränken. Deshalb wird der Weg der evangelischen Kirchen in der DDR zunächst vom Kriegsende bis hin zur Entstehung des Bundes evangelischer Kirchen beleuchtet. Darauf folgt eine Darstellung der „Kirche im Sozialismus“. Die Schwierigkeiten, Probleme, aber auch Möglichkeiten, die diese Standortbestimmung und die Zeitspanne der „Kirche im Sozialismus“ mit sich brachten, wird unter Einbeziehung von drei Persönlichkeiten betrachtet, die eine zentrale Rolle innerhalb der Kirchen in der DDR spielten. Anschließend wird die oppositionelle Bewegung in den 1980er Jahren dargestellt, welche dem abschließenden Resümee
voraus geht. Diese Ausarbeitung konzentriert sich ausschließlich auf die evangelischen Kirchen in der DDR.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Evangelische Kirchen in der DDR zwischen 1949 und 1961

3. Der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR

4. „Die Kirche im Sozialismus“

4.1. Selbstverständnis

4.2. Rechtsstellung der evangelischen Kirchen

4.3. Die evangelischen Kirchen zwischen Verantwortung und Deeskalation

5. Anpassung und/oder Widerstand: Wichtige Persönlichkeiten und ihr Wirken

5.1. Albrecht Schönherr

5.2. Christa Lewek

5.3. Heino Falcke

Exkurs: Christus befreit – darum Kirche für andere

5.4. Würdigung und Vergleich

6. Oppositionelle Bewegung in den 1980er Jahren

6.1. Politische und gesellschaftliche Situation in den 80er Jahren

6.2. Die Friedensbewegung

6.2.1. Schwerter zu Pflugscharen

6.2.2. Basisgruppen unter dem Dach der Kirche

6.2.3. Friedensgebete

6.2.4. Montagsdemonstrationen

6.3. Die friedliche Revolution und der Fall der Mauer

7. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und den Weg der evangelischen Kirchen in der DDR von 1949 bis zur friedlichen Revolution 1989. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Kirche in einem totalitären System zwischen Anpassung, Widerstand und der Mitgestaltung einer gerechteren Gesellschaft positionieren konnte und welche Handlungsspielräume sie dabei nutzte.

  • Entwicklung und Herausforderungen der „Kirche im Sozialismus“.
  • Analyse der Rolle prägender Persönlichkeiten (Schönherr, Lewek, Falcke).
  • Die Kirche als Freiraum für oppositionelle Basisbewegungen.
  • Vergleich von kirchenpolitischen Strategien im Spannungsfeld von Staat und Gesellschaft.
  • Bedeutung der kirchlichen Friedensarbeit für die friedliche Revolution.

Auszug aus dem Buch

Heino Falcke

Eine verbesserliche Welt – daran glaubten in der DDR ab den 50er Jahren nicht mehr viele Christen. Doch für Heino Falcke war es die Hoffnung auf eine verbesserliche Welt, die ihn ununterbrochen innerhalb der ökumenischen Arbeit als Pfarrer und Probst antrieb.

Am 12. Mai 1929 wurde Heino Falcke in Riesenburg im damaligen Westpreußen geboren. Sein Vater war Schulleiter, wurde jedoch bald für den Krieg eingezogen. In Königsberg besuchte Heino Falcke das Gymnasium und machte 1946 nach der Flucht aus Westpreußen sein Abitur in Seehausen in der Altmark. Dort fand er auch in die Junge Gemeinde hinein, dessen junger Pfarrer bei Bonhoeffer im Predigerseminar war. Durch ihn kam Falcke erstmals mit Bonhoeffers Werken in Berührung und wurde für sein Theologiestudium motiviert. 1946 nahm er das Theologiestudium in Berlin auf und setzte es nach zwei Jahren in Göttingen fort. 1950 erhielt er ein Stipendium in Basel und wurde Assistent bei Karl Barth, dem maßgeblichen Verfasser der Barmer Theologischen Erklärung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Zusammenbruch der DDR und fragt nach der Rolle der evangelischen Kirchen, die zwischen Widerstand und Anpassung schwankten.

2. Evangelische Kirchen in der DDR zwischen 1949 und 1961: Dieses Kapitel behandelt die Reorganisation der Landeskirchen nach dem Krieg und den zunehmenden Druck durch das SED-Regime, der die Kirchen in die Defensive drängte.

3. Der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR: Der Fokus liegt auf der faktischen Abspaltung der DDR-Kirchen von der EKD durch den Mauerbau und der Gründung des BEK.

4. „Die Kirche im Sozialismus“: Hier wird das neue Selbstverständnis der Kirche als „Kirche für andere“ und ihre rechtliche sowie gesellschaftliche Stellung analysiert.

5. Anpassung und/oder Widerstand: Wichtige Persönlichkeiten und ihr Wirken: Dieses Kapitel porträtiert Schönherr, Lewek und Falcke und vergleicht ihre unterschiedlichen Ansätze zur Gestaltung des kirchlichen Dienstes im SED-Staat.

6. Oppositionelle Bewegung in den 1980er Jahren: Die Untersuchung der Rolle der Kirche als Schutzraum für Friedensgruppen, Basisbewegungen und ihre Funktion als Ausgangspunkt der friedlichen Revolution.

7. Resümee: Eine kritische Rückschau auf die Rolle der Kirche, die sowohl als „Mutter der Wende“ gefeiert als auch für ihre Systemnähe kritisiert wurde.

Schlüsselwörter

DDR, Evangelische Kirche, Kirche im Sozialismus, SED, Friedensbewegung, Opposition, Albrecht Schönherr, Christa Lewek, Heino Falcke, Dietrich Bonhoeffer, Friedliche Revolution, Montagsdemonstrationen, Schwerter zu Pflugscharen, BEK, Staat-Kirche-Verhältnis

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die wechselvolle Geschichte und die politische Rolle der evangelischen Kirchen in der DDR zwischen 1949 und 1989.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis zwischen Kirche und SED-Staat, das theologische Selbstverständnis der „Kirche im Sozialismus“ sowie die Unterstützung oppositioneller Gruppen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den Weg der Kirchen in der DDR nachzuzeichnen und zu klären, wie diese sich zwischen Anpassung, Widerstand und inhaltlicher Mitverantwortung positioniert haben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theologische und kirchengeschichtliche Analyse, die primär auf der Auswertung von Fachliteratur, Quellen und Dokumenten sowie auf Biografien kirchlicher Führungspersönlichkeiten basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet die Entwicklung des BEK, das Wirken prägender Akteure wie Schönherr, Lewek und Falcke sowie die Entstehung der oppositionellen Bewegung in den 1980er Jahren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

DDR, Kirche im Sozialismus, Friedensbewegung, Opposition, Staat-Kirche-Verhältnis und Bonhoeffer-Theologie sind die prägenden Begriffe.

Wie bewertet der Autor die Rolle von Albrecht Schönherr?

Der Autor zeichnet Schönherr als moderaten Vermittler, der durch seine Verhandlungspolitik Freiräume schuf, dafür aber nach der Wende Kritik für eine zu große Nähe zum System erntete.

Inwiefern unterschied sich Heino Falcke von den anderen Akteuren?

Falcke positionierte sich deutlich kritischer gegenüber dem realexistierenden Sozialismus und unterstützte als Probst an der Basis explizit oppositionelle Gruppen und Reformbewegungen.

Welchen Einfluss hatte der "Exkurs: Christus befreit – darum Kirche für andere" auf die Kirche?

Dieser Vortrag Falckes war wegweisend für das Verständnis einer Kirche, die sich nicht in Nischen zurückzieht, sondern mündige gesellschaftliche Mitarbeit als Glaubensauftrag versteht.

Ende der Leseprobe aus 67 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Evangelische Kirchen in der DDR. Die Kirche im Sozialismus. Oppositionelle Bewegung in den 1980er Jahren
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,3
Autor
Verena Steigelt (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
67
Katalognummer
V413271
ISBN (eBook)
9783668642652
ISBN (Buch)
9783668642669
Sprache
Deutsch
Schlagworte
evangelische kirchen kirche sozialismus oppositionelle bewegung jahren
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Verena Steigelt (Autor:in), 2016, Evangelische Kirchen in der DDR. Die Kirche im Sozialismus. Oppositionelle Bewegung in den 1980er Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413271
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Leseprobe aus  67  Seiten
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